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Ich-AG und Co. – Risiken und Chancen öffentlich geförderter Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit

  • Ute Luise Fischer
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Zusammenfassung

‚Jeder ist Unternehmer‘, so titelt die Website ‚Gründungszuschuss.de‘. Obwohl die Seite so heißt wie das aktuelle Förderinstrument der Bundesagentur für Arbeit (Gründungszuschuss), wird sie nicht von dieser betrieben. Sondern verantwortlich zeichnet eine Gruppe junger Selbstständiger aus München. Dieses Phänomen deutet darauf hin, dass sich im Umfeld staatlicher Gründungsfinanzierung ein eigener Markt für Information und Beratung herausgebildet hat. Denn zur Produktpalette der Gruppe gehören eigene beratende und weiterbildende Dienstleistungen speziell für geförderte und zuvor arbeitslose Gründerinnen und Gründer. Es ist ein Beispiel für zahlreiche ähnlich gelagerte Beratungs- und Weiterbildungsangebote und lässt auf eine expandierende Nachfrage durch Gründungsinteressierte schließen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der quantitativ gestiegenen Bedeutung der öffentlichen Gründungsförderung. Sie lässt sich an der zumindest bis 2007 enorm gewachsenen Anzahl von Gründungen aus der Arbeitslosigkeit ebenso ablesen wie an den gestiegenen öffentlichen Ausgaben für Existenzgründungen. Während andere arbeitsmarktpolitische Programme gekürzt wurden (etwa ‚Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen‘ und ‚Fortbildungen und Umschulungen‘), erreichte die Gründungsförderung im Jahr 2006 den Status des größten Einzelpostens aktiver Arbeitsmarktpolitik (Caliendo et al. 2007: 2).

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Authors and Affiliations

  • Ute Luise Fischer
    • 1
  1. 1.Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche FakultätTU DortmundDortmund

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