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Wider die theoretischen Erwartungen: empirische Befunde zur Motivation von Unternehmensgründungen durch Migrant/inn/en

  • Andrea D. Bührmann
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Zusammenfassung

In der Vergangenheit konzentrierte sich die soziologische Entrepreneurshipforschung ausgehend von modelltheoretischen Überlegungen vielfach auf erfolgreiches Unternehmertum und seine wirtschaftlichen und/oder politischen Bedingungen (Maurer/Schimank 2008; Swedberg 2009b). Unterbelichtet blieben dabei zumeist Fragen nach den weniger erfolgreichen Kämpfen um das unternehmerische Über-Leben und die Risiken einer unternehmerisch-selbstständigen Arbeits- und Lebensführung am Rande des Existenzminimums. So sind bislang kaum Fragen nach unternehmerischen Aktivitäten diskutiert worden, das vielleicht gar nicht zu einer Unternehmensgründung führt, eine Unternehmensauflösung einleitet oder aber in – mehr oder minder auf Dauer gestellte – prekäre unternehmerische Lebenslagen bzw. -führungen einmündet (vgl. dazu auch Aldrich 2005: 451). Dabei wird Unternehmertum als prekär betrachtet, wenn sich die unternehmerisch Tätigen in einer sozialstrukturell objektiv als schwierig beobachtbaren und/oder subjektiv als heikel empfundenen sozialen Lage befinden. D.h. wenn das Einkommens-, Schutz- und Inklusionsniveau auf längere Sicht unter den gesellschaftlichen Standard zu sinken droht bzw. sinkt und/oder die unternehmerisch Tätigen darauf hoffen müssen, unternehmerisch erfolgreich zu sein, und doch permanent befürchten, (noch) weiter sozial abzusteigen. Prekäres Unternehmertum wird hier also sowohl mit Blick auf objektive Erwerbsstrukturen wie Marktbedingungen als auch auf subjektive Orientierungen bzw. Handlungsstrategien bestimmt.

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Authors and Affiliations

  • Andrea D. Bührmann
    • 1
  1. 1.Institut für SoziologieUniversität MünsterMünster

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