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Die Lebenswelt

  • Michael Kauppert
Chapter
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Zusammenfassung

In den Varianten des Zusammenhanges von Erzählung und Erfahrung, die in den beiden vorangegangenen Kapiteln diskutiert wurden, stand im Vordergrund, wie die Versprachlichung eines Selbstverhältnisses motiviert ist. Dabei stellten sich zwei Quellen heraus. In der zeitlichen Dimension werden Erzählungen durch die Differenz von Erwartung und Erfüllung generiert (Kapitel II). In der sozialen Dimension werden Erzählungen durch die Differenz von Ego und Alter und die sich daraus ergebenden Konstellationen von Fragen motiviert (Kapitel III). Eine solche Untersuchung gerät freilich in die Gefahr, das Erkenntnisziel einer Soziologie des Wissens aus den Augen zu verlieren. Denn dieser kann es zwar recht sein zu wissen, wie Erzählungen zustande kommen – zumal dann, wenn sie annimmt, dass eine interne Beziehung von Erzählung und Erfahrungswissen besteht. Doch unter der Hand droht diese Untersuchung in eine Persönlichkeitspsychologie bzw. Sozialisationstheorie abzugleiten. Denn wenn es insbesondere Enttäuschungen und Fragen sind, die Erzählungen generieren, dann sind das entweder Anzeichen für die kleinen oder großen Krisen im Alltag von Ich-Erzählern oder praktische Anforderungen in der Sozialisation von Alltagsteilnehmern. Einer Soziologie des Wissens hingegen geht es um die Aufklärung der Struktur des „Wissensvorrats“, den ein Ich-Erzähler von der Welt hat. Demnach können die beiden vorangegangenen Kapitel nur Vorarbeiten sein, die die Motivierung und die Folgen einer Erzählung für einen Ich-Erzähler offen legen. Sie müssen nun ergänzt werden um eine Perspektive, die ihren Fokus nicht mehr auf das Selbstverhältnis eines Sprechers legt, sondern auf dessen Weltverhältnis . In diesem Kapitel werde ich zunächst zeigen, wie der Erzählung dieser Weltbezug insbesondere von Habermas zuerkannt wird, der die Erzählung als eine Laientheorie der Lebenswelt bezeichnet hat (1.). In den beiden darauffolgenden Abschnitten werde ich die Lebensweltphänomenologie bei Edmund Husserl (2.) und die Lebensweltsoziologie bei Alfred Schütz (3.) diskutieren, um daran aufzuzeigen, welche Problemstellungen die Lebenswelttheorie von Habermas (4.) beerbt. Erst im Durchgang durch diese Positionen kann eingeschätzt werden, auf welche Weise die Erzählung für ein Unternehmen in Frage kommt, dass sich der Erschließung der Strukturen des (inter-)subjektiven Erfahrungsraums verschrieben hat (Kapitel V und Kapitel VI).

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2010

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  • Michael Kauppert

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