Advertisement

Objektivierungen

  • Michael Kauppert
Chapter
  • 892 Downloads

Zusammenfassung

Im vorangegangenen Kapitel habe ich die These vertreten, dass eine Erfahrung mit sich selbst im strengen Sinne nur derjenige macht, der eine mehr oder minder große Enttäuschung zu bewältigen hat. Im Folgenden soll ein zweiter Modus der Selbstbeziehung in den Blick gerückt werden, mit der ein eigener Begriff von Erfahrung verbunden ist. Dadurch rückt nun die Grundlage für ein Problem in den Vordergrund, das auch in der soziologischen Biographieforschung in der Methodologie von Schütze und Rosenthal virulent ist. Die Frage lautet nun: Unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Folgen entstehen im Alltag selbst narrative Formen von Selbstverhältnissen, die man als „theoretische“ bezeichnen kann? Wenn sich das praktische Narrativ im Alltag dadurch auszeichnet, dass sich hier ein Mensch deswegen zu sich verhält, weil seine Intentionen nicht erfüllt wurden, dann ist damit auch gesagt, dass das theoretische Narrativ des Alltags auf eine andere Weise zustande kommen muss. Die Frage lautet daher: Unter welchen Bedingungen verhält sich ein Mensch auch dann zu sich, wenn es nicht Enttäuschungen sind, die ihn dazu veranlassen? Diese Anlässe sind soziale, namentlich die Begegnung mit anderen Menschen. Man muss der Andersheit eines Menschen nicht gleich jene aufgeladene Bedeutung zuerkennen, wie das ihm Rahmen einer Philosophie der Alterität getan wird (Waldenfels 1997). Folgte man dieser, dürfte der Andere nicht einfach nur in seiner vom jeweils Eigenen abweichenden Fremdheit, Unbekanntheit und Gefährlichkeit verstanden werden, sondern müsste hinsichtlich seiner radikalen Andersheit verstanden werden (Levinas 2003). Soziologen haben demgegenüber schon genug damit zu tun, die ganz gewöhnliche Andersheit des Fremden zu analysieren (vgl. Schütz 1972; Simmel 1992b; Alois Hahn 1994, Nassehi 1995).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2010

Authors and Affiliations

  • Michael Kauppert

There are no affiliations available

Personalised recommendations