Advertisement

Die Biographieforschung

  • Michael Kauppert
Chapter
  • 965 Downloads

Zusammenfassung

Die folgenden Überlegungen gelten der soziologischen Behandlungsart von Biographien. Ich möchte einzelne Methoden der biographischen Analyse nur insoweit darstellen, wie sich dadurch aufzeigen lässt, welches die teils expliziten, größtenteils jedoch impliziten Annahmen sind, mittels derer sich diese Verfahren ihrem Untersuchungsgegenstand zu nähern suchen. Erst wenn es gelingt, auch in der Heterogenität methodischer Gegenstandserschließungen durchgängige Prinzipien ausfindig zu machen, durch welche ein Forschungsfeld maßgeblich organisiert wird, kann man von einer Einheitlichkeit wenn nicht des Untersuchungsgegenstandes, so aber doch des Zugangs zu ihm ausgehen. Das Feld der soziologischen Biographieforschung bliebe jedenfalls unverstanden, wenn versucht würde, es vom Gegenstand her zu bestimmen. Man braucht sich nur einige der hier ansässigen Fragen hinsichtlich des Untersuchungsobjektes zu vergegenwärtigen, um die Illusion eines einzigen Gegenstandes der Biographieforschung aufzulösen: Ist es der gesellschaftliche Anteil an objektiven Ereignissen im Lebensverlauf? Sind es diese Ereignisse selbst oder ist es die kognitiv erinnerte Geschichte daran? Handelt es sich bei Autobiographien um gegenwärtige Deutungsmuster vergangener Erfahrungen oder sind dies pragmatische Erzählungen eines sozial eingebetteten Selbst? Trotz der Heterogenität denkbarer Gegenstände einer soziologischen Biographieforschung besteht, wie ich in diesem Kapitel zeigen werde, eine relative Homogenität hinsichtlich der in diesem Feld praktisch befolgten Prinzipien der Gegenstandserschließung. Bei der soziologischen Biographieforschung handelt es sich um ein Forschungsfeld, in dem unterschiedliche Forscher auf einen gemeinsam geteilten Fundus an Hintergrundüberzeugungen zurückgreifen. Die methodologische doxa innerhalb des biographischen Feldes führt zu einer Vorwegnahme dessen, was und wie etwas für die soziologische Forschung als Gegenstand vor Augen stehen kann. Indem „Biographie“ forschungspraktisch standardisiert wird, ohne dass dazu einzelne Forscher eine Absprache treffen müssten, werden alternative Behandlungsarten desselben Gegenstandes ausgeschlossen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2010

Authors and Affiliations

  • Michael Kauppert

There are no affiliations available

Personalised recommendations