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Einleitung

  • Michael Kauppert
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Zusammenfassung

Dass es in der geographischen Ferne und kulturellen Fremde etwas zu entdecken gibt, an dem sich das Selbstverständnis derer schärfen und abarbeiten kann, die es in die „weite Welt“ zieht, gehört zu einer Volksweisheit. Sie lässt sich auch zu den verborgenen Gründungsmotiven der Ethnologie zählen. Denn zwar professionalisiert sich das Sehnsuchtsmotiv eines Reisenden, wenn er sich das Gewand der Wissenschaft umlegt, doch der in Aussicht stehende Ertrag scheint sich von seinen Privatinteressen nicht zu unterscheiden: Was die Menschen seien, so Rousseau (1989, S. 120), könne jeder in seiner unmittelbaren Nachbarschaft erfahren, was aber der Mensch ist, erführe man nur in der Ferne. Unter allen Unbekannten aber, die in der Fremde auf einen Forscher warteten, war er selbst die größte. Die Wilden warfen ihm das zivilisatorische Bild zurück, das er sich von ihnen zu machen versuchte. Weil sich die Fremden und der Fremdling nur ganz allmählich miteinander verständigen und gegenseitig durchdringen konnten, blieb dem Ethnologen nichts anderes übrig, als sich zumindest hypothetisch an sie zu assimilieren. Verlängert man den Forschungsaufenthalt eines Ethnologen bei den von ihm Beforschten hypothetisch ins Unbestimmte und stellt sich vor, dass sich das Forschungsinteresse im Laufe der Zeit mehr und mehr abschleift und im Gegenzug aus dem Ethnologen sukzessive einen Einheimischen macht, dann hätte man die Ausgangssituation eines Phänomenologen gewonnen.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2010

Authors and Affiliations

  • Michael Kauppert

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