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Straßenkindheit in Tadschikistan

  • Chantal Munsch
Chapter

Zusammenfassung

Tadschikistan liegt am südlichen Zipfel der ehemaligen Sowjetunion, eingebettet zwischen Afghanistan, Usbekistan, Kirgisien und China. Ethnisch gehört das tadschikische Volk zu Persien, der Einfluss der russischen Kolonisation seit dem Ende des 17. Jahrhunderts und der Sowjetunion ist jedoch in vielerlei Hinsicht deutlich spürbar. Die meisten Tadschiken sind froh darüber, dass sie unter besseren Lebensbedingungen leben als ihre afghanischen Nachbarn, welche sich der Kolonialisierung erfolgreich widersetzten. Die Vergangenheit ihres Landes als Teil der Sowjetunion brachte ihnen nicht nur eine große (heute allerdings marode) Infrastruktur in Gestalt von Schulen und Krankenhäusern, sondern auch, wie sie mit Stolz verkünden, die »Befreiung der Frau«. Obwohl sie die wenigen strenggläubigen Muslime sehr respektieren, sind die meisten Menschen in Tadschikistan erleichtert darüber, dass die Islamisten keinen großen Einfluss im Land ausüben. Durch die russische Kolonisation wurden die islamischen Strukturen weitgehend zerstört, und besonders in den ersten Jahren der sowjetischen Besatzung wurden viele Mullahs und gläubige Muslime getötet. Im Alltagsleben wird heute kaum explizit auf den Islam Bezug genommen, sondern eher auf die Tradition, den odat. Nach der Unabhängigkeitserklärung von der Sowjetunion im Jahr 1990 herrschte von 1992 bis 1997 ein Bürgerkrieg, der viele Menschen das Leben kostete und das Land wirtschaftlich ruinierte. Obwohl sich Tadschikistan heute langsam ökonomisch erholt, leben die Menschen, vor allem in den südlichen Provinzen an der Grenze zu Afghanistan, in großer Armut. Im Jahr 2003 lebten der Weltbank zufolge 64% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze und 18% in »extremer« Armut (Word Bank 2005).1 Das Leben in Tadschikistan ist von diesen verschiedenen Einflüssen – von persischen Traditionen, sowjetischen Strukturen und der Transformation der Gesellschaft nach der Unabhängigkeitserklärung – sowie den Folgen des Bürgerkrieges geprägt.

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Literatur

  1. Tertilt, Hermann (1996): Turkish Power Boys. Ethnographie einer Jugendbande. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.Google Scholar
  2. Munsch, Chantal (2004): Street Children in Tajikistan. Study carried out with Save the Children U.K. and the Drop-in Centre »Navras« in Dushanbe. Dushanbe, Save the Children U.K.Google Scholar
  3. World Bank (2005): Republic of Tajikistan. Poverty Assessment Update. Report No: 30853-TJ.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH 2010

Authors and Affiliations

  • Chantal Munsch

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