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Kindheitsforschung in kulturwissenschaftlicher Sicht

  • Peter Gansen
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Zusammenfassung

Kulturalität ist ein wesentlicher Faktor zum Verstehen des Menschen. Es wird gegenwärtig selbst von Seiten der Kognitionswissenschaften und der naturwissenschaftlichen Anthropologie betont, dass diesen in seiner onto- und phylogenetische Entwicklung vor allem seine Sozialität und Kulturfähigkeit auszeichnet (vgl. Tomasello 2002). In der Geschichte der Pädagogik hat der Begriff der Kultur immer wieder eine wichtige Rolle gespielt; allerdings lassen sich in dieser Fachdisziplin von historischen Epochen bis heute ideologische Verkürzungen und Funktionalisierungen desselben feststellen. Angesichts kultureller Disparitäten und der pädagogischen Notwendigkeit, mit Heterogenität und Vielfalt umzugehen, ist in der Erziehungswissenschaft für ein nicht-essentialistisches Verständnis von Kultur zu plädieren, das sich von der Konstruktion idealistischer Vereinheitlichungen und kulturübergreifender Bildungskonzepte verabschiedet. Kulturen können nicht mehr als abgrenzbare und homogene Ganzheiten betrachtet werden. Im Zuge der jüngeren Forschungen in den cultural studies wird Kultur nicht mehr als eine spezifische Bildungsphäre, sondern als ein vielschichtiger sozialer Aushandlungsprozess in einer kulturell dynamischen Wirklichkeit verstanden; „Kultur“ umfasst dann allgemein die Lebensweisen und Vorstellungen, durch die Menschen ihr Leben erfahren und gestalten (können) (vgl. Bachmann-Medick 2004, Wimmer 2008).

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  • Peter Gansen

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