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ExpertInneninterview: Zur Rekonstruktion spezialisierten Sonderwissens

  • Michael Meuser
  • Ulrike Nagel

Das ExpertInneninterview ist ein in der empirischen Sozialforschung häufig eingesetztes Verfahren. Gleichwohl wurde es in der Methodenliteratur hinsichtlich seiner Besonderheit im Vergleich mit anderen Interviewtechniken lange Zeit eher randständig behandelt (vgl. Meuser/Nagel 1991); inzwischen sind erste Ansätze einer methodischen und methodologischen Diskussion zu verzeichnen (vgl. Brinkmann/Deeke/Völkel 1995, Bogner/Littig/Menz 2002, Mieg/Näf 2006). Oft wird das ExpertInneninterview im Rahmen eines Methodenmix bzw. einer Triangulation eingesetzt, z.B. in Kombination mit einer Dokumentenanalyse oder mit anderen (quantitativen und qualitativen) Interviewverfahren; es fungiert aber auch als eigenständiges Erhebungsinstrument. Wichtige Anwendungsbereiche sind die Policy- und Implementationsforschung, die Industriesoziologie, die Eliten- und die Verwendungsforschung sowie viele Felder angewandter Sozialforschung, z.B. die Sozialberichterstattung (vgl. Meuser/Nagel 2002). In der Frauen- und Geschlechterforschung werden ExpertInneninterviews vor allem in Studien zur Entwicklung und Implementierung geschlechterpolitischer Maßnahmen und Programme eingesetzt (z.B. Bednarz-Braun/Bruhns 1995, 1997; Meuser 1989, Schön 1999) sowie in (mikropolitischen) Forschungen zum Verhältnis von Organisation und Geschlecht (z.B. Riegraf 1996, Wimbauer 1999).

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Literatur

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH 2008

Authors and Affiliations

  • Michael Meuser
  • Ulrike Nagel

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