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Soziodemographischer Hintergrund deutscher Spitzenpolitiker

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Auszug

Herzog hat sich in seinem Standard-Werk sehr kritisch mit der so genannten social background analysis auseinandergesetzt. Er kritisiert den „stratifikationstheoretischen Ansatz“, der davon ausgeht, dass „politische Aufstiegschancen einer Person abhängig sind von ihrer Herkunft aus einer bestimmten sozialen Schicht, Subkultur, Religionsgemeinschaft, Berufskategorie, Altersgruppe usw. Demnach sind Individuen sozial — und folglich auch politisch — unterschiedlich privilegiert“ (Herzog 1975: 20). Sein Hauptkritikpunkt ist die vermittelte Vorstellung des Stratifikations-Ansatzes, dass Elitenrekrutierung ein einstufiger Vorgang sei. Diese Annahme lässt jedoch unberücksichtigt, dass sich viele der oben erwähnten sozialen Merkmale über die Zeit hinweg ändern können und nur wenige invariant sind. Herzog veranschaulicht dies an einem Beispiel: „Aus einer Arbeiterfamilie zu stammen, muß hinsichtlich politischer Aufstiegsprozesse wenig oder gar nichts bedeuten, wenn man später durch entsprechende Ausbildung oder Verbandskarriere in eine höhere Sozialschicht gelangt ist und von dort aus in die politische Laufbahn eintritt.“ (Herzog 1975: 23) Zudem könne es beispielsweise für eine Karriere völlig irrelevant sein, aus einer Großstadt zu kommen, wenn man den Hauptteil des politischen Aufstiegs als Kleinstädter erfahren hat (vgl. Herzog 1975: 23).

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Literature

  1. 12.
    Diese Erklärung erscheint wesentlich plausibler als die Argumentation von Schöler-Macher. Sie ist der Auffassung, dass es ein ungeschriebenes Anforderungsprofil für den Beruf des Politikers gebe, das eine „große Nähe zu kulturellen Vorstellungen von Männlichkeit“ aufweist (vgl. Schöler-Macher 1992: 419).Google Scholar
  2. 13.
    Dies entspricht den Anteilen, die Schindler für den Deutschen Bundestag im Zeitraum von 1949 bis 1999 feststellte (vgl. Schindler 1999: 665f).Google Scholar

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009

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