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Bildungsferne Jugendliche? Zur Problematik einer Standard gewordenen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektive auf Hauptschüler

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Der Beitrag thematisiert die Kategorie der Bildungsferne als Kategorie zur Identifizierung sozialer Gruppen, sei es im engeren Sinn im Hinblick auf deren Bildungsbeteiligung oder in einem weiteren im Hinblick auf deren Auffälligkeitsbzw. Gefährdungspotenzial in Bezug auf die gesellschaftliche Integration. Leitend ist hierbei die Überlegung, dass nicht nur die Standardisierungsprozesse der Schule und des Bildungswesens insgesamt, sondern ebenso die wissenschaftlich gebräuchlichen und in diesem Sinne Standard gewordenen Erklärungsmuster und Kategorisierungen eine ungleichheitsreproduzierende Logik in sich tragen, die es zu reflektieren gilt (Bourdieu 1993a; Friebertshäuser 2006: 236ff.). Im wissenschaftlichen wie öffentlichen Alltag ist die Bezeichnung ‚bildungsfern‘ für (junge) Menschen, die ihre Schulzeit (maximal) mit dem Hauptschulabschluss beendet haben, geläufig; mit Rieger-Ladich/Friebertshäuser/Wigger (2006: 16) ließe sich hier durchaus von einem Begriff sprechen, der – nicht nur – „innerhalb des Fachdiskurses zum vertrauten Inventar gezählt werden [kann]“.

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