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Kennen Hindus und Buddhisten einen gerechten Krieg?

  • Jakob Rösel

Zusammenfassung

Um 260 vor Christus verkündet der Nordindien beherrschende König Ashoka (ca. 268-233), dass er Tieropfer und Fleischgenuss in seinen Herrschaftszentren verbietet, dass er sich auf das Dharma, das Gesetz – vorrangig des Buddha –, stützen wolle und der Gewalt im Alltag wie in der Politik abschwöre. Damit wird die bereits mehrere Jahrhunderte alte Mönchsphilosophie, die wir als Buddhismus bezeichnen de facto zur Staatslehre und Staatsreligion. Sie prägt und beherrscht Indiens Geschichte und Politik fast ein Jahrtausend. Erst im achten nachchristlichen Jahrhundert setzen neue Regionaldynastien im Zentrum ihrer Reiche neue Tempel, Riten, Gottheiten und Kulte ein. Das, was wir später als Hinduismus bezeichnen, beginnt den Buddhismus jetzt endgültig zu marginalisieren. Dieser Hinduismus ist aus der Transformation überaus hartnäckiger, allgegenwärtiger, aber lange Zeit peripherer brahmanischer Riten und Kulte hervorgegangen. Während der Hinduismus den Buddhismus aus dem Zentrum politischer Repräsentanz und Legitimation drängt, zeigt sich aber bereits eine weitere Zeitenwende. Während des 8. Jahrhunderts wird der Islam von arabischen Händlern an die Westküste und von Reitertrupps in das Industal getragen. Seit 1.000 nach Christus dringt die neue Religion plündernd und schließlich erobernd in „Sind und Hind“, in das Industal und im Norden Indiens ein. Weit über tausend Jahre haben damit buddhistische und hinduistische Machthaber über ganz Südasien hinweg Krieg führen können. Haben sie dabei die Konzeption eines gerechten, eines moralisch und religiös gerechtfertigten Krieges entwickelt? Im Folgenden soll gezeigt werden, dass dies nicht der Fall war; dass Buddhisten und Hindus aber eine Zivilisation der Eindämmung, der zweckrationalen Beschränkung und der Ritualisierung des Krieges entwickelten – die ihnen gegenüber dem Islam zum Verhängnis wurde. Dabei werden drei Aspekte aufgezeigt:
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    wie seit Ashoka ein fast tausend Jahre währendes Repräsentationsschema imperialer Herrschaft und Kriegsführung entstand und wie dieses Schema seit dem achten Jahrhundert von einem auf die Verehrung von Regionalgöttern ausgerichteten Hinduschema ersetzt wurde,

     
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    wie unter diesen religiösen und politischen Rahmenbedingungen Krieg geführt wurde und was unter diesen Rahmenbedingungen nicht als gerechter, aber als angemessener, standesgemäßer und zweckmäßiger Krieg galt, und

     
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    weshalb diese Theorie und Praxis des Dharma-konformen Krieges gegenüber einem neuen Aggressor, dem Islam, versagte.

     

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  • Jakob Rösel

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