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Bundestagswahlkampf 2005 – Strategische Rationalität versus personalisierte Emotionalität

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Der Bundestagswahlkampf 2005 endete am Wahlabend des 18. September in ähnlicher Weise, wie er rund vier Monate zuvor, am Abend des 22. Mai kurz nach dem Schließen der Wahllokale bei den nordrhein-westfälischen Landtagswahlen begann: mit einer unerwarteten “Solo-Nummer” Gerhard Schröders. In beiden Fällen machte sich der “Medienkanzler” den öffentlichkeitswirksamen Resonanzraum des Live-Fernsehens zunutze, um die Aufmerksamkeit ganz auf sich und sein Anliegen zu lenken und dabei die eigentlichen Wahlgewinner der CDU, Angela Merkel bzw. Jürgen Rüttgers, in den Momenten ihres Triumphs in den Schatten zu stellen (vgl. z. B. Korte 2005a: 151). In beiden Fällen bestimmten dann auch die Worte des Kanzlers und die Interpretationen der dahinter vermuteten Absichten in den darauf folgenden Tagen die Medienberichterstattung. Während jedoch Schröders geschichtsträchtiger, “suboptimaler” Aufritt in der “Elefantenrunde” am Abend der Bundestagswahl – seine Weigerung, den Wahlsieg der Union und Merkels anzuerkennen, und sein Rundumschlag gegenüber einer vermeintlich tendenziösen Wahlkampfberichterstattung – nur vergleichsweise kurzfristig Irritationen auslösten, sollte sich die überraschende Ankündigung Schröders und Münteferings vier Monate zuvor, die für den Herbst 2006 geplanten Bundestagswahlen um ein Jahr vorziehen zu wollen, nachhaltig auf die Politik im Allgemeinen und den Parteienwettbewerb im Speziellen auswirken.

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