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Der Einfluss des sozialen Kapitals auf die strukturelle Eingliederung

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Auszug

Im Rahmen der in Kapitel 3 erfolgten Darstellung erweiterter Konzepte der Eingliederung hat besonders Portes auf die große Bedeutung des in den intraethnischen Netzwerken der ethnischen Gemeinschaft eingebundenen sozialen Kapitals der Migranten — speziell für den Bereich der strukturellen Eingliederung — hingewiesen. Für ethnische Gruppen, die lediglich über eine geringe Ausstattung mit Humankapital verfügen, kann jedoch angenommen werden, dass vornehmlich das in den inter-ethnischen Beziehungen zu Personen der ansässigen Bevölkerung im Aufnahmeland eingebundene soziale Kapital einen größeren Nutzen verspricht. Dieses spezifische soziale Kapital ist somit als eine wichtige Opportunität für weitere assimilative Handlungen zu werten, die wiederum eine fortschreitende strukturelle Eingliederung in die funktionalen Systeme des Aufnahmelandes befördern.

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Literatur

  1. 106.
    Zu den verschiedenen Konzepten des sozialen Kapitals vgl. auch Haug (1997).Google Scholar
  2. 107.
    So bemerkt Lin (2001a, 20) in einer Fußnote, dass z. B. auch Kontrolle häufig als Basis für das Wirken von sozialem Kapital genannt wird. Da aber Kontrolle eine Handlung darstellt, die sich aus der Lage im Netzwerk oder der Position innerhalb einer hierarchischen Struktur ergibt, nimmt diese selbst schon die Form einer in soziale Netzwerke eingebetteten und durch soziales Kapital mobilisierbaren Ressource an und kann damit nicht zugleich als Grund für den Einfluss von sozialem Kapital angesehen werden.Google Scholar
  3. 108.
    Zur Frage der Verortung von sozialem Kapital vgl. auch den Beitrag von Borgatti, Jones und Everett (1998).Google Scholar
  4. 109.
    Innerhalb der Netzwerkanalyse wird unter einem ego-zentrierten Netzwerk im Allgemeinen das um eine focale Person, das Ego, herum verankerte soziale Netz verstanden, zu dem die sogenannten Alteri, die Beziehungen zwischen Ego und den Alteri und die Kontakte zwischen den Alteri gehören (Jansen 2003, 80).Google Scholar
  5. 110.
    Laumann (1966) hat diese Hypothese unter dem Schlagwort des „like-me“-Prinzips untersucht.Google Scholar
  6. 111.
    Eine Diskussion zu verschiedenen Klassifikationen der Erträge von sozialer Unterstützung liefert Lin (1986, 20ff).Google Scholar
  7. 112.
    Zum Ertrag expressiver Handlungen insbesondere in Bezug auf die geistige Gesundheit vgl. Lin, Dean und Ensel (1986).Google Scholar
  8. 113.
    Lin (2001a, 59) betont, dass sich die Annahmen über den Nutzen von sozialem Kapital auf die Situation eines imperfekten Marktes beziehen, an dem die Teilnehmer nicht vollständig über die Marktlage zwischen Angebot und Nachfrage informiert sind. Im Falle eines perfekten Marktes (perfekte Informationslage aller Marktteilnehmer) wäre die Notwendigkeit der Informationsbeschaffung durch Dritte kaum gegeben. Allerdings ist in den meisten Marktsituationen von einem perfekten Markt nicht auszugehen.Google Scholar
  9. 114.
    Vgl. zu dieser und den übrigen Annahmen auch die frühen Ausführungen bei Lin (1982, 132ff).Google Scholar
  10. 115.
    Zur Frage der Messung von sozialem Kapital vgl. auch Borgatti, Jones und Everett (1998).Google Scholar
  11. 116.
    Indirekt, so Lin (2001a, 67), geht Granovetter (1973) davon aus, dass sich die Brücken-Akteure bezogen auf ihre Stellung im Netzwerk eher am Rande ihrer hauptsächlichen Interaktionskreise befinden, da sich aufgrund der Beziehungen zu anderen sozialen Gruppen die Intensität der Verbindungen zu Mitgliedern des eigenen engeren Kreises reduziert.Google Scholar
  12. 117.
    Dieser Begriff geht auf die Arbeiten Simmels (1908, 82ff) zurück.Google Scholar
  13. 118.
    Nach Lin (2001a, 71) ist die Stellvertreter-Funktion des strength-of-weak-ties-Arguments für die empirische Forschung von großem Wert. Lin (ebd.): „Rather than mapping an entire network for each ego, the researcher can use measures of the strength of ties instead“. Allerdings, so gibt Lin (ebd.) zu bedenken, werde durch diese Annäherung an das eigentliche Argument die Beweisführung des Nutzens von Brücken über strukturellen Löchern und damit die Annahme des Einflusses der Lage im Netzwerk geschwächt.Google Scholar
  14. 119.
    Aufgrund der Bedeutung der Ausstattung mit Humankapital für den Erfolg selbständiger Unternehmer können nach Sanders und Nee (1996, 242) die geringen Anteile selbständiger Geschäftsleute innerhalb der puertoricanischen und mexikanischen Migrantengruppen erklärt werden, da in diesen Gruppen das Ausmaß an formaler Bildung insgesamt geringer ausfällt.Google Scholar
  15. 120.
    Den beschriebenen Zusammenhang stellen Bailey und Waldinger (1991) sehr ausführlich anhand informeller Ausbildungssysteme für asiatische Migranten in der New Yorker Textilindustrie dar.Google Scholar
  16. 121.
    Portes und Sensenbrenner (1993, 1338ff) nennen Beispiele, in denen der ökonomische Erfolg einzelner Akteure durch die vermehrten Ansprüche anderer Mitglieder deutlich eingeschränkt und sogar gefährdet wurde.Google Scholar
  17. 122.
    Als extreme Beispiele nennen Portes und Sensenbrenner (ebd., 1340f) die Clanstrukturen in den chinesischen Chinatowns und den koreanischen Kolonien der US-amerikanischen Städte.Google Scholar
  18. 123.
    Vgl. auch die ethnographische Studie von Domínguez und Watkins (2003, 126f).Google Scholar
  19. 124.
    Als Beispiele nennen Portes und Sensenbrenner (1993, 1342ff) sowie Portes (1998, 17f) die Situation der Puerto Ricaner in den Ghettos von New York City, der Haitianer in den innerstädtischen Wohnquartieren von Miami sowie der Mexikaner in den Armutsgebieten der Städte in Süd-Kalifornien.Google Scholar
  20. 125.
    Auch für die deutschen Verhältnisse wird der isolierende Charakter von lokalen, auf die Armutsgebiete bezogenen Netzwerken benachteiligter Bevölkerungsgruppen diskutiert (vgl. Farwick 2001, 164ff). Für die britischen Verhältnisse vgl. Morris (1987).Google Scholar
  21. 126.
    Seit der grundlegenden Arbeit von Blau und Duncan (1967) zur beruflichen Struktur in den USA gehören sowohl Merkmale der formalen Bildung sowie des Familienhintergrunds zu den Standardvariablen bei der Erklärung von beruflichen Aufstiegsprozessen.Google Scholar
  22. 127.
    Der Status von Ego wurde von Lin, Ensel und Vaughn (1981, 399) durch den Status des Vaters gemessen.Google Scholar
  23. 128.
    Schwache Beziehungen werden von Lin, Ensel und Vaughn (1981, 397) sowohl als indirekte als auch Verbindungen zu Bekannten operationalisiert. Als starke Beziehungen werden hingegen die Kontakte zu Verwandten, Freunden und Nachbarn angenommen.Google Scholar
  24. 129.
    Vgl. zu den Ergebnissen von Lin, Ensel und Vaughn (1981) auch die ausführliche Zusammenfassung bei Wegener (1987, 285ff).Google Scholar
  25. 130.
    Der sozio-ökonomische Status wurde von Campbell, Marsden und Hurlbert (1986, 108ff) durch das Prestige des ausgeübten Berufs, das erreichte Einkommen sowie die formale Bildung der Akteure gemessen.Google Scholar
  26. 131.
    Die Güte des sozialen Kapitals wurde von Lin und Dumin (1986) ähnlich wie bei Campbell, Marsden und Hurlbert (1986) auf der Basis der durch die Beziehungen erreichten Spannweite sowie der höchsten Statusposition beruflicher Stellungen gemessen.Google Scholar
  27. 132.
    Die Stärke der Beziehungen wurde bei Bridges und Villemez (1986, 581) durch eine stufenweise Klassifizierung auf der Grundlage der Merkmale Freundschaft, Bekanntschaft, Verwandtschaft, Nachbarschaft; Kontakthäufigkeit; gleicher Haushalt sowie Besuch der gleichen Schule festgelegt.Google Scholar
  28. 133.
    Die berufliche Position wurde von Marsden und Hurlbert (1988) anhand der Merkmale Berufsprestige, Einkommen, Leitungsbefugnis und Grad der Beaufsichtigung durch Vorgesetzte gemessen. Die Klassifizierung der Stärke der Beziehungen erfolgte gemäß der Vorgehensweise bei Lin, Vaughn und Ensel (1981).Google Scholar
  29. 134.
    Entsprechend der Konzeption bei Lin und Dumin (1986) wurde der Ressourcenreichtum eines Netzwerkes von Lai, Lin und Leung (1998, 166) durch die Spannweite der erreichten beruflichen Statuspositionen, die höchste erreichte Statusposition und zusätzlich durch die Anzahl der erreichten verschiedenen Berufe definiert.Google Scholar
  30. 135.
    Die Stärke des Kontakts wurde von Sprengers, Tazelaar und Flap (1988, 100) in drei Kategorien gemessen: Schwache Beziehungen (Bekannte und Mitglieder freiwilliger Organisationen), mittelstarke Beziehungen (Freundschaften) und starke Beziehungen (Verwandte).Google Scholar
  31. 136.
    Wegener (1991, 63f) definiert die Stärke der Beziehungen der Akteure auf der Basis der Merkmale Beziehungstyp, Intensität der Beziehung, bisherige Dauer der Beziehung, Kontakthäufigkeit, gemeinsame Aktivitäten, Interesse der Kontaktperson an der Person des arbeitsplatzsuchenden Akteurs.Google Scholar
  32. 137.
    Vgl. auch die Diskussion von Forschungsergebnissen bei Preisendörfer und Voss (1988, 110ff).Google Scholar
  33. 138.
    In die Untersuchung von Ooka und Wellman (2003) wurde Personen englischer, deutscher, italienischer, jüdischer und ukrainischer Herkunft einbezogen.Google Scholar
  34. 140.
    Eine repräsentative Befragung der gesamten Bevölkerung in Deutschland auf der Basis des Eurobarometers 1996 zeigt, dass 31 Prozent ihre Arbeitsstelle über informelle Kontakte zu Freunden, Bekannten oder Familienmitglieder gefunden hatte. 36 Prozent nutzten formelle Suchwege und 16 Prozent hatten sich direkt beim Arbeitgeber beworben (vgl. Noll/ Weick 2002, 10).Google Scholar
  35. 141.
    So fanden Glatzer (1984, 64) sowie Diewald und Zapf (1984, 92) in Bezug auf die Zufriedenheit mit dem Einkommen bzw. der Wohnung heraus, dass der Abstand zwischen der eigenen und der eingeschätzten Ausstattung eines durchschnittlichen Bundesbürgers sowie der Freunde und Bekannten die besten Prädiktoren für das Ausmaß von Zufriedenheit darstellten.Google Scholar
  36. 146.
    Dieser mit insgesamt 85,7 Prozent hohe Anteil an intra-ethnischen Vermittlungen im Rahmen der informellen Wohnungssuche bestätigt die Aussagen bei Gestring u. a. (2006) (vgl. Kapitel 6.3.2, Seite 281).Google Scholar

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