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Ethnische Grenzziehung: Stereotype, Vorurteile und soziale Distanz

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Auszug

In den vorangegangenen Kapiteln wurde immer wieder deutlich, dass eine soziale Distanzierung der ansässigen Bevölkerung gegenüber den Migranten, die sich in der Herausbildung negativer Stereotype, Vorurteile und Diskriminierungen äußert, als Handlungsbarriere und -beschränkung eine wesentliche Determinante des Eingliederungsprozesses von Einwanderern darstellt. Während den Mitgliedern der eigenen ethnischen Gruppe mit Sympathie, Verständnis und Offenheit begegnet wird, erscheinen Personen anderer ethnischer Gemeinschaften als Fremde, Außenseiter oder sogar als Feinde.

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Literatur

  1. 34.
    Diese Deflnition der ethnischen Gruppe als „geglaubte Gemeinschaft“ geht auf die klassischen Arbeiten von Max Weber (1972 [1922]) zurück, der in seinem Beitrag über die „Ethnischen Gemeinschaftsbeziehungen“ schrieb: „Wir wollen solche Menschengruppen, welche auf Grund von Aehnlichkeiten des äußeren Habitus oder der Sitten oder beider oder von Erinnerungen an Kolonisation und Wanderung einen subjektiven Glauben an eine Abstammungsgemeinschaft hegen, derart, daß dieser für die Propagierung von Vergemeinschaftungen wichtig wird, dann, wenn sie nicht’ sippen’ darstellen, ‘ethnische’ Gruppen nennen, ganz einerlei, ob eine Blutsgemeinsamkeit objektiv vorliegt oder nicht“ (ebd., 237).Google Scholar
  2. 35.
    Zu den einzelnen Deflnitionen von Stereotypen, Vorurteilen und sozialer Distanz vgl. auch Allport (1954, 20f, 38f, 191f), Brown (1995, 6ff, 82f) und Stroebe/Insko (1989, 5ff).Google Scholar
  3. 36.
    Eine ausführliche Beschreibung der im Folgenden aufgeführten Ansätze bieten u. a. Brown (1995); Ganter (1997 und 2003); Zick (1997).Google Scholar
  4. 37.
    Tajfel und Turner (1979, 40) deflnieren eine soziale Gruppe als:„[...] a collection of individuals who perceive themselves to be members of the same category, share some emotional involvement in this common deflnition of themselves, and achieve some degree of social consensus about the evaluation of their group and of their membership of it.“Google Scholar
  5. 39.
    Tajfel und Turner (1979, 43) nennen als klassisches Beispiel die von der afro-amerikanischen Bevölkerung in den 1960er Jahren verfolgte Kampagne des „Black is Beautiful“, bei der die primäre Vergleichsdimension der Hautfarbe unverändert blieb, aber das mit dieser Dimension verbundene Wertsystem zurückgewiesen und umgekehrt wurde.Google Scholar
  6. 41.
    In Deutschland haben Schröder/ Conrads/ Testrot/ Ulbrich-Herrmann (2000, 151ff) den Zusammenhang zwischen dem Anteil an Ausländern in den Städten und dem Grad der Ethnisierung sozialer Probleme von Seiten der deutschen Bevölkerung anhand der Städte Duisburg, Wuppertal und Münster überprüft. Sie können keinen Einfluss des Prozentsatzes an Ausländern auf das Ausmaß von Ressourcenkonflikten feststellen. Allerdings muss die Aussagekraft der Ergebnisse aufgrund der kleinen Zahl der einbezogenen Städte und der äußerst geringen Variation des Ausländeranteils zwischen den Städten Duisburg (16,6 Prozent) und Wuppertal (14,4 Prozent) als begrenzt angesehen werden.Google Scholar
  7. 42.
    Im Gegenteil stellen Böltken (1994) sowie Kinder und Mendelberg (1995) fest, dass das Ausmaß an sozialer Distanzierung in Gebieten, in denen nach Auskunft der befragten Personen Ausländer bzw. Afro-Amerikaner wohnen, deutlich weniger ausgeprägt ist als in Regionen, in denen dies nicht der Fall ist. Dieser Befund wird hinsichtlich der sog. Kontakt-Hypothese (vgl. Kapitel 4.2.1 Seite 135ff) noch einmal aufgegriffen.Google Scholar
  8. 43.
    Schröder u. a. (2000, 184ff) können zunächst einen positiven bivariaten Zusammenhang zwischen dem Grad der sozialen Belastung im Wohnquartier — gemessen an der Arbeitslosenquote — und Rangordnungskonflikten feststellen. Im Rahmen einer nachfolgenden multivariaten Analyse weicht jedoch der Einfluss dieses ‘objektiven’ Maßes sozialer Belastung im Wohnquartier zugunsten subjektiver Indikatoren des sozialen Klimas im Stadtteil. Zuvor analysieren sie den Einfluss der sozialen Belastung im Wohnquartier auf das Ausmaß an Ethnisierung sozialer Probleme in den Städten Duisburg, Wuppertal und Münster (ebd., 151ff). Für die drei Städte können sie keinen Einfluss der sozialen Belastung im Wohnquartier auf den Grad der Ethnisierung von sozialen Problemen feststellen. Da sie an dieser Stelle aber nicht mit multivariaten statistischen Verfahren arbeiten, kann aus Gründen der Konstanthaltung des „Ausländeranteils“ bzw. des „Grads der sozialen Belastung“ nur eine geringe Anzahl von Wohnquartieren der jeweiligen Städte in die Analysen einbezogen werden. Darüber hinaus sind die Fallzahlen der in den Stadtteilen befragten Personen sehr gering. Interaktionseffekte zwischen dem „Ausländeranteil“ und dem „Grad der sozialen Belastung“ im Wohnquartier sowie Effekte von Individualmerkmalen der befragten Personen werden zudem nicht kontrolliert. Somit können diese Ergebnisse nur mit Vorsicht gewertet werden.Google Scholar
  9. 44.
    So sprechen auch die Autoren des im Auftrag des Bundesministeriums für Frauen und Jugend verfassten Forschungsberichts zum Thema „fremdenfeindliche Gewalt“ hinsichtlich der zugrunde liegenden Ursachen von diffusen Gefühlen und Vorstellungen einer generellen Bedrohung und Benachteiligung ‘der Deutschen’ durch ‘die Ausländer’ (Willems/ Würtz/ Eckert 1993, 132; vgl. auch Alber 1995, 45).Google Scholar
  10. 45.
    Differenziert nach der Art der Kontakte waren die Anteile der integrationsbereiten Deutschen für die Jahre 1991 bis 1997 wie folgt verteilt: Kontakte innerhalb der Familie, 73 Prozent; Freundschaftskontakte, 69 Prozent; Kontakte am Arbeitsplatz, 59 Prozent; nachbarliche Kontakte, 63 Prozent (vgl. Böltken 2000, 158).Google Scholar
  11. 46.
    Böltken (2000, 155) führt diesen Rückgang der Integrationsbereitschaft von Seiten der deutschen Bevölkerung in Gebieten mit einem sehr hohen Ausländeranteil auf den gleichzeitig hohen Prozentsatz an „sozial benachteiligten“ deutschen Bewohnern und den damit verbundenen belastenden Faktoren dieser Gebiete zurück (vgl. Kapitel 4.1.6, Seite 131).Google Scholar
  12. 48.
    Die Befragung wurde im Auftrag des Instituts für Stadtforschung und Strukturpolitik (IfS), Berlin, von einem Markt-und Meinungsforschungsinstitut in dessen Telefonstudios durchgeführt. Vom IfS wurden Telefonnummern aus verschiedenen veröffentlichten Telefonverzeichnissen entsprechend der festgelegten Gebietsgrenzen gewonnen und gebietsbezogene Stichproben gezogen. Die Auswahl der innerhalb der Haushalte befragten Personen erfolgte nach einem festgelegten Zufallsverfahren (IfS/ForStaR 2004, 39).Google Scholar
  13. 49.
    Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen auch Fuchs, Gerhards und Roller (1993, 241), die im Rahmen der Befragung des Eurobarometers mit der Meinungsäußerung einer zu hohen Zahl an Ausländern einen Ausdruck der „Abstoßung“ gegenüber ethnischen Gruppen verbinden. Auch Küchler (1996, 252) konstatiert: „Der Prozentsatz von ‘zu viele’-Antworten ist [...] ein geeigneter Indikator für den Grad an Xenophobie in einem Land.“Google Scholar
  14. 51.
    So beträgt der Korrelationskoefflzient für den Grad des Zusammenhangs zwischen dem Ausländeranteil und der Sozialhilfedichte in den 15 Ortsteilen r • •, •• und ist damit als sehr hoch einzustufen (vgl. auch Friedrichs/ Blasius 2001, 51).Google Scholar

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