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Weiterführende Konzepte der Eingliederung von Migranten

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Auszug

Nachdem in Kapitel 2 grundlegende Konzepte und empirische Befunde zur Frage der Eingliederungsproblematik und zur Rolle der ethnischen Segregation von Migranten beschrieben wurden, sollen nun weiterführende konzeptionelle Arbeiten zum Prozess der Eingliederung vorgestellt werden. Im Anschluss daran wird genauer diskutiert, durch welche Determinanten der Verlauf der Eingliederung im Wesentlichen bestimmt wird und auf welche Weise die räumliche Konzentration von Migranten in städtischen Gebieten diese beeinflusst. Dabei werden im Folgenden explizit Konzepte beschrieben, die sich — gemäß der in dieser Arbeit behandelten Fragestellung — mit der Thematik der Eingliederung auf der mikroanalytischen Ebene der Individuen befassen. Hauptsächlich strukturalistisch argumentierende Ansätze werden somit nicht behandelt.23 Im Rahmen eines Exkurses soll des Weiteren grundsätzlich der Frage nachgegangen werden, inwieweit es in modernen funktional differenzierten Gesellschaften überhaupt sinnvoll ist, Ethnizität als Ursache von struktureller Ungleichheit zu beschreiben.

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Literatur

  1. 23.
    So wurde z. B. auf die Darstellung der im Kern strukturalistisch ausgelegen Eingliederungstheorie von Hoffmann-Nowotny (1973) verzichtet.Google Scholar
  2. 24.
    Gordon versteht unter Sozialstruktur die Struktur der sozialen Beziehungen innerhalb einer Gesellschaft (Gordon 1964, 30).Google Scholar
  3. 26.
    Diesen Aspekt verdeutlicht Esser (1985), indem er den Prozess der ethnischen Segmentation durch die sich im Verlauf verändernden sozialen und materiellen Nutzen-und Kostenerwartungen der Einheimischen, der Migranten und der im Herkunftsland Verbliebenen auf der Basis der Situationselemente einer wirtschaftlichen und sozialen Gesamtsituation sowie der Gruppengröße der Migranten erklärt.Google Scholar
  4. 27.
    Berry (1990) bezieht seine Typologie auf die Situation eines Kontaktes zwischen der Herkunftskultur der Migranten und der Kultur im Aufnahmeland, der zunächst einen breiten Handlungsspielraum eröffnet, bei dem sich aber mit der Zeit relativ stabile Verhaltensmuster herausbilden, die er als Akkulturationsstrategien mit vier verschiedenen Ergebnissen beschreibt.Google Scholar
  5. 29.
    Zu den zahlreichen Untersuchungen, die die Hypothese einer segmentierten Assimilation bestätigen, zählen Hirschman (2001), Portes und Rumbaut (1996 und 2001), Portes und Zhou (1993) sowie Portes, Fernández-Kelly und Haller (2005).Google Scholar
  6. 30.
    Bommes und Halfmann (1994, 412) weisen an dieser Stelle darauf hin, dass der Begriff der Inklusion in Bezug auf Nationalität und Ethnizität von Nassehi zu Unrecht benutzt wird, da Individuen sich nach Stichweh (1988) nur in soziale Systeme inkludieren können, zu denen die Semantiken von Nationalität und Ethnizität aber nicht gehören.Google Scholar
  7. 31.
    Mit dieser Feststellung Nassehis wird die von Esser (2004a) in Anlehnung an Lockwood aufgestellte Konzeption einer gesellschaftlichen Assimilation (vgl. Kapitel 3.3.4, Seite 81ff) im Ansatz in Frage gestellt.Google Scholar
  8. 32.
    Die systemtheoretische Bedeutung des Begriffs der „Exklusion“ unterscheidet sich deutlich von der in der sozialwissenschaftlichen Debatte üblichen Verwendung etwa im Sinne einer Ausgrenzung aus dem Arbeitsmarkt (Kronauer 2002). Für Nassehi stellt der in der breiten sozialwissenschaftlichen Debatte verwendete Begriff weniger eine soziologische als eine „sozialpolitische Kategorie [dar], deren soziologische Tiefenschärfe zu wünschen übrig lässt“ (Nassehi 2004, 327; für weitere Diskussionen des sozialwissenschaftlichen Konzepts der „Exklusion“ siehe Stichweh 1997; Nassehi 2000; Leisering 2004).Google Scholar
  9. 33.
    Inzwischen wird von den verschiedensten Seiten für eine Integration der Theorie sozialer Ungleichheit und der Theorie funktionaler Differenzierung plädiert. Eine konzeptionelle Zusammenführung der beiden Gesellschaftstheorien ist aber bis heute über erste Ansätze nicht hinausgekommen (vgl. Nassehi 2004, 331). Dies dokumentieren auch die Beiträge in einem von Schwinn (2004b) herausgegebenen Sammelband. Hier zeigen sich bei den Versuchen einer Zusammenführung beider Theoriestränge zum Teil unüberwindbar scheinende methodologische Hindernisse (Schwinn 2004a, 13). Während aus der systemtheoretischen Perspektive Stichweh (2004), Nassehi (2004) und Bommes (2004) versuchen, Phänomen der sozialen Ungleichheit system-und differenzierungstheoretisch zu reformulieren und über Organisationen sowie den Wohlfahrtsstaat vermittelt zu erklären, möchte Schimank (1998, 63f) die auf Kommunikation aufbauende Theorie funktionaler Teilsysteme und die weitgehend handlungstheoretisch geprägte Ungleichheitsforschung als komplementäre Theoriestränge inkorporieren. Esser (2004b) wiederum sieht das „Modell der soziologischen Erklärung“ (vgl. Esser 1999), das seiner Ansicht nach system-und handlungstheoretische Ansätze bereits integriert, als einen geeigneten Rahmen, um Phänomene der sozialen Differenzierung und sozialen Ungleichheit zusammenzuführen.Google Scholar

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