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Die Migrationssoziologie der Chicagoer Schule: Grundlegende Konzepte und empirische Befunde

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Die ersten Ansätze einer sozialwissenschaftlichen Migrationsforschung, die sich explizit auch mit Fragen des Ein_usses der ethnischen Segregation von Migranten befassten, wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA an dem von den beiden Soziologen Robert Ezra Park und William I. Thomas begründeten Institut für Soziologie an der University of Chicago entwickelt. Dieses Institut gilt als eines der ersten sozialwissenschaftlichen Universitätseinrichtungen in den USA, deren wegweisender Forschungsansatz unter der Bezeichnung der Chicagoer Schule in die sozialwissenschaftliche Literatur Eingang gefunden hat.

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Literatur

  1. 1.
    Zangwill (1916 [1909]) hat seine Vision in Form eines sehr erfolgreichen Dramas geschrieben.Google Scholar
  2. 2.
    Obwohl Park seinen Kreislauf einen race-relations-cycle nannte und diesen Prozess im Kontext von Personen mit einer physischen Auffälligkeit diskutierte, übertrug er das Konzept auch auf die Situation jüdischer Einwanderer und anderer ethnischer Gruppen. Der race-relations-cycle wurde nachfolgend in einem weiteren Sinne gebraucht (vgl. Price 1969, 214)Google Scholar
  3. 3.
    Stonequist (1961 [1937]), ein Schüler Parks, nahm später das Konzept des marginal man auf und arbeitete die unterschiedlichen sozialen Prozesse, die zu einer marginalen Lage führen können, sowie die aus diesem Zustand resultierenden Verhaltensweisen genauer heraus.Google Scholar
  4. 4.
    Eine ausführliche Beschreibung der marginalen Situation von Migranten im Eingliederungsprozess gibt Stonequist (1961 [1937], 83ff).Google Scholar
  5. 5.
    Im Jahr 1933 hat Bogardus eine überarbeitete, geeichte Distanz-Skala publiziert, die gewährleistete, dass die Schritte zwischen den einzelnen Fragen (Items), denen auch in der ursprünglichen (ungeeichten) Skala immer eine Erhöhung um einen Punkt zugeordnet wurden, nun tatsächlich die gleichen Abstände (Equidistanz) aufwiesen (vgl. Holzkamp 1964, 561; Steinbach 2004, 35; zu kritischen Einwänden an die Distanz-Skalen von Bogardus vgl. Bogardus 1947, 309f; Holzkamp 1964, 562f).Google Scholar
  6. 7.
    Diese Form der Kettenmigration hatte für die gesamte europäische Auswanderungsphase in die Vereinigten Staaten eine entscheidende Bedeutung. Sie bildete das vorrangige Prinzip der Einwanderung in die USA (MacDonald/ MacDonald 1974, 229).Google Scholar
  7. 8.
    Der Prozess der Loslösung von der ethnischen Kolonie, sobald die Einflüsse der Kultur des Aufnahmelands beginnen, die Werte und Verhaltensweisen der Migranten zu verändern, wird von Davie (1949, 489ff) detailliert beschrieben.Google Scholar
  8. 9.
    Burgess (1928) hat in seinem klassischen Aufsatz Residential Segregation in American Cities die Richtung der Sukzession im Stadtgebiet von Chicago für verschiedene ethnische Gruppen auf einer Karte genau festgehalten.Google Scholar
  9. 10.
    Allerdings hätten sich diese Autoren auch auf Publikationen der Chicagoer Schule berufen können, denn Park (1950 [1924]) hatte in seinem Konzept der sozialen Distanz (vgl. Kapitel 2.1.3, Seite 29) eindeutig auch kulturelle Aspekte in die Erklärung von Segregationsprozessen mit einbezogen.Google Scholar
  10. 11.
    Untersuchungen von Taeuber und Taeuber (1964, 376) zeigen, dass sich der Index der Segregation für viele der „alten“ Einwanderergruppen von 1930 bis 1960 sogar leicht vergrößerte. Die Indizes der „neuen“ Einwanderer hatten sich demgegenüber auf höherem Niveau weiter verringert.Google Scholar
  11. 12.
    Der Zusammenhang zwischen dem Grad der residentiellen Segregation und dem durchschnittlichen Beschäftigungsstatus einer ethnischen Gruppe konnte durch Jones (1967) auch im australischen Kontext bestätigt werden.Google Scholar
  12. 13.
    Der beschriebene Zusammenhang wurde auch von Ianni (1957) hinsichtlich der italienischen Einwanderer aufgezeigt und schon Cressey (1938) und Ford (1950) haben für Chicago beschrieben, dass die jüdischen Einwanderer aufgrund ihres ökonomischen Erfolgs bis 1940 zwar die größte Wanderungsbewegung in Richtung zur Peripherie aufwiesen, wegen der sozialen Distanz zur einheimischen Bevölkerung aber auch in den peripheren Wohnlagen sehr stark segregiert blieben. Ausführlich wurde dieser Sachverhalt für die jüdischen Einwanderer von Rosenthal (1960) im American Journal of Sociology unter dem Titel Acculturation without Assimilation: The Jewish Community in Chicago thematisiert.Google Scholar
  13. 14.
    Schon früh hat auch Myrdal (1962 [1944]) in seinem Klassiker An American Dilemma. The Negro Problem and Modern Democracy auf die negativen Folgen der räumlichen Konzentration der afro-amerikanischen Bevölkerung in den Städten der USA aufmerksam gemacht.Google Scholar
  14. 15.
    Dies ist ein Aspekt, den später Wilson (1987) in seiner klassischen Studie The Truly Disadvantaged über die strukturelle Benachteiligung der afro-amerikanischen Bevölkerung in den innerstädtischen Ghettos der Städte in den Vereinigten Staaten weiter ausführt (vgl. auch Kapitel 6.2.3, Seite 271).Google Scholar
  15. 18.
    Weitere von Lieberson (1963, 139) im Hinblick auf die Beantragung einer Einbürgerung als bedeutsam erachtete Faktoren wie das Alter und das Geschlecht der Migranten sowie Veränderungen im Einbürgerungsrecht konnten im Rahmen seiner Untersuchung aufgrund der Datenlage nicht berücksichtigt werden.Google Scholar
  16. 19.
    Eine umfassende Methodenkritik der Untersuchungen zum Heiratsverhalten bieten Price und Zubrzycki (1962).Google Scholar
  17. 20.
    Allerdings lagen ihnen keine exakten Daten zu inter-ethnischen Ehen vor. Als Indikator für den Anteil inter-ethnischer Ehen nahmen sie daher die Prozentzahl der Migranten der zweiten Generation mit einem in den USA geborenen Elternteil an. Duncan und Lieberson (1959) räumen ein, dass in einigen Fällen die in den USA geborene Person ein Mitglied der gleichen oder aber auch einer anderen ethnischen Gruppe sein konnte.Google Scholar
  18. 21.
    Eine Studie von Jones (1967) in der australischen Stadt Melbourne konnte auf der Basis genauerer standesamtlicher Heiratsstatistiken auch unter Kontrolle der Aufenthaltsdauer der Migranten im Aufnahmeland einen signifikanten Zusammenhang zwischen räumlicher Konzentration und dem Ausmaß von inter-ethnischen Ehen feststellen.Google Scholar
  19. 22.
    So hatten die ethnischen Gruppen aus dem Norden und Westen Europas mit den geringsten Werten an ethnischer Segregation auch die höchsten Anteile an inter-ethnischen Ehen zu verzeichnen. Für die Polen, bei denen das Ausmaß an Segregation bis 1950 signifikant zurückgegangen war, ergab sich ein deutlicher Anstieg inter-ethnischer Ehen. Entsprechend zeigten die Italiener ein relativ hohes Maß an residentieller Segregation und nur eine geringe Rate an inter-ethnischen Ehen. Die Juden waren von allen europäischen Migrantengruppen am stärksten segregiert und hatten demzufolge auch einen der geringsten Anteile inter-ethnischer Ehen. Die afro-amerikanische Bevölkerung schließlich war am stärksten segregiert und damit auch diejenige Gruppe mit dem geringsten Ausmaß inter-ethnischer Ehen (Peach 1980, 380).Google Scholar

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