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Rechtliche Möglichkeiten und Grenzen der Innovationen im öffentlichen Sektor

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Organisationen neigen zur Beharrung und Verkrustung, deshalb müssen sie in regelmäßigen Abständen umgekrempelt werden. Die Kritik an wirklich oder vermeintlich zu trägen und geistig unbeweglichen Beamten ist so alt wie der Begriff der Bürokratie. Der Freiherr vom Stein, der große Reformator des preußischen Staates, hat diese Kritik besonders laut geäußert. Von ihm ist das Wort überliefert: „Um eine Staatsverwaltung in tüchtigem Gang zu erhalten, müssten alle drei Jahre einige Minister, einige Generale und ein Dutzend Räte füsiliert werden; man müsste alle Beamten mit dem fünfzigsten Jahre wegjagen.“1

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Literatur

  1. 1.
    Zitiert nach Heinrich von Beguelin, in: Adolf Ernst (Hrsg.), Denkwürdigkeiten von Heinrich und Amalie von Beguelin, Berlin 1892, S. 113, dort als „Scherz“ bezeichnet, der „doch etwas Wahres enthalte“. Fritz Hartung meint dazu in seinen Studien zur Geschichte der preußischen Verwaltung (Dritter Teil: Zur Geschichte des Beamtentums im 19. und 20. Jahrhundert. Abhandlungen der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Jahrgang 1945/46, Berlin 1948, S. 11), „wie sehr“ solche Bemerkungen Wahres enthielten, gehe auch aus „ruhig abgewogenen Aktenstücken“ Steins hervor, „in denen das Urteil über das Beamtentum kaum sanfter lautet“.Google Scholar
  2. 2.
    Pollitt/ Bouckaert, Public Management Reform. A Comparative Analysis, 2nd ed., Oxford 2004, S. 8 ff. Pollitt und Bouckaert beziehen sich auf ein Vier-Ebenen-Modell von Lynn und anderen, in dem ganz oben steht: „Global/national/cultural environment“, also im Kern die Verwaltungskultur und das Image/die Akzeptanz der Verwaltung, darunter „Institutional framework“ (unterschieden z. B. nach dem Grad der Zentralisierung) und „Managerial level“ (unter anderem mit der Frage nach den Reformstrategien) und ganz unten die „Primary work level“ (mit den Themen Effizienz und Kosten spezifischer Funktionen usw.). Vgl. L. Lynn/C. Heinrich/C. Hill, Improving Goovernment: A New Logic for Empirical Research, Washington D.C. 2001, S. 37.Google Scholar
  3. 3.
    Klaus König, On the Critique of Public Management, 1996 (Speyerer Forschungsberichte 155).Google Scholar
  4. 4.
    Maximilian Wallerath, Die Änderung der Verwaltungskultur als Reformziel, in: Die Verwaltung 33 (2000), S. 351–378; Werner Jann, Verwaltungskultur, sowie Rudolf Fisch, Organisationskultur von Behörden, beides in: Klaus König (Hrsg.), Deutsche Verwaltung an der Wende zum 21. Jahrhundert, 2002, S. 425–447 und S. 449–468.Google Scholar
  5. 5.
    Ernst Forsthoff, Der lästige Jurist, DÖV 1955, 648 (649); auch in: ders., Rechtsstaat im Wandel. Verfassungsrechtliche Abhandlungen 1954–1964, Stuttgart 1964, S. 57 ff.Google Scholar
  6. 6.
    Christian Schütte, Progressive Verwaltungswissenschaft auf konservativer Grundlage. Zur Verwaltungsrechtslehre Ernst Forsthoffs, Berlin 2006, S. 154.Google Scholar
  7. 7.
    Forsthoff, Der lästige Jurist (Fn. 5), DÖV 1955, 649.Google Scholar
  8. 8.
    Forsthoff, Der Staat der Industriegesellschaft, 1971, S. 111.Google Scholar
  9. 9.
    Forsthoff, Der Staat der Industriegesellschaft, S. 110.Google Scholar
  10. 10.
    Forsthoff, Der lästige Jurist (Fn. 5), DÖV 1955, S. 651. S. dazu auch Schütte (Fn. 6), S. 155 f.Google Scholar
  11. 11.
    Wolfgang Hoffmann-Riem, Innovationsoffenheit und Innovationsverantwortung durch Recht. Aufgaben rechtswissenschaftlicher Innovationsforschung, in: AöR 131 (2006), S. 255–277 (257).Google Scholar
  12. 12.
    Hoffmann-Riem aaO. (Fn. 11) S. 256 Anm. 3.Google Scholar
  13. 13.
    Hoffmann-Riem aaO. (Fn. 11) S. 255 f.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. insbesondere Wolfgang Hoffmann-Riem/ Jens-Peter Schneider (Hrsg.), Rechtswissenschaftliche Innovationsforschung, 1998; Martin Eifert/Wolfgang Hoffmann-Riem (Hrsg.), Innovation und rechtliche Regulierung, 2002.Google Scholar
  15. 15.
    Claus Ott/ Hans-Bernd Schäfer (Hrsg.), Ökonomische Analyse der rechtlichen Organisation von Innovationen, 1994.Google Scholar
  16. 16.
    Weitere Angaben bei Hoffmann-Riem, AöR 131 (2006) S. 256 Anm. 5 ff. Auch die von Hoffmann-Riem und Schmidt-Aßmann herausgegebenen Schriften zur Reform des Verwaltungsrechts können als Beiträge zur rechtswissenschaftlichen Innovationsforschung verstanden werden, desgleichen das dreibändige Werk Hoffmann-Riem/Schmidt-Aßmann/Voßkuhle (Hrsg.), Grundlagen des Verwaltungsrechts, 2007 ff., vgl. Hoffmann-Riem, AöR 131 (2006) S. 262 f. mit Anm. 24.Google Scholar
  17. 17.
    AöR 131 (2006) S. 275.Google Scholar
  18. 18.
    Dazu Wallerath Die Änderung der Verwaltungskultur als Reformziel, in: Die Verwaltung 33 (2000) (Fn. 4) S. 375.Google Scholar
  19. 19.
    So auch Wallerath Die Änderung der Verwaltungskultur als Reformziel, in: Die Verwaltung 33 (2000) (Fn. 4) S. 365; skeptisch jedoch Andreas Musil, Wettbewerb in der staatlichen Verwaltung, 2005, insbesondere S. 367 ff.Google Scholar
  20. 21.
    Hoffmann-Riem, AöR 131 (2006) S. 266.Google Scholar
  21. 22.
    Vgl. dazu Ernst-Wolfgang Böckenförde, Demokratie und Verfassungsprinzip, in: Isensee/ Kirchhof (Hrsg.), Handbuch des Staatsrechts, Bd. II: Verfassungsstaat, 3. Aufl. 2004, § 24, S. 429 ff., Rn. 14 ff; BVerfGE 83, 37 (50 f.); 83, 60 (73); 93, 37 (66); s. a. E 107, 59 (87 ff.).Google Scholar
  22. 23.
    Zum ganzen Themenkreis Bull/ Mehde, Allgemeines Verwaltungsrecht mit Verwaltungslehre, 7. Aufl. Heidelberg 2005, Rn. 159 ff.Google Scholar
  23. 24.
    BVerfGE 38, 1 (11 ff.) — Richteramtsbezeichnungen; 62, 374 (383) — Lehreramtsbezeichnungen; 64, 323 (351) — Universitäts-contra Fachhochschulprofessoren. Krit. dazu mit Recht Klaus Köpp, Öffentlicher Dienst, in: Udo Steiner (Hrsg.), Besonderes Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2003, III A, S. 407 ff., Rn. 20.Google Scholar
  24. 25.
    BVerfGE 47, 327 (410 ff.).Google Scholar
  25. 26.
    BVerwG, NVwZ 2006, 1291; NVwZ 2007, 101; OVG Koblenz, NVwZ 2007, 110; VG Köln, DöD 2006, 222; krit. Nokiel, DöD 2006, 213; ders., ZTR 2006, 235.Google Scholar
  26. 27.
    BVerfGE 52, 303 (331) — Privatliquidationsrecht der Chefärzte.Google Scholar
  27. 28.
    Vgl. BVerfGE 77, 170 (LS 2 a) und S. 214 f.); s. a. BVerfGE 39, 1 (LS 4 S. 1 und 2 und S. 44); 46, 160 (164); 49, 89 (141 f.); 50, 290 (332 f.); 53, 30 (57); 56, 54 (73, 78, 80).Google Scholar
  28. 29.
    Rspr. zum Schwangerschaftsabbruch, vgl. BVerfGE 39, 1 (LS 4 S. 3; S. 47) und 88, 203 (LS 8 und S. 257 ff.).Google Scholar
  29. 30.
    Charta der Grundrechte der Europäischen Union, am 7. 12. 2000 feierlich proklamiert, ABl. Nr. C 364/1 v. 18.12.2000.Google Scholar
  30. 31.
    Art. 41 der Grundrechtecharta, Art. II-101 des Entwurfs einer EU-Verfassung. S. dazu Hans D. Jarass, EU-Grundrechte, 2005, S. 397 ff. m.w.N.; Ralf Bauer, Das Recht auf eine gute Verwaltung im Europäischen Gemeinschaftsrecht, Frankfurt/Main 2002; Kristin Pfeiffer, Das Recht auf eine gute Verwaltung, Baden-Baden 2006; Utz Schliesky, Das Recht auf gute Verwaltung, Kiel 2006; ders., Von der Realisierung des Binnenmarktes über die Verwaltungsreform zu einem gemeineuropäischen Verwaltungsrecht?, in: DÖV 2005, 887 ff.; Helmut Goerlich, Good Governance und Gute Verwaltung — Zum europäischen Recht auf gute Verwaltung (Art. 41 EuGrCh und Art. II-101 EuVerfV), DÖV 2006, 313–322; Walter Klappstein, Das Recht auf eine gute Verwaltung — Art. 41 und 42 der Charta der Grundrechte der EU —, Kiel 2006.Google Scholar
  31. 32.
    Schliesky, Das Recht auf gute Verwaltung (Fn. 31), S. 11–20.Google Scholar
  32. 33.
    Klappstein (Fn. 31), S. 24 (mit Hinweisen auf europarechtlich begründeten Verbesserungsbedarf im deutschen Recht).Google Scholar
  33. 34.
    Vgl. etwa BVerfGE 53, 30 (56, insbesondere Sondervotum S. 69 ff.); 69, 315 (355); aus der Lit. z. B. Horst Dreier, in: ders. (Hrsg.), Grundgesetz, Kommentar, Bd. I, Vorbem. Rn. 66 f.; Erhard Denninger, Staatliche Hilfe zur Grundrechtsausübung durch Verfahren, Organisation und Finanzierung, in: Handbuch des Staatsrechts V, § 113 Rn. 5 ff., 19 ff.Google Scholar
  34. 35.
    Wolfgang Hoffmann-Riem spricht unter anderem von „Optimalität“ und „Akzeptabilität“ (Ermöglichung von Flexibilität und Innovationsoffenheit im Verwaltungsrecht, in: ders./Eberhard Schmidt-Aßmann [Hrsg.], Innovation und Flexibilität des Verwaltungshandelns, 1994, S. 9 [27]); s. dazu Franz Reimer, Das Parlamentsgesetz als Steuerungsmittel und Kontrollmaßstab, in: Hoffmann-Riem/Schmidt-Aßmann/Voßkuhle (Hrsg.), Grundlagen des Verwaltungsrechts, Band 1, München 2006, S. 533 (536); Hans Peter Bull, „Vernunft“ gegen „Recht“?, in: Arthur Benz/Heinrich Siedentopf/Karl-Peter Sommermann (Hrsg.), Institutionenwandel in Regierung und Verwaltung, FS für Klaus König, Berlin 2004, S. 179 (185 f.).Google Scholar
  35. 36.
    Vgl. nochmals Musil (Fn. 19) S. 161 ff., 209 ff., 215 ff.Google Scholar
  36. 37.
    Mehde, Neues Steuerungsmodell und Demokratieprinzip, 2000, insbesondere S. 398 ff.Google Scholar
  37. 38.
    Richtlinie 2006/123/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12.12.2006 über Dienstleistungen im Binnenmarkt, ABl. Nr. L 376 v. 27.12.2006, S. 36–68. Dazu u. a. Schliesky (Fn. 31).Google Scholar
  38. 39.
    Dazu jetzt Christina Hahn, Vergaberecht als Störfaktor der kommunalen Zusammenarbeit?, 2007.Google Scholar
  39. 40.
    Dazu etwa Bull, Über Formenwahl, Formwahrheit und Verantwortungsklarheit in der Verwaltungsorganisation, in: Staat — Kirche — Verwaltung, Festschrift für Hartmut Maurer, 2001, S. 545–563.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  1. 1.Hamburg

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