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Das Migrantenmilieu des FC Hochstätt Türkspor

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Auszug

Wer sich, von Süden her kommend, auf der A6 Mannheim nähert, kann, wenn er denn den Blick nach links wendet, zwischen der Autobahnböschung und dem Sichtschutz einer Brücke einen kurzen Blick auf eine unscheinbare Häuserreihe werfen. Die größtenteils zweistöckigen Ein- und Zweifamilienhäuser aus den 50er und 60er Jahren bilden die bauliche Begrenzungslinie der Mannheimer Großwohnsiedlung Hochstätt. Michael Lung hat in einer knappen Sozialraumanalyse den Stadtteil1 als „ein Stereotyp einer Stadtrandsiedlung“ (Lung 1996: 305) bezeichnet, in der „typische sozioökonomische Probleme der Großwohnsiedlungen der 60er und 70er Jahre festzustellen sind“ (Lung 1996: 320). Die Arbeitslosenquote liegt im Quartier bei 29,1 % und ist damit die höchste aller Mannheimer Stadtteile (vgl. Stadt Mannheim 2006: 30, Stand: 2005) (Durchschnitt Mannheim: 14,1 %). Auch der Anteil derjenigen, die Hilfe zum Lebensunterhalt (HLU) beziehen ist mit 18,9 % der höchste der Stadt, im Vergleich zu 5,7 % im Mannheimer Schnitt (Stadt Mannheim 2006: 38 f., Stand: 2004) und zudem seit 2000 von 17,2 % gestiegen (vgl. Stadt Mannheim 2001: 25). Hochstätt hat bei 3.000 Einwohnern einen für Mannheim überdurchschnittlichen Anteil von so genannten ‚Ausländern‘ von fast 35 % (Mannheim insgesamt: 20,5 %) (vgl. Stadt Mannheim o.J.: 3), unter denen Türken mit 64 % die deutlich größte Gruppe ausmachen, während ihr Anteil an der Ausländerbevölkerung in der Gesamtstadt bei einem Drittel liegt (vgl. Stadtjugendamt Mannheim 2000: 13). Die ersten Wohngebäude auf dem Gelände des heutigen Siedlung Hochstätt wurden vor dem ersten Weltkrieg als Siedlung für Bedienstete des im Süden gelegenen Rangierbahnhofs errichtet. Erst in den 1960er Jahren entstand dann das heutige Quartier.

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Literatur

  1. 3.
    Vgl. zum folgenden genauer Zifonun/ Cındark 2004.Google Scholar
  2. 5.
    Vgl. für eine Diskussion von Stil im Kontext aktueller Trendsportarten Gebauer et al. 2004.Google Scholar
  3. 7.
    Selbstverständlich ist die Umstellung von Dribbling-auf Passspiel nichts ›Neues‹ im ›modernen Stil‹ und auch keine ›Innovation‹ des Hochstätt Türkspor. Historisch vollzog sie sich bekanntlich erstmals als der englische Fußball sich vom Spiel bürgerlicher Gentlemen, denen er nicht zuletzt zur performativen Darstellung ihrer Individualität diente, zum Massen-und Zuschauersport entwickelte (vgl. Eisenberg 2001; Eisenberg 2004; Weiss 1999: 41 ff.). Nicht eine vermeintliche Novität, sondern die historische ›Kulturbedeutung‹ des Stils ist für uns das Entscheidende. Hinsichtlich der Form zunächst identische kulturelle Erscheinungen können im Sinnhorizont der Akteure je unterschiedliche Bedeutungen annehmen. Die von Roland Robertson (1995) als ›glocalization‹ bezeichnete lokale Aneignung global verfügbarer Kulturmuster zeigt sich im Falle des Fußballsports auf besonders eindrückliche Weise.Google Scholar
  4. 8.
    Vgl. für eine frühe Thematisierung Bröskamp/ Gebauer 1986.Google Scholar
  5. 9.
    Vgl. die Beispiele in Zifonun/ Cındark 2004.Google Scholar
  6. 10.
    Vgl. die Unterscheidung zwischen expressiver und instrumenteller Gewalt bei Pilz 1982.Google Scholar
  7. 11.
    Die folgenden Zitate entstammen MM, 26. März 2003, MM, 28. März 2003.Google Scholar
  8. 12.
    Zur Anerkennungsthematik vgl. Sitzer/ Wiezorek 2005.Google Scholar
  9. 13.
    Vgl. zum folgenden MM, 8. Oktober 2005.Google Scholar
  10. 14.
    Simmel 1992b.Google Scholar
  11. 15.
    Unsere Ergebnisse bestätigen insofern, dass es sich bei Sportvereinen um ›multifunktionale‹ Institutionen handelt, die eben nicht nur eine ›manifeste‹ Funktion — hier: das Fußballspiel — haben, sondern darüber hinaus auch zahlreiche ›latente‹ (vgl. Merton 1968a: 114 ff.). Wir präziseren diese Feststellung allerdings und interpretieren sie aus der Sicht einer interpretativen Soziologie um, indem wir als Ursache für die Existenz multipler Sinnbezüge die mehrfache Einbettung des Vereins in unterschiedliche soziale Welten benennen und auf die komplexen Beziehungen zwischen den einzelnen Bedeutungsebenen hinweisen.Google Scholar
  12. 17.
    Auf die Frage ethnischer Stratifikation (klassisch beschrieben von Shibutani/ Kwan 1965), auf Status-und Rangunterschiede zwischen Migranten und Angehörigen der autochthonen Mehrheitsbevölkerung, auf Prozesse der Statusumkehrung und damit zusammenhängende Anerkennungskämpfe und Missachtungsprozesse wird in Kapitel B.III eingegangen.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  1. 1.Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) EssenEssen
  2. 2.Institut für SoziologieTU BerlinBerlin

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