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Exkurs über den Hooligandiskurs

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Auszug

Anders als die lokalen Amateurmannschaften, die im Fokus der vorherigen Kapitel stehen, genießen zwei der Mannheimer Fußballvereine bundesweite Bekanntheit: Der VfR Mannheim, Deutscher Meister des Jahres 1949, und der SV Waldhof Mannheim, der seine gößten Erfolge vor dem 2. Weltkrieg feierte. Zwischen 1983 und 1990 gehörte der Verein der 1. Bundesliga an. In dieser Zeit erwarb er sich den Ruf, nicht nur eine äußerst hart spielende Mannschaft zu haben, sondern auch über eine rechtsradikal geprägte und gewalttätige Anhängerschaft zu verfügen.

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Literatur

  1. 1.
    Die Fairnessregel des Fußballsports wird von Hooligans allerdings außer Kraft gesetzt, wenn es doch zu Auseinandersetzungen mit Gruppen kommt, die nicht der Fußballwelt angehören bzw. wenn sich die Gegenseite, in der Wahrnehmung der Hooligans, nicht an die Regeln hält (vgl. Bohnsack 1995: 223; Bohnsack et al. 1995: 31; Findeisen/Kersten 1999: 134).Google Scholar
  2. 3.
    Armstrong hat darauf hingewiesen, dass die von ihm untersuchte Gruppe von Hooligans sozialstrukturell gemischt ist und die Hooligankultur sich nicht auf niedrigere Schichten der Sozialstruktur beschränkt (vgl. Armstrong 1998: 150 f.).Google Scholar
  3. 4.
    Meine primär modernitätstheoretische Perspektive lässt sich durch adoleszenz-, gender-und gewalttheoretische Argumente ergänzen, was ich hier nur selektiv unter Bezugnahme auf die Arbeiten Bohnsacks und Kerstens tue. Zu verweisen wäre außerdem auf die Arbeiten von Michael Meuser (2005) und Ferdinand Sutterlüty (2002).Google Scholar
  4. 6.
    Dieser Vorfall dient als Referenzereignis im deutschen Hooligandiskurs. Auch Gunter Gebauer wählt als Bezugspunkt seiner Diskussion des Hooliganphänomens die Gewalttat bei der WM in Frankreich (Gebauer 2006a: 153) und betont: »Die Differenzen zwischen dem Fußball und dem Spiel der Hooligans könnten nicht größer sein» (Gebauer 2006a: 158).Google Scholar
  5. 7.
    Dieser moralische Zyklus konstituiert, so meine These, die implizite Struktur (zumindest) des deutschen Hooligandiskurses, unabhängig von den historischen Wandlungen, die er hinsichtlich des expliziten Inhalts erfährt. Die Medienberichterstattung vor und während der Fußballweltmeisterschaft 2006 lieferte zahllose Variationen des Hooligandiskurses. Für Beispiele der aktuellen Diskussion der ›Hooligangefahr aus dem Osten‹ vgl. FAZ, 2. April 2006: 17; FAZ, 16. April 2006: 8; FAZ, 2. Juni 2006: 3. In ihrer Darstellung des britischen Medienkonstrukts des ›notorischen Hooligans‹ betonen Richard Giulianotti und Gary Armstrong (1998) die Bedeutung von Akademikern in der Produktion dieses Konstrukts. Der britische Diskurs scheint sich vom deutschen durch die stärkere Betonung der Gewalt sowie der Bedeutung von Hooligananführern und durch den geringeren Stellenwert des Rassismusvorwurfs zu unterscheiden. Back/Crabbe/Solomos (1999) zeigen, wie in England die ›Hooligandebatte‹ das »racist/hooligan couplet « hervorgebracht hat, das »makes it possible to both establish a moral pariah [the ›racist hooligan‹], and then in contrast to this image of deviance promote new codes of propriety and ›acceptable behaviour‹ inside football stadia [anti-racism]« (Back/Crabbe/Solomos 1999: 427).Google Scholar
  6. 8.
    Für eine Rekonstruktion des Politikbegriffs vgl. Zifonun 2004b.Google Scholar
  7. 9.
    Wie groß der Anteil von Hooligans mit rechtsextremer Gesinnung ist, ist in der Literatur umstritten. Armstrong hält ihn für gering (vgl. Armstrong 1998: 153 ff.), Lösel et al. schätzen ihn höher ein. Lösel stellt aber auch fest, dass sich die von ihm untersuchten Hooligans selbst zum überwiegenden Teil (63 %) als apolitisch einschätzen (vgl. Lösel et al. 2001: 119).Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  1. 1.Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) EssenEssen
  2. 2.Institut für SoziologieTU BerlinBerlin

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