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Stereotype der Interkulturalität: Zur Ordnung ethnischer Ungleichheit im Fußballmilieu

Chapter

Auszug

In Kapitel B.II wurde der Fußballsport als eine Welt beschrieben, in der sich unterschiedliche soziale Ordnungen (moralische, ethnische, rechtliche, materielle und sportliche Erfolgsordnung) kreuzen. Diese Überlegungen werden hier unter einem anderen Aspekt erneut aufgegriffen: unter dem einer diese Ordnungen überlagernden Ordnung ethnischer Ungleichheit. Es soll gefragt werden, inwieweit sich die ethnische Differenzierung in der Fußballwelt nicht allein als horizontales Nebeneinander von Gruppen, sondern vielmehr als vertikale Stratifikation interpretieren lässt. Dabei fokussiert das Kapitel die Rolle des Stereotyps ‚heißblütigere Südländer‘ im symbolischen Klassifikationssystem der Fußballwelt. Es wird darum gehen, den Bedeutungsgehalt des Stereotyps abzuklären, seine unterschiedlichen kommunikativen Verwendungsformen zu ergründen, herauszuarbeiten, in welchem Verhältnis es zu anderen ethnischen Zuschreibungen steht und schließlich die sozialstrukturellen Bedingungen darzustellen, unter denen die Stereotypisierung vollzogen wird.

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Literatur

  1. 3.
    Ich fokussiere die moralische Abwertung, die eine Unterordnung der stereotypisierten Seite impliziert. Tatsächlich ist aber auch moralische Aufwertung und stereotype Überordnung möglich. So etwa in den für den amerikanischen Sport gebräuchlichen Klassifikationen schwarzer Athleten als körperlich überlegen — eine positive Stereotypisierung, die allerdings diskursiv mit Vorstellungen geistiger und moralischer Verdorbenheit verkoppelt ist (vgl. Hartmann 2002: 409 f.).Google Scholar
  2. 4.
    Auf die unterschiedlichen Begriffsverwendungen von ‚Rasse‘ und ‚Ethnizität‘ kann hier nicht eingegangen werden. Einen überblick liefern Cornell/ Hartmann 2007.Google Scholar
  3. 5.
    Gamal Abdel-Shehid (2005) hat gezeigt, wie im kanadischen Fall der Sprinter Ben Johnson, nachdem er des Dopings überführt worden war, den Status des ‚kanadischen Helden‘ zugunsten der Stigmatisierung ‚jamaikanischer Einwanderer‘ verlor.Google Scholar
  4. 6.
    Was hier im konkreten Fall als Besonderheit stereotypisierter, marginalisierter Gruppen beschrieben wird, ist zugleich allgemeines Phänomen: Rollenübernahme ist jedem auferlegt, man kann sich den Rollenerwartungen nicht entziehen, muss aber auch nicht in ihnen aufgehen, sondern kann »Rollendistanz« wahren (vgl. Goffman 1961; für eine Diskussion von Rollendistanz im Kontext ‚soziologischer Ambivalenz‘ vgl. Coser 1966).Google Scholar
  5. 7.
    Michèle Lamont (2000: 95 f.) hat hinsichtlich der Asymmetrie der Klassifikationen zwischen schwarzen und weißen Amerikanern darauf hingewiesen, dass Schwarze erstens nicht über die gleichen Mittel verfügen, ihre Zuschreibungen durchzusetzen und zweitens die negativen Zuschreibungen oftmals selbst internalisiert haben.Google Scholar
  6. 8.
    Vgl. zur amerikanischen ‚hidden ethnicity‘ Diskussion Doane 1997.Google Scholar
  7. 9.
    »In categorizing other people — identifying them as an ethnic or racial group, for example — we emphasize what we see as the similarities among ‚them‘ and their differences from ‚us‘. In addition, there is a good deal of evidence, for example, that people tend to assume that more homogeneity exists in out-groups (those of which they are not members) than in in-groups (those of which they are members), stereotyping the ‚other‘, while remaining attuned to the subtle differences among themselves« (Cornell/ Hartmann 2007: 218).Google Scholar
  8. 11.
    Schütz und Luckmann hatten insbesondere die Differenzierung zwischen Laien und Experten und die vertikale Schichtung als Folge fortschreitender Arbeitsteilung (vgl. Schütz/ Luckmann 2003: 433, 437, 439) im Sinne, nicht eine in Ethnien, Subkulturen, Szenen etc.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  1. 1.Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) EssenEssen
  2. 2.Institut für SoziologieTU BerlinBerlin

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