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Integration und soziale Welten

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Auszug

Eine Forschergruppe, die es sich zur Aufgabe macht, alltagsweltliche Interaktionsprozesse zu untersuchen, wird sich, ganz gleich, in welchem Milieu sie ihre Untersuchung lokalisiert, zu Beginn der empirischen Forschung sowohl ihres methodischen Instrumentariums als auch einiger (grundlagen-)theoretischer Annahmen versichern müssen. Tut sie dies nicht, läuft sie nicht nur Gefahr, soziologische Begriffe unterschiedlich zu verwenden und so im Forschungsprozess fortlaufend Missverständnisse zu produzieren. Vor allem werden die Forscher, oft ohne es zu bemerken, die ‚Ethnotheorien‘ der von ihnen untersuchten Handelnden übernehmen und sie an die Stelle des fehlenden analytischen Begriffsinstrumentariums stellen. Diese Gefahr droht bei einer Untersuchung der Fußballwelt in verschärftem Maße. Wenn es um Fußball geht, reden (fast) alle mit, hält sich (fast) jeder für einen Experten, verstellen zu Klischees geronnene Alltagstheorien von der ‚Natur der Sache‘, eine medial produzierte oder verstärkte Metaphorik, gesellschaftspolitische Funktionszuweisungen und in den allgemeinen Sprachschatz eingegangene Redewendungen und Spruchweisheiten den analytisch distanzierten Blick.

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Literatur

  1. 1.
    Die Unterscheidung zwischen Alltagsintegration und symbolischer Integration ist eine handlungstheoretische Reformulierung der funktionalistischen Unterscheidung zwischen sozialer Integration und Systemintegration. Zur wissenssoziologischen Kritik am Funktionalismus vgl. Berger/ Luckmann 1980: 67 ff.Google Scholar
  2. 4.
    Zum anders gelagerten Milieu-Verständnis in der Sozialstrukturanalyse vgl. etwa Hradil 1992; Matthiesen 1998.Google Scholar
  3. 5.
    Bei Schütz ist noch die Rede von ‚der Sozialwelt‘ bzw. ‚der sozialen Welt‘ im Singular (vgl. Schütz 1972b: 86; Schütz/Luckmann 2003: 419).Google Scholar
  4. 6.
    Vgl. zur soziologischen Typenlehre Weber 1988a.Google Scholar
  5. 9.
    Hartmut Esser hat wiederholt darauf hingewiesen, dass dauerhafte ethnische Differenzierung — empirisch nachweisbar — regelmäßig mit ethnischer Schichtung einhergeht, die allein durch ‚strukturelle Assimilation‘ vermieden werden kann (vgl. Esser 2000: 292–306).Google Scholar
  6. 11.
    Für eine Diskussion der verwandten Konzepte transnationaler sozialer Räume und transnationaler sozialer Felder vgl. Roudometof 2005: 119 f.Google Scholar
  7. 13.
    Wir greifen mit der Unterscheidung zwischen Ethnizität als quasinatürlicher Kategorie und als symbolischer Zuschreibung die oben getroffene Unterscheidung zwischen alltagsweltlicher und symbolischer Integration wieder auf. Sie korrespondiert mit der zwischen den symbolischen und den sozialen Aspekten der Grenze zwischen ethnischen Gruppen, die jüngst getroffen worden ist (vgl. Alba 2005: 22).Google Scholar
  8. 15.
    Das Konzept sozialer Welten ist analytisch offen für alle Ebenen der Vergesellschaftung, vgl. Unruh 1980.Google Scholar
  9. 16.
    Für eine glänzende Kritik des ‚Holismus‘ vgl. Appadurai 1986.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität KonstanzKonstanz
  2. 2.Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)Deutschland
  3. 3.Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) EssenEssen
  4. 4.Institut für SoziologieTU BerlinBerlin

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