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Die Datentranskription

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Auszug

Wie das vorangegangene Kapitel zeigte, machen Ton- und Videoaufnahmen das kommunikative Sitzungsgeschehen in seiner ursprünglichen Informationsdichte und im Fluss seiner Entwicklung flexibel wiederholbar zugänglich. Es zu transkribieren bedeutet nun, alles relevant erscheinende Hör- und Sichtbare in eine schriftliche Dokumentationsform zu übertragen, somit die akustisch- bzw. visuell-dynamischen Akte in unbewegte Zeichen zu bannen und dabei begrifflich zu differenzieren. Worte, die Art ihrer Aussprache, Körperbewegungen und Blicke, aber auch Redepausen, allgemeine Stille und vieles mehr können je nach Untersuchungsinteresse zum Gegenstand von Transkripten werden.

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Literatur

  1. 54.
    Eine Einführung in die zahlreichen sozial-und sprachwissenschaftlich genutzten Transkriptionssysteme und ihren Entstehungshintergrund gibt Norbert Dittmar (Dittmar 2004). Die aktuelle Entwicklung wird bestimmt von Transkriptionssystemen, die im Rahmen multimodaler Analyseansätze entwickelt wurden (vgl. beispielsweise Norris 2004 und O’Halloran 2006). Diese Ansätze beruhen auf der Einsicht, dass menschliche Interaktion aufgrund ihrer „faktischen Komplexität von gleichzeitig auf unterschiedlichen Ausdrucksebenen realisierten und miteinander koordinierten Verhaltensweisen nur ungenügend als verbaler Austausch analysiert und konzeptualisiert werden kann“ (Schmitt 2007: 7) und bezieht daher verschiedenartige Kommunikationskanäle, unter anderem auch computerbasierte, schriftliche oder bildlich vermittelte Kommunikation, in die Analyse mit ein.Google Scholar
  2. 55.
    Aus o.g. genannten Gründen ist z.B. das ansonsten sehr umfassende Transkriptionssystem von Norris zur Beschreibung für die Gremienanalyse wenig geeignet (Norris 2004: 58–78).Google Scholar
  3. 56.
    Die Grundsteine zur Transkription verbaler Interaktionen wurden im Rahmen der so genannten formalen Konversationsanalyse gelegt (Dittmar 2004: 99). Ihr Ziel besteht in einer möglichst genauen schriftlichen Wiedergabe der Dynamik einzelner Redebeiträge sowie der Relation zwischen Beiträgen verschiedener Sprecher/innen (z.B. unmittelbar aneinander anschließende oder verzögerte Sprecherwechsel, simultanes Sprechen). Das herkömmliche Schriftsystem konnte hierzu nicht hinreichen (Selting u.a. 1998: 91). Dennoch war die Konversationsanalyse stets um einfache, leserfreundliche Verschriftungskonventionen bemüht, ein Anspruch, der sich bis heute erhalten hat (Dittmar 2004: 100–101; Selting u.a. 1998: 92).Google Scholar
  4. 57.
    Sämtliche GAT-Konventionen werden aufgelistet und erklärt in Selting u.a. 1998.Google Scholar
  5. 58.
    Bei all dem kann zwischen GAT-Konventionen für ein weniger detailliertes Basistranskript und solchen für ein hochspezifisches Feintranskript gewählt werden (Selting u.a. 1998: 96–102 bzw. 102–106).Google Scholar
  6. 59.
    Zur Bedeutung nonverbaler Akte in sozialen Interaktionen siehe Guerrero u.a. 1999, Kendon 2004, Müller 1998a, 1998b und bereits Scheflen 1976, aber auch Arbeiten zu multimodaler Interaktion, z.B. Norris 2004 und Norris/Jones 2005. Einen besonders interessanten Fall bildet die nonverbale Kommunikation von Zuhörern (Gardner 2001; Burgoon/Saine 1978; Knapp 1978).Google Scholar
  7. 60.
    Eine ausführliche Darstellung von HIAT 2 findet sich in Ehlich/ Rehbein 1981; zum Ausgangsmodell HIAT siehe Ehlich/Rehbein 1976.Google Scholar
  8. 61.
    Zu dem Umstand, dass sich die Art der Verschriftlichungsform ihrerseits auf die Definition dessen auswirkt, was als nonverbal gilt und was nicht, siehe Ehlich/ Rehbein 1981: 305.Google Scholar
  9. 62.
    Da nonverbale Akte meist aus verschiedenen Einzelbewegungen verschiedener Körperpartien hervorgehen, werden diese in verbaler Sprache transkribiert statt in Bildsymbolen, da Begriffe problemlos auf unterschiedliche Dimensionen beziehbar sind (Ehlich/ Rehbein 1981: 313).Google Scholar
  10. 63.
    Wie schon das GAT-Transkriptionssystem achtet auch HIAT 2 auf eine an alltägliche Bezeichnungen angelehnte, dennoch eine mit Blick auf Über-und Untercharakterisierungen „kritisch reflektierte“ neutrale Beschreibungssprache (Ehlich/ Rehbein 1981: 313–314).Google Scholar
  11. 64.
    Eine Übersicht über die HIAT 2-Notate findet sich in Ehlich/ Rehbein 1981: 321. Zur Bedeutung der Aktdauer im nonverbalen Bereich siehe ebd.: 319.Google Scholar
  12. 65.
    Auszugsweise übertragen aus: Ehlich/ Rehbein 1981: 318. „L“ und „S2“ stehen für unterschiedliche Akteure.Google Scholar
  13. 66.
    Auch für die Notation nonverbaler Äußerungen haben Ehlich und Rehbein eine wichtige Grundlage geschaffen. Ausformulierte Verbalphrasen sind für die Beschreibung nonverbaler Praktiken oft zu umfangreich. Ihre Vorschläge für die Abkürzung der Bezeichnungen einzelner Körperteile (zumeist zwei Großbuchstaben, z.B. KO = Kopf, AU = Auge) haben sich nicht nur als praktikabel, sondern auch als flexibel erweiterbar erwiesen. Es wurden im Laufe der durchgeführten Transkriptionen beispielsweise Kürzel wie „EB“ für Ellenbogen, „UAR“ für Unterarme, „BN“ für Beine oder „BNx“ für übereinander geschlagene Beine neu eingeführt. Das verwendete Siglenverzeichnis sowie eine ausführliche Wiedergabe der GAT-Konventionen zur Transkription verbaler Akte lassen sich einsehen unter: http://mikropolitik.zes.uni-bremen.de/Verbindlichkeit.html. Eine alternative Notation bieten Körschen/ Pohl/ Schmitz/ Schulte 2002. Sie betonen ebenfalls die Notwendigkeit einer verkürzten Darstellung. Ihre Software ComTrans zur Untersuchung von Videokonferenzen sieht ein Repertoire ikonischer Darstellungen für das Transkript vor.Google Scholar

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

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