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Gremien und Gremienanalyse

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Auszug

Eine umfassende Erforschung eines Gremiums, beispielsweise eines Aufsichtsrates innerhalb eines Unternehmens, bedarf der Berücksichtigung einer Außen- und einer Binnenperspektive:
  • Zur Außensicht auf ein Gremium gehört die Analyse des institutionellen Rahmens und des gesamten Kontextes, in dem das Gremium steht. Der institutionelle Rahmen gibt die Position eines Gremiums in einem Gremiengefüge an, insbesondere durch Festlegung von Entscheidungskompetenzen, Aufgabenbereichen und Zusammensetzung (z.B. paritätische Besetzung in mitbestimmten Unternehmen). So ist ein Aufsichtsrat ein Gremium, das laut Aktiengesetz eine bestimmte Stellung in der Unternehmensverfassung besitzt und laut jeweiliger Satzung zusammen mit dem Vorstand in ganz bestimmte Aufgabenteilungen eingebunden ist. Das Unternehmen hat aber auch eine bestimmte Stellung auf dem Markt erreicht, es produziert eine bestimmte Art von Gütern oder Dienstleistungen, beliefert bestimmte Kunden, weist eine besondere Geschichte auf mit einem bestimmten Personal und mehr oder minder verfestigten Organisationsstrukturen. All dies ist bei der Außensicht auf ein Gremium zu berücksichtigen.

  • Aus der Binnenperspektive interessieren die innere Ordnung des Gremiums und das Geschehen in den Gremiensitzungen selbst. So folgt der Aufsichtsrat in seinen Sitzungen einer bestimmten Geschäftsordnung, bildet bestimmte Verfahren und Routinen aus und arbeitet auf der Basis einer internen Rollenverteilung, die auch gesetzlich vorgegeben sein kann — wie beispielsweise das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden. Das Gremiengeschehen setzt sich aus allen kommunikativen Vorgängen innerhalb und am Rande einer Sitzung zusammen, wobei die auf Entscheidungen zielenden Beiträge von herausgehobener Bedeutung sind. Diese können in vielfältigen Formen der Rede auftreten, etwa als Ansichten, konkrete Vorschläge oder Argumente. Aber auch körperliche Signalisierungen, etwa ein Kopfschütteln, können dazu beitragen, dass überhaupt eine Entscheidung bzw. eine ganz bestimmte Entscheidung getroffen wird.

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Literatur

  1. 25.
    Einen ersten Überblick über die weit verzweigte sozialpsychologische Forschung zu Gruppeninteraktionen und gemeinsamem Entscheiden bietet Kerr/ Tindale 2004.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

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