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Weitere Forschungsfelder

Chapter
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Auszug

In diesem Kapitel wird eine Auswahl weiterer Forschungsfelder vorgestellt, auf die der vorgeschlagene Ansatz der Gremienanalyse angewendet werden kann. Im Folgenden werden die Möglichkeiten der Gremienanalyse für die vier Felder
  • institutioneller Rahmen von Gremienentscheidungen (10.1.),

  • interkultureller Gremienvergleich (10.2.),

  • Videokonferenzen (10.3.) und

  • Partizipationsgrade (10.4.)

kurz umrissen. Diese Auswahl zeigt die große Bandbreite möglicher Anwendungsfelder. Es handelt sich um Teilfragen der Gremienforschung, die einzeln, aber auch in Kombination untersucht werden können. Allerdings sind zur Anpassung an das jeweilige Feld zum Teil Modifikationen der Methode notwendig, die ebenfalls im Rahmen dieses Kapitels erläutert werden.

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Literatur

  1. 1.
    Verwiesen sei hier erneut auf die im angelsächsischen Raum dominierenden „Robert’s Rules of Order“ (Robert u.a. 2000, Robert 2006), die eine ausführliche Anleitung zur Durchführung von Sitzungen darstellen, die Gremien oft für sich als verpflichtend adaptieren.Google Scholar
  2. 2.
    Eine Typologie von Hurrelmann u.a. (Hurrelmann/ Liebsch/ Nullmeier 2002: 551–553) nennt zehn Typen von Kommunikationsdisziplinen, die als konstitutiv für das Funktionieren einer Versammlung gelten: zeiträumliche Koordinierung, Zugang, Raum-Körper-und Medienordnungen, Zeitstrukturierungen, Gewaltausschluss, Aufmerksamkeitsregulierung, sachlich-thematische Zentrierung, Redesequenzierung, Verbindlichkeitserzeugung und-vergewisserung und Dokumentationsordnungen. Zur Regelung von Einigungsschwierigkeiten innerhalb eines Gremiums können auch bestimmte Rahmenbedingungen dienen, die sich positiv auf Vertrauen und Solidarität auswirken (Wiesner 2006).Google Scholar
  3. 3.
    Wir folgen hier Edward Tylor, der „Kultur“ als “that complex whole which includes knowledge, belief, art, morals, law, custom, and any other capabilities and habits acquired by man as a member of society” (Tylor 1924: 1) beschreibt.Google Scholar
  4. 4.
    Während „intercultural research“ die Interaktionen von Akteuren aus verschiedenen Kulturen, die sich in einem gemeinsamen Kontext bewegen, untersucht, widmet sich „cross-cultural research“ der vergleichenden Erforschung unterschiedlicher Kulturen (Koester u.a. 1993).Google Scholar
  5. 5.
    Ziegahn (Ziegahn 2001) nennt hierzu eine Liste kultureller Dimensionen, unter anderem die Gegensätze Individualismus — Kollektivismus, Egalitarismus — Hierarchie, aber auch kulturell bedingte, unterschiedliche Kommunikationsstile.Google Scholar
  6. 6.
    Schon Birdwhistell (Birdwhistell 1970) bemerkte, dass sich nonverbales Verhalten von Franzosen, Deutschen und Engländern fast genauso stark voneinander unterscheidet, wie ihre gesprochenen Sprachen. Dies lässt sich auf kulturelle Unterschiede zurückführen: „Since nonverbal behavior arises from our cultural common sense [...], we use different systems of understanding gestures, posture, silence, emotional expression, touch, physical appearance, and other nonverbal cues“ (LeBaron 2003: Absatz 4).Google Scholar
  7. 7.
    Die Studie von Kell u.a. (Kell u.a. 2007) basiert auf der Analyse von Video-und Audioaufnahmen. Nonverbale Kommunikation wird jedoch gegenüber verbaler Kommunikation vernachlässigt.Google Scholar
  8. 8.
    In_der Politik gewannen Videokonferenzen insbesondere durch den Umzug des überwiegenden Teils der Bundesministerien nach Berlin an Gewicht. Aber nicht nur politische Gremien, sondern vor allem auch Wirtschaftsunternehmen zeigen ihr Interesse an Videokonferenzen. Diese werden als zeit-und kostengünstige Alternative zur — mit Geschäftsreisen verbundenen — face-to-face Kommunikation betrachtet, da sie zudem eine bessere Erreichbarkeit am Arbeitsplatz, eine einfachere Koordination von Besprechungsterminen und eine schnellere Verfügbarkeit von Besprechungsergebnissen in Aussicht stellen (Meier 2002; Rangosch-du Moulin 1997). Angesichts dieser viel versprechenden Möglichkeiten verwundert es nicht, dass „Video-Mediated Communication“ in verschiedenen Disziplinen zu einem eigenen Forschungsgegenstand erhoben wurde (Kopp 2004).Google Scholar
  9. 9.
    Zur detaillierten Beschreibung verschiedener Gruppen-Videokonferenzsysteme siehe Rangosch-du Moulin 1997.Google Scholar
  10. 10.
    Technisch bedingt ist auch die Ton-und Bildübertragung störungsanfällig. Es kommt zu Datenverlusten. Die Kommunizierenden erfahren den Ablauf der Kommunikation in unterschiedlicher Weise. Es kommt zu unintendierten Überlappungen und Pausen. Zudem wirken sich die Kameraeinstellungen auf die Wahrnehmungsbedingungen aus: Neben der Einschränkung der Perspektive fehlen auch räumliche Phänomene, wie dreidimensionale Bewegungen. Außerdem werden aufgrund der Bildqualität Mikroereignisse, wie Lidzucken, nur bedingt übertragen. „The relatively subtle glances through which individuals can ordinarily re-establish mutual engagement, even gross attempts to attract the attention of another, can be undermined by the medium though they are performed“ (Heath/ Luff 1993: 50). Im Unterschied zur face-to-face Kommunikation kann bei der Videokonferenz der Blickkontakt nicht vermittelt werden (Kopp 2004; Braun 2004): „Blickt der Gesprächspartner in die Kamera, dann blickt er alle Anwesenden durch die flache Monitorwiedergabe offensichtlich gleichzeitig an [...] wie der Nachrichtensprecher im Fernsehen gleichzeitig alle Familienmitglieder anblickt“ (Kopp 2004: 163). Hierdurch sind viele Erstanwender zunächst irritiert. Es kommt aber auch bei geübten Nutzern zu Fehldeutungen von Emotionen und auf bestimmte Praktiken, die nur über oder mit Blicken funktionieren, muss verzichtet werden. Einen Überblick über experimentelle Untersuchungen und Feldstudien zur Videokonferenz-Kommunikation findet sich bei Braun (2004: 23–31).Google Scholar
  11. 11.
    Beispielsweise müssen durch die genannten Schwierigkeiten mit Blickkontakten andere gemeinsame Indikatoren für Aufmerksamkeit gefunden und konventionalisiert werden (Kopp 2004). Als Anpassung an die Sprecherwechselprobleme durch Verzögerungen von Ton und Bild lässt sich eine Formalisierung der Rederechtübergabe erkennen, die mit einem Verlust von Spontaneität verbunden ist, was zu längeren Redebeiträgen und einer geringeren Anzahl an Sprecherwechseln führt (Braun 2004: 46).Google Scholar

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