Advertisement

Politikberatung für die Mediendemokratie

Chapter
  • 771 Downloads

Auszug

Nachdem im vorangegangenen Kapitel untersucht wurde, wie wissenschaftliche Politikberatung und lobbyistische Politikberatung zur Unsicherheitsabsorption im politischen System beitragen können, stellt sich nun die gleiche Frage für die Politische Kommunikationsberatung. Diese Variante der Politikberatung reagiert nicht auf die Steuerungsprobleme eines politischen Systems, das sich als Wohlfahrtsstaat beschreibt, sondern auf die Deutung des Systems als Mediendemokratie. Daher ist davon auszugehen, dass sie andere Unsicherheiten bearbeitet. Die Expertise, die sie dafür verwendet, scheint weniger klar umrissen zu sein als in den Fällen der beiden anderen Beratungsarten, und die verfügbare, oft stark am Vorbild der USA orientierte, Literatur hat meist nur geringe Distanz zu der Praxis, die sie beschreibt. Vor diesem Hintergrund soll es im Folgenden zunächst darum gehen, die Probleme zu charakterisieren, mit denen sich Politische Kommunikationsberatung beschäftigt. Auf diese Weise lässt sich zugleich herausarbeiten, welcher Art die Expertise ist, auf die sie dabei zurückgreift. Dabei wird sich zeigen, dass Meinungsforschung und Werbung bzw. Public Relations wesentliche Elemente der Politischen Kommunikationsberatung darstellen. Diese Elemente werden über die Fokussierung auf Themen und Images systematisch aufeinander bezogen. Diese Fokussierung erfolgt mit Blick auf Erwartungsstrukturen des Systems, die sich an Rollen, insbesondere der Publikumsrolle, festmachen. Für den Umgang mit der Unsicherheit hinsichtlich dieser Erwartungen bietet die Politische Kommunikationsberatung wiederum Kausalschemata an.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 81.
    Das funktioniert umso weniger, als die entsprechenden Organisationen (z.B. Gewerkschaften) offensichtlich ebenso wie die Parteien unter Mitgliederschwund leiden (vgl. Schmitt-Beck 2003).Google Scholar
  2. 83.
    Aus Sicht der Berater kann es dabei zweckmäßig erscheinen, die Erwartungsunsicherheit des Publikums — bzw. von selbstdefinierten Segmenten — zu erhöhen: Zu den Rezepten des Political Consultings gehört nicht nur, die Anstrengungen auf unentschlossene Wähler zu konzentrieren (vgl. Maarek 1995: 38f.), sondern auch, unentschlossene Wähler zu erzeugen, indem man Themen anspricht, bei denen die Wettbewerber keine klaren Positionen haben, um so vorhandene Bindungen im Publikum an diese Wettbewerber zu lockern (vgl. Palmer 2002: 349f.).Google Scholar
  3. 85.
    Das gilt auch für die Meinungsforschung. Forschung ist nicht schon Wissenschaft, sondern — folgt man etwa Stichweh (1987) — lediglich ein bestimmter Handlungstyp, der zwar in der Wissenschaft wichtig ist, aber auch außerhalb von ihr vorkommen kann. Der Zusammenhang wissenschaftlicher Kommunikationen wird dagegen über Publikationen erzeugt. Wie stark Meinungsforschungsinstitute in die wissenschaftliche Publikationstätigkeit eingebunden sind, ließe sich im Einzelnen nur empirisch klären. Der Normalfall ist eher, dass auch Wissenschaftler Meinungsforschungsinstitute mit der Durchführung von empirischen Studien beauftragen — nicht anders als Politiker (vgl. Meulemann 2007).Google Scholar
  4. 87.
    In Deutschland beschränken die rechtlichen Grundlagen der Wahlwerbung in Fernsehen und Hörfunk ihre Möglichkeiten erheblich. Werbezeiten werden in Abhängigkeit von den letzten Wahlergebnissen zugeteilt und können nicht durch zusätzlich eingekaufte kommerzielle Werbezeit erweitert werden. Aus diesem Grund ist die Platzierung von Werbespots in Deutschland weniger komplex als in den USA, auch wenn seit der Einführung des privaten Rundfunks sich größere Wahlmöglichkeiten ergeben haben (vgl. Hetterich 2000: 85ff., 205ff.).Google Scholar
  5. 88.
    Politikberatung wird auf diese Weise als professionalisierungsbedürftig interpretiert, denn das Problem, dass zur Prüfung der Qualität von Leistungen keine standardisierten Verfahren der Erfolgskontrolle existieren, ist typisch für Professionen (z.B. Ärzte, Rechtsanwälte), die darauf mit einem professionsspezifischen Kodex richtigen Verhaltens reagieren. Inwieweit die Stilisierung als Profession einleuchtend ist, kann hier nicht näher erörtert werden. Aus systemtheoretischer Sicht erscheint die Einordnung zweifelhaft, da im politischen System Interaktion keine so wichtige Rolle für die Annahme der positiven Seite des Codes spielt, wie es für typische professionell betreute Funktionssysteme beschrieben wird (vgl. Kurtz 2003).Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

Personalised recommendations