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Sicherheitserwartungen und -konstruktionen im Normalarbeitsverhältnis

Qualitative und quantitative Befunde
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Auszug

In der gegenwärtigen öffentlichen wie wissenschaftlichen Diskussion mehren sich die Stimmen, die eine kollektive Verunsicherung — ausgehend von den gesellschaftlichen „Rändern“ — nun auch für die Mitte der Erwerbsgesellschaft in Aussicht stellen. Wurde in den vergangenen Jahren einerseits auf die verunsichernden Wirkungen flexibler Beschäftigungsformen für die betroffenen Arbeitnehmergruppen hingewiesen, rücken andere Autoren die sozialen Abstiegsängste der etablierten und integrierten Arbeitnehmermitte zunehmend ins Blickfeld. Die „soziale Frage“ wird damit zu Beginn des 21. Jahrhunderts erneut zum Gegenstand sozialwissenschaftlicher Kontroversen. Folgt man den kritischen Zeitdiagnosen Pierre Bourdieus (1998a) oder Robert Castels (2000, 2005), so erodiert die einstige Erwartungssicherheit weiter Teile der abhängig Beschäftigten und führt zu einer Generalisierung subjektiver Unsicherheit auch von Beschäftigten in den so genannten Normalarbeitsverhältnissen1.

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Literatur

  1. 1.
    Das Normalarbeitsverhältnis bezeichnet nach Mückenberger (1985: 423) ein abhängiges, unbefristetes und Existenz sicherndes Vollzeitbeschäftigungsverhältnis, das arbeits-und sozialrechtlich abgesichert ist.Google Scholar
  2. 9.
    Der Definition des Normalarbeitsverhältnisses zufolge muss ein Beschäftigungsverhältnis das Kriterium der Existenzsicherung erfüllen. Da der Datensatz nur Informationen zum Bruttoeinkommen der Beschäftigten enthält, kann die Eingrenzung der Stichprobe nach dem Einkommen nur näherungsweise erfolgen. Zugrunde gelegt wird die für Deutschland vom Statistischen Bundesamt alle fünf Jahre ermittelte Armutsrisikogrenze (Einkommens-und Verbrauchsstichprobe 2003), die (zuletzt erhoben) 2003 bei 1000 Euro monatlich lag. Im Armuts-und Reichtumsbericht der Bundesregierung (2005: 107) wird darauf hingewiesen, dass ein durch eine Vollzeiterwerbstätigkeit erzieltes Einkommen oberhalb dieser Armutsrisikogrenze liegen sollte, um eine ausreichende Teilhabe am gesamtgesellschaftlichen Wohlstand zu sichern. Entsprechend dieser Forderung werden Beschäftigte im (tariflichen) Niedriglohnbereich von der Untersuchung ausgeschlossen.Google Scholar
  3. 12.
    Da der Datensatz keine Information zum Vorhandensein eines Betriebsrats enthält, kann zudem nicht geklärt werden, ob der positive Effekt der Betriebsgröße auf die Arbeitsplatzsicherheit in Ostdeutschland ganz oder teilweise auf den Einfluss betrieblicher Interessenvertretung zurückzuführen ist, wie es Grotheer u.a. (2004) für betriebliche Beschäftigungsstabilität nachgewiesen haben.Google Scholar
  4. 14.
    Auch das Gefühl, dem Arbeitspensum in der Regel gewachsen zu sein, ist in Westdeutschland mit positiven Sicherheitserwartungen assoziiert. Diese Variable hat sich allerdings als ungeeignet erwiesen, den eigentlich angestrebten, im Datensatz aber nicht erfassten Indikator ‚Erfüllung von Zielvorgaben ‘abzubilden, da sich Beschäftigte mit Zielvereinbarungen in der Regel eher überfordert fühlen (vgl. Bernhardt 2008).Google Scholar

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

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