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Beschäftigungsstabilität im Ost-West-Vergleich

Chapter

Auszug

Anfang der neunziger Jahre wurde die Arbeitsmarktpolitik Deutschlands vor dem Hintergrund westdeutscher Destabilisierungstendenzen durch das einmalige Ereignis der „friedlichen Revolution“ in der DDR vor neue Herausforderungen gestellt (vergleiche Kapitel II, III). Mit dem Zusammenbruch der DDR und der Wiederherstellung der staatlichen Einheit wurde im Juli 1990 mit der Wirtschafts- und Währungsunion die Transformation von einer sozialistischen Planwirtschaft zu einer sozialen Marktwirtschaft eingeleitet. Die Defizite der sozialistischen Planwirtschaft der DDR wurden bei ihrer Transformation offensichtlich. Der ostdeutsche Kapitalstock war antiquiert und die gesamtwirtschaftliche Produktivität war auch aufgrund der arbeitskräftemäßigen Überbesetzung von Betrieben entsprechend niedrig (Brinkmann 1995; Dietrich u.a. 1997; Emmerich, Walwei 1998). Mit der Übertragung altbundesrepublikanischer Institutionen wurden zugleich deren Rationalitätskriterien übernommen (Lepsius 1995). Während Rationalität für die Betriebe der DDR eine Einhaltung der Planvorgaben bedeutete, wurde nun das Prinzip der Rentabilität zum Überlebenskriterium für die ostdeutschen Betriebe (Windzio, Rasztar 2000: 89). Die Folge war ein drastischer Personalabbau in zahlreichen Betrieben bis hin zur Schließung.

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Literatur

  1. 1.
    Dabei hat sich die „Tertiarisierungslücke“ in Ostdeutschland innerhalb weniger Jahre geschlossen und sich den Proportionen der alten Länder nahezu angeglichen (Geißler 1996: 160). Die DDR-Wirtschaft wurde 1989 durch das Produzierende Gewerbe dominiert (ca. 50% der Erwerbstätigen). Der Anteil der Erwerbstätigen im Landwirtschaftssektor war gegenüber Westdeutschland fast dreimal so hoch (ca. 11%). Mit einem Erwerbsanteil von 39% bestand hingegen im tertiären Sektor ein Rückstand von etwa 15% (Statistisches Jahrbuch BRD 1990, Statistisches Jahrbuch DDR 1990, Geißler 1996: 137). Somit entsprachen die Produktionsstrukturen der DDR im Jahre 1990 in etwa denen der BRD Mitte der 60er Jahre.Google Scholar
  2. 2.
    Zu Funktionsorientierungen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen im Transformationsprozess siehe auch Brinkmann (1995), Wingens, Grotheer (2000).Google Scholar
  3. 3.
    Zur Wirksamkeit dieser kurativ ausgerichteten Handlungsoptionen gibt es eine Vielzahl von Untersuchungen. Neben den erhofften strukturpolitischen Wirkungen (Aufbau Ost) sind vor allem die personenbezogenen Wirkungen Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung. Im Fall von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bieten Übergangsquoten ein Evaluationskriterium für ABM. Für viele Teilnehmer erwiesen sich ABM jedoch nicht als Brücke in den ersten Arbeitsmarkt, sondern in den Vorruhestand (Mätzke 1995: 37). Auch mit der öffentlich finanzierten Weiterbildung wurden positive Wirkungen auf die Erwerbschancen der einzelnen geförderten Arbeitnehmer und gleichzeitig gesamtwirtschaftliche Wirkungen erwartet (Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte) (Mätzke 1995: 22). Für die berufliche Weiterbildung bieten Wiederbeschäftigungschancen ein personenbezogenes Evaluationskriterium. Auch die Ergebnisse zum Erfolg dieser Maßnahmen fallen recht unterschiedlich aus (dazu Becker 1991; Becker, Schömann 1996; Blaschke, Nagel 1995; Blaschke, Plath, Nagel 1992; Düll, Bellmann 1998; 1999; Wingens, Grotheer 2000; Wingens, Sackmann, Grotheer 2000).Google Scholar
  4. 5.
    „Die IAB-Regionalstichprobe enthält für den Zeitraum 1975–2001 die Erwerbs-und Leistungsempfangsbiographie von zwei Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit oft tagesgenauen Informationen. Grundlage der Zufallsauswahl war die so genannte Beschäftigten-und Leistungsempfängerhistorik (BLH) des IAB, in der die Zeiten von Beschäftigung und Leistungsbezug bereits auf Personenebene integriert wurden“ (Hamann 2005). Grundlage der Beschäftigtenstatistik ist das 1973 eingeführte integrierte Meldeverfahren zur Kranken-, Renten-und Arbeitslosenversicherung, das von den Arbeitgebern Meldungen für alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse an die Sozialversicherungsträger verlangt (Bender u.a. 1996, Bender, Haas 2002). Somit sind definitionsgemäß nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte erfasst. In der 2%-Stichprobe werden für Westdeutschland ab 1975 die Verläufe von 1.112.761 Personen, in Ostdeutschland ab 1992 die Verläufe von 181.058 Personen abgebildet.Google Scholar
  5. 6.
    1989 lag die Erwerbstätigenquote von Frauen in der DDR bei 90,9%, in Westdeutschland hingegen nur bei 58,6% (Statistisches Jahrbuch der BRD 1990 und 1991; Wiener 1997).Google Scholar
  6. 14.
    Bestärkt wird diese Annahme, wenn man die Anteile der nach einem Jahr beendeten Beschäftigungsverhältnisse mit den laufenden Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung des jeweiligen Jahres assoziiert. Hier verläuft die Entwicklung leicht zeitversetzt parallel zueinander (vgl. Grotheer u.a. 2004).Google Scholar
  7. 18.
    Anmerkungen: (1) Aufgrund von Rundungen ergeben sich in Einzelfällen geringe Abweichungen bei der Gesamtsumme. (2) Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer im Wirtschaftszweig Arbeitnehmerüberlassung (Leiharbeit): 1985 bis 1997 Wirtschaftszweig 865 nach WS 73; ab 1998 Wirtschaftszweig 745 nach WS 93. (3) Für Ostdeutschland wurde die Arbeitnehmerüberlassung (Leiharbeit) erst ab 1993 erhoben. (4) 1996 veränderte Leitfragen im Mikrozensus, woraus ein überzeichneter Anteilsrückgang des Normalarbeitsverhältnisses resultiert — siehe dazu Hoffmann, Walwei (1998).Google Scholar

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

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