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Webers Wissenschaftsverständnis

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Auszug

Nachdem das vorige Kapitel, welches sich mit Weber als politisch interessiertem und aktivem Menschen beschäftigte, mit seinen Überlegungen zu „Politik als Beruf“ endete, erscheint es nur angemessen, dieses Kapitel, welches sich seinem Wissenschaftsverständnis widmet, mit seinen Ausführungen zu „Wissenschaft als Beruf“ (WL: 582–613) zu beginnen. Auch diesem Text liegt ein Vortrag zugrunde, den Weber 1919 vor Studenten hielt; auch dieser Text beschäftigt sich damit, was es heißt, eine ganz bestimmte Art der Tätigkeit zu seinem Beruf zu machen: In welchem institutionellen Umfeld bewegt man sich? Welche Charaktereigenschaften sollte man mitbringen? Und schließlich: Welche berufsfeldspezifischen Paradoxa muss man aushalten können?

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Literatur

  1. 74.
    „Und wer also nicht die Fähigkeit besitzt, sich einmal sozusagen Scheuklappen anzuziehen und sich hineinzusteigern in die Vorstellung, daß das Schicksal seiner Seele davon abhängt: ob er diese, gerade diese Konjektur an dieser Stelle dieser Handschrift richtig macht, der bleibe der Wissenschaft nur ja fern.“ (WL: 598)Google Scholar
  2. 78.
    „In einer normativ nicht hinreichend integrierten Handlungssituation müssen die Beteiligten durch Interpretation versuchen, zu einer tragfähigen Überlappung ihrer verschiedenen Situationsdefinitionen zu gelangen.“ (Habermas 1984: 465).Google Scholar
  3. 79.
    Man findet an dieser Stelle ein Argument, welches sehr deutlich darauf abzielt, bestimmte Konsequenzen in ihrer Notwendigkeit zu formulieren, wenn man Interesse an einer bestimmten Form von moralischem Konsens hat: „Der Begriff der praktischen Vernunft kann offenbar nicht moralisch entkernt, die Moral nicht in die black box der Weltbilder abgeschoben werden. (...) Es scheint kein Weg daran vorbeizuführen, den moralischen Gesichtspunkt mit Hilfe eines (dem Anspruch nach) kontextunabhängigen Verfahrens zu erklären.“ (Habermas 1996: 124f.)Google Scholar
  4. 80.
    Der amerikanische Soziologe Randall Collins unternahm in einem Beitrag (2001) den Versuch Webers Beiträge zur russischen Revolution von 1905 und 1917 für eine soziologische Theorie von Revolutionen fruchtbar zu machen. Dies ließ ihn vor allem Webers entsprechende Analysen von Interessen und Interessenkonstellationen gepaart mit der Zuordnung von Ideen zu Interessengruppen betonen; was jedoch auch hier keine Erwähnung findet ist Webers deutliche Markierung des Phänomens unter einer bestimmten Wertbeziehung.Google Scholar
  5. 81.
    Wobei Tenbruck mit einer solchen Erklärung auch nicht alleine steht. So lesen wir bei der bekannten Feldforscherin Rosalie Wax, mit Bezug auf die Entwicklung der Anthropologie: „It is one of the interesting ironies of the social sciences that the British tradition of social research, which was, for so long, entirely extra-academic, took root and flourished in the environment of certain of the American universities, whereas the German tradition of field reasearch, which from it’s inception was closely related to the universities, made so little impact, that many American sociologists of the present day have not been aware that it existed.“ (Wax 1971: 27).Google Scholar
  6. 85.
    Dass Arendt sich mit zumindest einigen Schriften Webers beschäftigt hat, wird spätestens durch ihre Aussagen in einem Brief an Karl Jaspers vom 17. Februar 1956 deutlich, wo sie vermeldet, dass sie viel Weber gelesen hat. „Die „Agrarverhältnisse im Altertum“ sind eine großartige Arbeit und „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ von einer unglaublichen Genialität. (...) Es gibt nichts in der Literatur seither, das dies Niveau auch nur erreicht hätte.“ (Arendt/ Jaspers 2001: 319).Google Scholar
  7. 86.
    Ob sich Arendt explizit mit Webers Idealtypenkonzept auseinandergesetzt hat, ist schwer feststellbar, jedoch deuten entsprechende Aussagen, welche sie im Rahmen eines Kolloquiums in Toronto 1972 formulierte darauf hin: „Wir alle bilden irgendwie das, was Max Weber „Idealtypen“ nannte. Das heißt, wir nehmen einen gewissen historischen Zusammenhang aus Fakten, Reden und was es da sonst noch so gibt und durchdenken ihn, bis daraus ein Typus widerspruchsloser Herrschaft wird.“ (Arendt 1996: 102).Google Scholar

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