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Konflikt, Macht und Herrschaft

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Auszug

Wie im letzten Kapitel deutlich geworden ist, interessiert sich Max Weber für die Entwicklung der Weltreligionen nicht, oder jedenfalls nicht primär, in ideengeschichtlicher Hinsicht. Ihm kommt es nicht so sehr darauf an, die Entstehung und Transformation religiöser Glaubenssysteme in ihrer inneren Logik z.B. hermeneutisch oder dogmengeschichtlich zu rekonstruieren. Vielmehr konzentriert er sich, wie oben schon diskutiert, auf „diejenigen Züge im Gesamtbilde einer Religion ..., welche für die Gestaltung der praktischen Lebensführung in ihren Unterschieden gegen andere Religionen die entscheidenden waren.“ (GARS I: 267). Diese Forschungsstrategie ist natürlich ganz wesentlich in seiner Fragestellung, in seinen Erkenntnisinteressen begründet. Darüber hinaus reflektiert sie jedoch auch Webers grundsätzliche Haltung gegenüber historischen und kulturellen Entwicklungen.

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Literatur

  1. 32.
    Webers Soziologie entfaltet sich getragen von einem ganz spezifischen Menschenbild: dem „... Bild des essentiell freien Menschen, der zwischen jeweils unterschiedlichen Anforderungen, Zwängen und Möglichkeiten steht, in denen er zwar typischerweise ein ganz bestimmtes Handeln an den Tag legt, wenngleich er prinzipiell auch anders entscheiden kann.“ (Kreckel 1975: 139).Google Scholar
  2. 33.
    Der Abschnitt über die soziologischen Grundbegriffe in WuG weist große inhaltliche Überschneidungen mit dem Aufsatz Ueber einige Kategorien der verstehenden Soziologie (WL: 427ff.) aus dem Jahre 1913 auf. Weber zielte bei seiner Ausarbeitung der Grundbegriffe laut eigener Aussage darauf ab, die Terminologie im Vergleich zu der früheren Schrift zu vereinfachen, „um möglichst leicht verständlich zu sein“ (WuG: 1). Darüber, wie gut ihm dies gelungen ist, kann man durchaus geteilter Meinung sein.Google Scholar
  3. 35.
    Weber weist eigens darauf hin, dass religiöses „Sich Verhalten“ für ihn nur dann in den Bereich des sozialen Handelns fällt, wenn es irgendwie am Handeln anderer Menschen orientiert ist: reine Kontemplation, oder das Gebet im stillen Kämmerlein, bei dem der Gläubige nur mit Gott kommuniziert, zählen nicht dazu (WuG: 11).Google Scholar
  4. 36.
    Oder auch, etwas ausführlicher: „(...) nur aus diesem methodischen Zweckmäßigkeitsgrunde ist die Methode der ‚verstehenden’ soziologie ‚rationalistisch‘. Dies Verfahren darf aber natürlich nicht als ein rationalistisches Vorurteil der Soziologie, sondern nur als methodisches Mittel verstanden werden und also nicht etwa zu dem Glauben an die tatsächliche Vorherrschaft des Rationalen über das Leben umgedeutet werden.“ (WuG: 3).Google Scholar
  5. 39.
    „Zwischen Geltung und Nichtgeltung einer bestimmten Ordnung besteht also für die Soziologie nicht, wie für die Jurisprudenz... absolute Alternative. Sondern es bestehen flüssige Übergänge zwischen beiden Fällen, und es können... einander widersprechende Ordnungen nebeneinander ‚gelten‘, jede — heißt dies dann — in dem Umfang, als die Chance besteht, dass das Handeln tatsächlich an ihr orientiert wird.“ (WuG: 17).Google Scholar
  6. 40.
    Stefan Egger urteilt: „Denn tatsächlich ist nur die Herrschaftssoziologie Webers ‚Erfindung‘: selbst die ‚These ‘der Protestantischen Ethik, so sehr sie später auch mit Weber fast ausschließlich in Zusammenhang gebracht wird, war damals nicht völlig ‚neu ‘... die ‚Herrschaftssoziologie ‘aber war, und dies wurde damals auch so gesehen, neu und einzigartig.“ (2006: 70).Google Scholar
  7. 42.
    Verband soll eine nach außen regulierend beschränkte oder geschlossene soziale Beziehung dann heißen, wenn die Innehaltung ihrer Ordnung garantiert wird durch das eigens auf deren Durchführung eingestellte Verhalten bestimmter Menschen: eines Leiters und, eventuell, eines Verwaltungsstabes...“ (WuG: 26).Google Scholar
  8. 44.
    „Es handelt sich der ursprünglichen Idee nach nicht um eine „Abstimmung“ über Wahlkandidaten, zwischen denen eine freie Auswahl besteht, sondern um Feststellung und Anerkennung des ‚richtigen‘, des [als] charismatisch qualifiziert zur Nachfolge berufenen Herrn. Eine ‚falsche ‘Wahl war daher ein zu sühnendes Unrecht.“ (WL: 486).Google Scholar
  9. 45.
    Vor allem der Typus der legalen Herrschaft ist geradezu dadurch charakterisiert, dass er nur selten auf rein legalen Grundlagen beruht, sondern dass die Stabilität des Legitimationsglaubens durch gemischte Quellen gespeist wird (WL: 484) — dazu mehr in Kap. 5.Google Scholar
  10. 47.
    Dies kann dann entweder dazu führen, dass im Konfliktfall die als legitim erachteten Befehle ausgeführt werden, als ob der „Inhalt des Befehls um dessen selbst willen zur Maxime [des] Verhaltens gemacht [werde], und zwar lediglich um des formalen Gehorsamsverhältnisses halber“ (WuG: 123), oder dass die Beherrschten, sehen sie sich gezwungen, aufgrund wertrationaler Überlegungen gegen den Willen des Herrschers zu handeln, dennoch nach Wegen suchen, die Legitimität seiner Forderungen anzuerkennen: Der Duellant, der sich aus wertrationalen Gründen duellieren „muss“, obwohl das Duell offiziell verboten ist, zeigt sich danach selbst an, um zum Ausdruck zu bringen, dass er die staatlichen Gesetze akzeptiert, auch wenn er aufgrund der Anforderungen, die sein Ehrgefühl an ihn stellt, punktuell gegen sie verstoßen muss.Google Scholar

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