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Auszug

Die Zeit der Gesellschaft 1 hat als sozialtheoretische und gesellschaftstheoretische Arbeit vor allem zwei Thesen stark gemacht: zum einen daß sich eine angemessene soziologische Theorie der Zeit insbesondere als operative Theorie darstellen müsse, die in der Lage sei, soziale Zeit in den Operationen kommunikativer Akte zu lokalisieren. Dazu habe ich in einem Durchgang durch den Bestand soziologischer Theorien der Zeit herausgearbeitet, wie sich eine eigene soziale Zeitstruktur beschreiben läßt, deren operativer Charakter gerade darin besteht, daß es nicht eine Überschneidung oder summarische oder additive Kombination „subjektiver“ Eigenzeiten ist, die die soziale Zeit ausmacht. Gemäß einer operativen soziologischen Theorieanlage habe ich gezeigt, wie eine ereignisbasierte Form sozialer Praxis es selbst ist, die eine Zeitstruktur hervorbringt, die als soziale Zeit firmiert. Zum anderen habe ich gesellschaftstheoretisch gezeigt, daß die Zeit der funktional differenzierten modernen Gesellschaft vor allem dadurch charakterisiert sei, daß sich unterschiedliche Zeitregimes nebeneinander etablieren und damit ein spezifisches temporales Problem hervorbringen, das Problem der Synchronisation nämlich. Die Verbindung zwischen diesen beiden Hauptthesen des Buches besteht darin, daß erst eine operative Theorieanlage es vermag, die Eigenzeiten sozialer Systeme auf den Begriff zu bringen und sie aufeinander zu beziehen.

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