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Sozialer Wandel und Stabilität in der Türkei

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Auszug

Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches 1918 sowie dem darauffolgenden Unabhängigkeitskrieg von Griechenland, wurde 1923 die türkische Republik ausgerufen, deren erster Präsident Mustafa Kemal Atatürk war. Unter ihm wurden umfassende Reformen durchgeführt und eingeleitet, die zu einer nachhaltigen Umstrukturierung der gesamten türkischen Gesellschaft führten. Atatürks offiziell erklärtes Ziel war die Modernisierung des neu gegründeten Staates nach dem Vorbild westlicher Nationen, was besonderen Ausdruck in der weitgehend identischen Übernahme des Schweizerischen Grundgesetzes im Jahr 1926 fand. Nicht zuletzt hiervon wurden die islamische Prägung des Landes sowie traditionelle patriarchalische Strukturen, deren Ursprung in der Zeit vor dem Osmanischen Reich zu finden ist, erheblich beeinflusst. Das keineswegs harmonische Zusammentreffen der kemalistischen Reformen und der teilweise über Jahrhunderte hinweg praktizierten Bräuche und Verhaltensweisen trug u. a. dazu bei, dass die bestehende Heterogenität zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die sich durch vielfältige gesellschaftliche Bereiche zieht, bis heute erhalten geblieben ist (Nauck 2002; Nauck & Klaus 2008).

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Literatur

  1. 13.
    Ein Grund hierfür ist der hohe Anteil der kurdischen Bevölkerung (im Osten) der Türkei, deren Muttersprache bis 2002 offiziell verboten war. Gleichwohl wurde sie verwendet und von Generation zu Generation weitergegeben, was zu Lasten des Erlernens der türkischen Sprache ging (Ritter & Richter 1990: 32). Trotz der gesetzlichen Neuregelung zum Gebrauch der kurdischen Sprache heißt es weiterhin in Artikel 42 der türkischen Verfassung: „Außer Türkisch darf in den Institutionen, die der Erziehung und Ausbildung dienen, türkischen Staatsbürgern keine andere Sprache als ihre Muttersprache gelesen und gelehrt werden“.Google Scholar
  2. 16.
    Dieses Ergebnis reiht sich insofern in andere internationale Studien ein, als sich allgemein die Tendenz zeigt, dass sich in Entwicklungs-und Schwellenländern die Effekte der elterlichen Bildung auf ihre Kinder zwischen Mutter und Vater zumeist nicht unterscheiden (u. a. Behrman & Wolfe 1987 für Nikaragua; King & Bellew 1988 für Peru ) während in Industrieländern mit hohem Durchschnittseinkommen der Effekt der mütterlichen Bildung höher ist als der des Vaters (u. a. Schultz 1993).Google Scholar
  3. 18.
    Istanbul nimmt eine zentrale Rolle sowohl als Ziel-aber auch als Quellgebiet (= Ausgangspunkt internationaler Migration) der türkischen Migration ein: Die Zuwanderung im Jahr 2000 umfasste knapp 1 Million Personen; im selben Jahr wanderten in etwa halb so viel Personen ab (State Institute of Statistics 2004: 48). Schätzungen zufolge besteht die Bevölkerung Istanbuls zu ca. 70% aus Zuwanderern (Bayaz 1997: 103).Google Scholar
  4. 19.
    Berechnungen, basierend auf Daten des State Institute of Statistics von Dibooglu & Kibritcioglu (2001), ergeben für die 1980er einen Höhepunkt der Inflationsrate von ca. 140%, die bis 2001 auf ca. 40% zurückgegangen ist. Eine ähnliche Rate berichtet das World Factbook (2003) mit 45%.Google Scholar
  5. 20.
    Konträr zum ökonomisch bedingten Zwang einer zusätzlichen Einkommensquelle durch die Frau in den unteren sozialen Schichten, zeichnet sich in traditionellen Kreisen der städtischen Mittelklasse eine Art „Hausfrauen-Ideologie’ ab: Durch eine bewusste Erwerbslosigkeit soll die ökonomische Besserstellung der Familie angezeigt werden (Erman 2001: 124).Google Scholar
  6. 21.
    Bereits Safilios-Rothschild (1971) konnte eine kurvilineare Beziehung zwischen Entwicklungsstand und Zugang zu hohen Berufspositionen nachweisen. Dieser Befund ist möglicherweise auf die Türkei als Schwellenland übertragbar.Google Scholar
  7. 22.
    Nach Angaben der World Bank (2003: 74) belief sich 1997 die Altersrente auf 56% des Einkommens.Google Scholar
  8. 23.
    Zum Vergleich: In Deutschland belief sich dieser Anteil im Jahr 1998 auf 27%. Gleichwohl ist für die Türkei ein verhältnismäßig deutlicher Fortschritt zu konstatieren, da knapp 20 Jahre früher lediglich 4% Sozialausgaben getätigt wurden (OECD 2004).Google Scholar

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008

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