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Der normativ-theoretische Vorbehalt gegen Ironie als Ausdruck pädagogischer Moralvorstellungen

Auszug

Wie überall, so herrschen auch in der Pädagogik geteilte Meinungen zur Ironie vor, womit sich die Frage stellt, in welcher Weise man im Unterschied etwa zur Philosophie, Soziologie, Rezeptionsästhetik, Psychologie usw. in der Pädagogik geteilter Meinung ist. Diese Frage nach der Besonderheit des pädagogischen Diskurses der Ironie kann nur hinreichend verfolgt werden, indem man sich die Argumentationen vor Augen führt, die auf ein Für oder Wider zur Ironie hinauslaufen und man versucht, ihnen zu entnehmen, aus welchem Grund eigentlich die Ironie für sich schon ein pädagogisch diskussionswürdiger Gegenstand sein soll. Zwar gibt es vergleichbare Diskussionen um den Humor, bei dem man nicht nur in pädagogischer Hinsicht die längste Zeit geteilter Meinung war (vgl. B. Rißland 2002, S. 34 ff.) und die auch in der Philosophiegeschichte geführt wurden (vgl. J. Räwel 2005, S. 11 ff.). Doch beim Spott und dem Sarkasmus ist man sich dahingehend zumindest einig: Sie haben im Geschäft der professionellen Erziehung nichts verloren. Während in der Philosophiegeschichte oftmals der Humorbegriff in verwechselbarer Weise mit dem der Ironie aufgefasst worden ist (vgl. [1983]), und so der Humor über die Satire ebenfalls dem Spott zuzuordnen war, da kennt man in der Pädagogik die klare Scheidung des Humors als „unangemessene Unernsthaftigkeit“ von der Ironie als „Spott“. Insofern könnte man hier also experimentell von einer Skala reden, die die negative Bewertung von Humor und Ironie widerspiegelt. Positiv gewendet wurde beides pädagogisch auch gelobt: sowohl der Humor als ein mentales Vermögen, auch unter widrigen Bedingungen und sich angesichts einer problematischen Praxis nicht entmutigen zu lassen, wie auch die Ironie als die Fähigkeit, Selbstdistanziertheit zu zeigen und auch das Widersprüchliche in entschärfender Weise zu kommunizieren. Diese dichotomen Sichtweisen, in denen Humor und Ironie gegeneinander verortet werden, sind hingegen sehr viel bekannter als solche, in denen beide eine Positivbewertung erfahren. Schließlich ist historisch noch eine Sichtweise bekannt, in der sowohl dem Humor, als auch der Ironie eine pädagogische Negativbewertung entgegengebracht wurde: Wo man den Erzieher und den Zögling noch vornehmlich als Funktionen begriff und man glaubte, dass Wissen auch gegen Widerstände eingetrichtert werden könnte, da erschienen die humoristische Auflockerung und die subtile Ironie kurzum didaktisch und pädagogisch unsinnig und eher als Irritation des Vollzuges; also — insofern in diesen Grenzen davon die Rede hat sein kßnnen — als „unprofessionell“, um diesen an sich modernen Begriff vorweg zu nehmen.15 Gehen wird also von der weiten Verbreitung einer „dichotomen Skala“ aus, so können wir auch von der weiten Verbreitung des Bildes ausgehen, in dem der humorvolle Pädagoge als ein ruhiger, innerlich Abstand haltender und ausgeglichener Mensch in Erscheinung tritt, aber der ironische Pädagoge als jemand, der die „Lage des Kindes“ in „unpädagogischer“ Weise ausnutze (Herman Nohl).

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