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Einleitung

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Auszug

Es ist ein Kennzeichen der Moderne, dass uns Technik auf Schritt und Tritt begleitet. Unser Alltag und unser Arbeitsleben sind bis in die feinsten Verästelungen technisiert. Unser Morgen beginnt mit den schrillen Tönen des Radioweckers, die Körperpflege mit elektrischem Rasierapparat und heißem Wasser aus dem Durchlauferhitzer geht uns ebenso leicht von der Hand wie das Lesen der Nachrichten in den Onlineausgaben der Tageszeitungen und der Genuss des ersten Morgenkaffees aus der vollautomatischen Kaffeemaschine. Mit modernen Massentransportmitteln oder mit dem eigenen Auto fahren wir durch elektrisch erleuchtete Straßen. Ob Massenproduktion oder Mass-Customization, ob moderne Logistik oder Verwaltung von Akten, ob EDV-gestützter Bürobetrieb mit E-Mail, Telefon und Videokonferenz oder der Traum vom papierlosen Büro: Am Arbeitsplatz bestimmt Technik längst die meisten Abläufe. Große Bereiche naturwissenschaftlicher Forschung — man denke nur an das Human-Genome-Project — sind ohne Labor- und Automationstechnologie unmöglich. Elektronischer Handel und die zahlreichen Veränderungen in Produktion, Absatz und Dienstleistung, die mit Automation und elektronischer Ablaufsteuerung einhergingen, haben das Tempo wirtschaftlicher Aktivitäten ins kaum Ermessliche gesteigert. Wählerstimmen werden automatisiert gezählt, Televoting ist auf dem Vormarsch, und die Herstellung politischer Öffentlichkeiten gestaltet sich durch den Einfluss elektronischer Medien deutlich anders als zu Zeiten des Buches und der Zeitung. Dass in einer Analyse der Moderne die Berücksichtigung von Technik, ihrer Einbindnung in und ihrer Auswirkungen auf das Alltagsleben und alle gesellschaftlichen Teilbereiche kaum auszusparen ist, scheint kaum in Frage zu stehen.

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References

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    Vgl. etwa Feyerabend, Paul K.: Wider den Methodenzwang. Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1976 sowie Feyerabend, Paul K.: Der wissenschaftstheoretische Realismus und die Autorität der Wissenschaften. Braunschweig: Vieweg 1978.Google Scholar
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    Vgl. zum Beispiel Bijker, Wiebe E.: Of bicycles, bakelites, and bulbs. Toward a theory of sociotechnical change. Cambridge: MIT Press 1995 oder Shapin, Steven/Schaffer, Simon: Leviathan and the air-pump: Hobbes, Boyle, and the experimental life. Including a translation of Thomas Hobbes, Dialogus physicus de natura aeris by Simon Schaffer. Princeton: Princeton University Press 1985. Noch deutlicher Law, John: Aircraft Stories. Decentering the Object in Technoscience. London: Duke University Press 2002.Google Scholar
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    Zu der hier verwendeten Unterscheidung von Metatheorie und substantieller Theorie siehe Sibeon, Roger: Rethinking social theory. Thousand Oaks: Sage 2004. Es gibt durchaus die Vorstellung, dass sich sozialwissenschaftliche Theorie mit ebensolchen Fragen der Ontologie, der Epistemologie und der Wissenschaftstheorie nicht beschäftigen sollte, dass die Arbeit an solchen Fragen einem akademischen Glasperlenspiel gleichkommt, das für empirische Arbeiten etwa über konkrete soziotechnische Phänomene kaum Bedeutung hat. Aber wie Margaret Archer sehr richtig gezeigt hat, ist es völlig unvermeidlich, in empirischen Analysen sowie in speziellen substantiellen Theorien sowohl epistemologische als auch ontologische Annahmen zu vertreten. Dem kann hinzugefügt werden, dass es ebenso unvermeidlich ist, wissenschaftstheoretische Annahmen zugrunde zu legen. Wenn das richtig ist, und darüber gibt es kaum einen Zweifel, dann ist es viel angemessener, eben diese epistemologischen, ontologischen und wissenschaftstheoretischen Grundannahmen explizit zu formulieren, als sie im Bereich des Impliziten zu belassen. Nur so sind auch sie der kritischen Einschätzung der Leser wirklich ausgesetzt. Vgl. dazu Archer, Margaret Scotford: Realist Social Theory. The Morphogenetic Approach. Cambridge: Cambridge University Press 1995.Google Scholar
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    Vgl. Lindes programmatische Klage in Linde, Hans: Sachdominanz in Sozialstrukturen. Tübingen: Mohr 1972. Luhmanns Behandlung der Technik als evolutionäre Errungenschaft in der „Gesellschaft der Gesellschaft“ etwa nimmt von den fast 1200 Seiten lediglich 19 Seiten ein. Und in diesen 19 Seiten steckt — verglichen mit anderen Sozial-und Gesellschaftstheorien-viel an Gehalt. In Jon Elsters „Explaining Technical Change“ etwa geht es fast im gesamten Buch um „Explaining“ und eigentlich gar nicht um „Technical Change“. Vgl. dazu Luhmann, Niklas: Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1997 und Elster, Jon: Explaining technical change: A case study in the philosophy of science. Cambridge: Cambridge University Press 1983.Google Scholar
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    Vgl. zum Beispiel Reckwitz, Andreas: „The Status of the ‚Material ‘in Theories of Culture: From ‚Social Structure ‘to ‚Artefacts‘“ in: Journal for the Theory of Social Behaviour 32,2 (2002), S. 195–217, insbesondere auch Wagner, Peter: A history and theory of the social sciences. Not all that is solid melts into air. Thousand Oaks: Sage 2001a.Google Scholar
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    Vgl. zusammenfassend Rammert, Werner: „Technikvergessenheit der Soziologie?“, in: Werner Rammert (Hrsg.), Technik und Sozialtheorie, Frankfurt am Main: Campus 1998.Google Scholar
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    Vgl. grundlegend Offe, Claus: Arbeitsgesellschaft. Strukturprobleme und Zukunftsperspektiven. Frankfurt am Main: Campus 1984 und zu Schwierigkeiten Ortmann, Günter: „Dark Stars — Institutionelles Versagen in der Industriesoziologie?“, in: Soziale Welt, SB 9 „Umbrüche gesellschaftlicher Arbeit“ (1994), S. 85–118.Google Scholar
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    Vgl. vor allem Parsons, Talcott: Toward a general theory of action. New York: Harper Torchbooks 1951; Parsons, Talcott: The structure of social action. a study in social theory with special reference to a group of recent European writers. New York: The Free Press of Glencoe 1961 und Parsons, Talcott: The social system. Glencoe: Free Press 1964.Google Scholar

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