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Analyse empirischer Studien aus Deutschland

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Auszug

In den deskriptiven Daten wurde ein detaillierter überblick über die Schulleistungen von MÄdchen und Jungen im deutschen und englischen Schulsystem dargelegt. Auf die Schulleistung bezogene StÄrken und SchwÄchen der Schülerinnen und Schülern wurden eruiert, es wurde deutlich, an welchen Stellen Unterschiede und an welchen Ähnlichkeiten zwischen den Geschlechtern bestehen.

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  1. 55.
    Der ErklÄrungsgehalt der mÄnnlichen Geschlechtsrolle für die Geschlechterdifferenzen bei den Schulleistungen lÄsst sich auch von anderer Seite beleuchten. Der Zusammenhang der mÄnnlichen Geschlechtsrolle mit dem schlechten schulischen Abschneiden mancher Jungen wird immer wieder betont. Bereits seit langem wird darauf hingewiesen, dass Jungen vermehrt an Hauptund Sonderschulen vertreten sind und dies zu wenig problematisiert würde (vgl. etwa Buschmann 1994, Faulstich-Wieland/ Nyssen 1998). Es finden sich auch erste Hinweise, dass einige Jungen Vorteile aus dem deutschen Schulsystem ziehen, andere hingegen an der “MÄnnerschule” (Schroeder 1995, S. 485) leiden. Schule ist demnach auf eine bestimmte Art des Mannseins zugeschnitten — eine traditionelle MÄnnlichkeit wird hier gefordert und begünstigt — und es wird hÄufig übersehen, dass viele Jungen diesen Rollenund Leistungserwartungen nicht entsprechen wollen (vgl. ebd.). Wie Jungen es verarbeiten, wenn sie nicht so erfolgreich sind, wie sie es nach dem stereotypen Bild traditioneller MÄnnlichkeit sein sollen, wird erst ansatzweise analysiert: Dem Zusammenhang von Entwürfen der eigenen MÄnnlichkeit und einem gewissen “Schulfrust” von mÄnnlichen Schulverweigerern geht Koch (1998) nach. In der Auswertung von diesbezüglichen Studien kommt er zum Schluss, dass vor allem mÄnnliche Jugendliche aus sozial benachteiligten Lebenslagen sich an konventionelle MÄnnlichkeitsideologien anlehnen, die ihnen wenig Möglichkeiten der produktiven Reflexion und emotionalen Vergewisserung offenlassen. Dies ist vor allem insofern problematisch, da eine Erfolgslosigkeit in Schule und auf dem Ausbildungsund Arbeitsmarkt kaum emotional verarbeitet werden kann (vgl. ebd., S. 439). Eine Auswirkung dieser fehlenden emotionalen Verarbeitung kann eine zunehmende AggressivitÄt gegenüber MÄdchen sein, wie an manchen Sonderschulen feststellbar ist (vgl. Rautenberg-Tauber/ Sohn 1994, S. 295). Die Autoren vermuten hinter dieser Gewalt Angst vor Machtund Kontrollverlust gegenüber dem weiblichen Geschlecht, da MÄdchen und Frauen zunehmend bessere Leistungen erbringen und daraus resultierend zunehmend finanziell unabhÄngig von mÄnnlichen Partnern seien (vgl. ebd., S. 293). Diese Vermutungen sind allerdings nicht empirisch belegt. ErklÄrungsgehalte für die Geschlechterdifferenzen bei den Schulleistungen finden sich in diesen Untersuchungen somit nicht, es wird hier eher ein Forschungsdesiderat deutlich.Google Scholar
  2. 60.
    Nicht berücksichtigt wird, wie etwa Todt 2000 herausgearbeitet hat, dass einzelne Aspekte eines Faches oder verschiedene Zugangsweisen dieses Interesse durchaus verÄndern können. Wird etwa eine Pumpe am Beispiel eines Herzen und nicht an einem Motor erlÄutert, interessieren sich MÄdchen durchaus für Physik (vgl. Todt 2000, S. 242).Google Scholar
  3. 61.
    Dies wird als ‘doing gender’ und ‘doing student’ bezeichnet (vgl. auch Kampshoff 2000).Google Scholar
  4. 62.
    Nach der Rollenhypothese erwerben MÄdchen und Jungen wÄhrend der Sozialisation unterschiedliche selbstbezogene Kognitionen, die im koedukativen naturwissenschaftlichen Unterricht durch Sanktionen von Mitschülerinnen und Lehrenden als Rollenmodellen sowie geschlechterstereotypen Annahmen verstÄrkt werden. Die Vorerfahrungshypothese geht davon aus, dass MÄdchen weniger Vorerfahrungen im naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich haben als Jungen. Durch die besseren Vorkenntnisse und da der naturwissenschaftliche Unterricht oft an den Interessen von Jungen ausgerichtet sei, würden MÄdchen entsprechende FÄcher abwÄhlen, sobald es möglich sei. Die Konkurrenzhypothese besagt, dass das konkurrenzorientierte Verhalten von Schülern Schülerinnen benachteilige, was dazu führe, dass sich die MÄdchen aus den vermeintlichen DomÄne der Jungen zunehmend herausziehen und in der Folge das Interesse an diesen Bereichen verlieren. In einer konkurrenzfreien, monoedukativen Lernumgebung würde das naturwissenschaftliche Interesse der Schülerinnen nicht abnehmen (vgl. Ziegler u.a. 4ff.).Google Scholar

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