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AnsÄtze für einen echten Paradigmenwechsel

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Auszug

Wurde im vergangenen Kapitel dargelegt, dass das NSM auf klassischen Steuerungsvorstellungen beruht, so soll in den folgenden Kapiteln nach AnsÄtzen für einen echten Paradigmenwechsel gesucht werden. Nach Willke führen die klassischen Denkfiguren der Kausalanalyse, des „Zweck-Mittel-Schemas“, der „Punkt zu Punktkorrelation von Ursache und Wirkung“ nicht weiter, sondern eher in die Irre (vgl. Willke 1994, S. 71). Am klassisch abbildtheoretischen Paradigma wird nicht gerüttelt, der Mythos der Machbarkeit und Kontrollierbarkeit dominiert nach wie vor die organisationspraktischen Vorstellungen. An alltagstheoretischen organisationswissenschaftlichen Vorstellungen wird festgehalten.

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references

  1. 173.
    Ambekanntesten ist der St. Gallener Systemansatz (z.B. Ulrich 1968, 1978, 1984; Ulrich/Probst 1988; Bleicher 1991 und die Weiterentwicklung Rüegg-Stürm 2002).Google Scholar
  2. 174.
    Vgl. hierzu insb. die Theorie autopoietischer Systeme (Maturana/ Varela 1987, Bateson 1985) und die Entwicklungen des „radikalen Konstruktivismus“ (von Foerster u.a. 1995).Google Scholar
  3. 175.
    Vgl. Matuxana 1982, S. 149: „The basic cognitive operation that we perform as observers is the operation of distinction. By means of this operation we define a unity as an entity distinct from a background, characterize both unity and background by the properties which this operation endows them, and define their separability“.Google Scholar
  4. 176.
    „Erst wenn der Beobachter wiederum beobachtet wird, kann das, was der Beobachter nicht sehen kann, wahrgenommen werden. Will man den blinden Fleck wieder zu Gesicht bekommen, bedarf es einer „Beobachtung zweiter Ordnung“ bei der das Ausgeschlossene wieder eingeführt werden kann („reentry“). Dies stellt auch den Unterschied zwischen der Kybernetik 1. und 2. Ordnung dar: die Kybernetik 2. Ordnung stellt die rekursive Beziehung zwischen Beobachter und Beobachtetem, d.h. die Operation der Beobachtung in den Mittelpunkt“ (Drepper 2001, S. 51).Google Scholar
  5. 177.
    Luhmann weist darauf hin, dass erst die Geschlossenheit des Systems seine Umweltoffenheit ermöglicht, da nur operativ geschlossene Systeme eine ausreichende EigenkomplexitÄt aufbauen können, die dann dazu dient, die Hinsichten zu spezifizieren, in denen das System auf seine Umwelt reagiert, wÄhrend es sich in allen anderen Hinsichten dank seiner Autopoiesis Indifferenz leisten kann; vgl. Luhmann 1997, S. 68ff.Google Scholar
  6. 179.
    Rüegg-Stürm weist darauf hin, dass es bei der AnschlussfÄhigkeit auf die „doppelte QualitÄt“ von BestÄtigung und Erstmaligkeit ankommt; vgl. Rüegg-Stürm 2001, S. 83.Google Scholar
  7. 180.
    Luhmann würde dies als Rückfall in die bewusstseinstheoretische Argumentationsweise bezeichnen; vgl. z.B. Luhmann 1984, S. 58ff. Auf der anderen Seite wird Luhmann eine „subjektlose“ Theorie vorgeworfen, die den reflektions-und handlungsmÄchtigen Akteur vernachlÄssigt; vgl. Nagel 2001, S. 53. Eine vermittelnde Position schreibt Rüegg-Stürm Giddens zu, wenn er formuliert: „ZunÄchst akzeptiert Giddens die strukturalistische Bestrebung einer Dezentrierung des Subjekts als Gegengift gegen die misslichen Folgen der Bewusstseinsphilosophie. Er wehrt sich aber dagegen, aus der Dezentrierung des Subjekts eine Eliminiation des Subjekts zu machen. Ein produktiver Umgang mit Strukturalismus und Poststrukturalismus erfordert also eine Theorie sozialer Strukturen, welche die Reflexions-und HandlungsfÄhigkeit der einzelnen Subjekte nicht ignoriert, Strukturen aber auch nicht nach dem Modell von Makrostrukturen denkt“ (Rüegg-Stürm 2001, S. 84).Google Scholar
  8. 181.
    So formuliert Weick: „Das Wort Organisation ist ein Substantiv, und es ist au\erdem ein Mythos. Wenn sie nach einer Organisation suchen, werden sie sie nicht finden. Was sie finden werden ist, dass miteinander verbundene Ereignisse vorliegen, die durch BetonwÄnde hindurchsickern. Wenn Organisationsforscher im Gebrauch von Substantiven geizig, im Gebrauch von Verben freigiebig und im Gebrauch von Gerundien verschwenderisch würden, dann würde Prozessen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden und wir würden mehr darüber erfahren, wie man sie begreifen und lenken kann“ (Weick 1985, S.67).Google Scholar
  9. 182.
    Luhmann spricht in diesem Zusammenhang von Erwartungserwartungen, das sind Erwartungen, die ein Beobachter auch anderen handelnden Personen unterstellen darf; vgl. Luhmann 1984, S. 413.Google Scholar
  10. 183.
    Vgl. den bezeichnenden Artikel von Welsch 1990: „Rückblickend auf einen Streit, der ein Widerstreit bleibt-Ein letztes Mal: Moderne versus Postmoderne“. Welsch spricht an anderer Stelle vom „diffusen Postmodernismus“. Positive wie negative Beispiele finden sich in Weik/Lang 1999.Google Scholar
  11. 184.
    Ähnlich Welsch 1997, S. 2ff: „Der diffuse Postmodernismus ist der grassierende. Seine Spielarten reichen von wissenschaftlichen Universal-Mixturen in Lacan-Derrida-Tunke bis zu aufgedrehten Beliebigkeits-szenarien chicer Kulturmode. Das Credo dieses diffusen Postmodernismus scheint zu sein, dass alles was den Standards der RationalitÄt nicht genügt oder Bekanntes allenfalls verdreht wiedergibt, damit auch schon gut, ja gelungen sei (...). Man kreuze Libido und ökonomie, DigitalitÄt und Kynismus, vergessene Esoterik und Simulation nicht und gebe noch etwas New Age und Apokalypse hinzu-schon ist der postmoderne Hit fertig (...). [Seine] Dominanz ist doppelt miserabel: weil er so wenig taugt und weil er quallenartig jede andere Vision [von Postmoderne] verdeckt und in Misskredit bringt“.Google Scholar
  12. 185.
    Auch Habermas, ein bekannterma\en scharfer Kritiker der Postmoderne hat betont, dass er gerade durch die zentralen Denker der Postmoderne entscheidende Impulse erhalten hat. „WÄhrend der letzten ein bis zwei Jahrzehnte sind, wenn ich nur an gesellschaftstheoretische Zeitdiagnosen denke, von Paris mehr produktive Anstö\e ausgegangen als von irgendeinem anderen Ort“ (Habermas 1985, S. 137).Google Scholar
  13. 186.
    Zu einer umfangreichen Genealogie des Postmoderne-Begriffs; vgl. Welsch 1988, 1997; Türk 1989; Holtbrügge 2000; Koch 2003 mit einer Vielzahl weiterer Verweise.Google Scholar
  14. 188.
    In keinem anderen Bereich hat sich der Streit zwischen Moderne und Postmoderne so stark entwickelt wie in der Architektur; vgl. die EinschÄtzung von Habermas, wonach die „Kulissenarchitektur“ lediglich dazu diene, „einer unsteten, vor sich selbst fliehenden Gegenwart eine Kostümierung in geliehenen IdentitÄten“ zu ermöglichen; vgl. Habermas 1985, S. 13.Google Scholar
  15. 189.
    Das Original erschien 1979 unter dem Titel „La condition postmoderne. Rapport sur le savoir“, Paris 1979.Google Scholar
  16. 190.
    Original: „Le différend“, Paris 1983Google Scholar
  17. 192.
    Lyotard geht von folgenden Verknüpfungsregeln aus: 1. Die Spielregeln eines Spieles legitimieren sich nicht selbst, sondern sind ein expliziter oder impliziter Vertrag zwischen den Spielern; 2. Es gibt kein Spiel ohne Regeln und jede Änderung der Regeln verÄndert das Spiel; 3. Jede Aussage kann als Spielzug eines Spielers betrachtet werden; vgl. Lyotard 1993, S. 39ff.Google Scholar
  18. 195.
    Nach Lyotard sind die gro\en MetaerzÄhlungen, z.B. die Idee der AufklÄrung von Kant, der Geschichtsphilosophie Hegels und des Historischen Materialismus von Marx, vorbei. Der Moderne wirft Lyotard vor, dass zwar der theologische und aristokratische Dogmatismus der PrÄmoderne überwunden wurde, nicht aber die MetaerzÄhlungen der Moderne, also die Betonung einer objektiven, auf einer formalen Logik und wissenschaftlichen Prinzipien beruhenden RationalitÄt; vgl. Holtbrügge 2001, S. 23.Google Scholar
  19. 196.
    Auch aus der Mathematik ist bekannt, dass sich das Aufstellen von Regeln nicht innerhalb genau solcher Regelsysteme vollzieht. Dies sind zentrale Erkenntnisse aus Russeis Aporie, Huberts Scheitern und Gödels Beweis; vgl. Lyotard 1986, S. 2f.Google Scholar
  20. 197.
    „Die Sprache ist ohne Einheit, es gibt nur Sprachinseln, jede wird von einer anderen Ordnung beherrscht, keine kann in eine andere überführt werden. Was zur Krankheit führt, ist, dass eine Ordnung über die andere übergreift“ (Lyotard 1985, S. 70).Google Scholar
  21. 200.
    „Die différance-als différence mit einem „a“-, die weder ein Wort noch ein Begriff ist, auf eine gewisse und Äusserst sonderbare Weise ‚Älter ‘als die ontologische Differenz oder als die Wahrheit des Seins, strebt an, das Irreduzibelste unserer Epoche zu denken; indem sie auf eine zeitliche wie rÄumliche Spannung verweist, die die Alternative von Gegenwart und Abwesenheit überschreitet, und die es jenseits des Mythos von [...] der verloren Heimat des Denkens zu bejahen gilt“ (Lentge 1994, S. 57); vgl. auch: „Die différence ist eine aufgeschobene-verzögerte-abweichendeaufschiebende-sich unterscheidende Kraft oder Gewalt“ (Derrida 1991, S. 15).Google Scholar
  22. 201.
    „Es gibt somit zwei Interpretationen der Interpretation, der Struktur, des Zeichens und des Spiels. Die eine trÄumt davon, eine Wahrheit und einen Ursprung zu entziffern, die dem Spiel und der Ordnung des Zeichens entzogen sind, und erlebt die Notwendigkeit der Interpretation gleich einem Exil. Die andere, die dem Ursprung nicht lÄnger zugewandt bleibt, bejaht das Spiel und will über den Menschen und den Humanismus hinausgelangen, weil Mensch der Name eines Wesens ist, das die Geschichte der Metapyhsik und der Ontotheologie hindurch, das hei\t im Ganzen seiner Geschichte, die volle PrÄsenz, den versichernden Grund, den Ursprung und das Ende des Spiels getrÄumt hat“ (Derrida 1976, S. 441).Google Scholar
  23. 202.
    Holtbrügge spricht mit Verweis auf Berger von einem „RationalitÄtsschleier“; vgl. Holtbrügge, S. 215.Google Scholar
  24. 203.
    Townley 2003, S.46 weist daraufhin, dass die instrumenteile RationalitÄt amoralisch ist, d.h. kein richtig und falsch kennt und dass sie akontextuell und ahistorisch ist. Holtbrügge 2001, S. 207ff. ergÄnzt um die AemotionalitÄt.Google Scholar
  25. 204.
    „Der Kernpunkt des erforderlichen Umdenkens ist eine Umkehrung der Perspektive: notwendig ist eine Sichtweise, die von den autonomen, spezialisierten und kompetenten Teilsystemen ausgeht und fragt, wie diese in einen synergetischen, produktiven Zusammenhang gebracht werden können-und zwar ohne dass die Autonomie der Teile dadurch eingeschrÄnkt wird“ (Willke 1992, S. 348).Google Scholar

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