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Anonymisierung und Schweigepflicht in supervisorischen Prozessen — ein methodisches, ethisches, klinisches und juristisches Problem (1996)

  • Francisca Veal Rodriguez-Petzold

Auszug

In der Praxis der psychosozialen Arbeit, aber auch des klinisch-therapeutischen Handelns sind Supervisionen, Balint-Gruppen, Fallbesprechungen, Teambesprechungen, Kontrollanalyse, Praxisberatung, Ausbildungsgruppen in Beratungsoder Therapieverfahren, Tonbandsupervisionen, Videosupervisionen Orte, an denen beständig Informationen und Daten über Patientinnen und Patienten weitergegeben werden. Dieses geschieht mit einer großen Selbstverständlichkeit „zum Wohl der Klientinnen und der Patienten“ und als Maßnahme der Qualitätssicherung (Petzold/Orth/Sieper 1995a), so ubiquitär, dass bei dieser so „offensichtlichen“, nützlichen und guten Praxis sehr grundsätzliche theoretische, methodische und juristische Fragestellungen übersehen wurden. Dies ist jedenfalls der Eindruck, wenn man die relevante Literatur zum Thema „Supervision“ und „Kontrollanalyse“ sowohl im psychotherapeutischen als auch im familientherapeutischen und sozialarbeiterischen Feld betrachtet. Hier ist offenbar die Stellung der Klienten und Patienten im Rahmen supervisorischer Prozesse ein seit langem vernachlässigtes oder verdrängtes Thema. Nun wird es in Deutschland durch ein obergerichtliches Urteil in den Blick gerückt, wobei die rechtliche Problematik von der rechtlichen Substanz her keineswegs nur auf die bundesdeutsche Situation begrenzt ist, sondern sich in anderen Ländern ähnlich darstellt. „Das Bayrische Oberste Landgericht hat in einer Entscheidung vom 8.11.1994 (2′ St RR157/94, abgedruckt in Neue Zeitschrift für Strafrecht, 1995, Seite 187) ausgeführt, dass die Offenbarung eines Geheimnisses gegenüber einem selbst Schweigepflichtigen den Tatbestand der Schweigepflichtsverletzung nach § 203 Abs. 1 Satz 2 des Strafgesetzbuches erfülle.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

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  • Francisca Veal Rodriguez-Petzold

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