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Öffentliche Bildungsausgaben im inter- und intranationalen Vergleich: Machen Parteien einen Unterschied?

  • Reimut Zohlnhöfer

Auszug

Das Programme for International Student Assessment (PISA) der OECD hat seit 2001 das Interesse der deutschen Öffentlichkeit an der Bildungspolitik geweckt. Beunruhigend schwach schnitten die 15-jährigen deutschen Schülerinnen und Schüler in den meisten Kategorien, etwa beim Lesen, in der Mathematik und bei naturwissenschaftlich-technischen Fähigkeiten, ab. Was, so wurde gefragt, sind die Gründe für die unterdurchschnittlichen Leistungen des deutschen Bildungswesens? Umfassend kann dieser Frage im Rahmen dieses Kapitels nicht nachgegangen werden. Vielmehr erfolgt hier eine Fokussierung auf die finanzielle Ausstattung des Bildungswesens durch die öffentlichen Haushalte. Immerhin könnten ja die allenfalls mittelmäßigen öffentlichen Bildungsausgaben der Bundesrepublik (Schmidt 2002b, 2004) zumindest mit verantwortlich sein für die unbefriedigende Performanz. Im Folgenden gilt es, die Variation der Bildungsausgaben, genauer des Anteils der öffentlichen Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (die sog. Bildungsausgabenquote), im internationalen Vergleich und im intranationalen, also dem Bundesländervergleich, zu erklären. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Erklärungskraft der Parteiendifferenzhypothese gerichtet. Diese Fokussierung ist einerseits notwendig, da die Darstellung aller theoretisch denkbaren Einflussfaktoren den Umfang dieses Kapitels übersteigen würde. Andererseits erscheint einigen Autoren (z.B. Boix 1997) gerade die Bildungspolitik das Politikfeld zu sein, in dem sich Parteiendifferenzen auch im Zeitalter internationalisierter Märkte noch aufdecken lassen sollten (s.u.).

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Literatur

Kommentierte Literatur

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Zitierte Literatur

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

Authors and Affiliations

  • Reimut Zohlnhöfer

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