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Shopping Malls pp 153-171 | Cite as

Urbane Shoppingmalls und SubjektivitÄten. Konzeptionen der Shoppingmall als Narrativ und alltÄgliches Handeln im postfordistischen StÄdtischen

  • Ellen Bareis

Auszug

Seit dem Erscheinen von Marc Augés überlegungen zu einer „Ethnologie der Einsamkeit“ 1992 ist es üblich geworden, über FlughÄfen, Bahnhöfe, Autobahnen, Hotelketten und eben Shoppingmalls als „Nicht-Orte“ zu sprechen und nachzudenken. Einsamkeit und Ortsungebundenheit treffen, so Augé, zusammen mit einer Wahrnehmung der sozialen Umwelt mittels Zeichen, die einem in der Bewegung durch den Raum begegnen. Diese Zeichen seien keine Symbole, sondern OberflÄchen in Form von Schildern, Wegweisern, Tafeln oder Markenzeichen. Der Raum des Reisenden, des GeschÄftswie des touristisch Reisenden wÄre also der Archetypus des Nicht-Ortes (vgl. Augé 1994), die Shoppingmall eine Verdichtung in diesem Raum der Hypermoderne. Shoppingmalls zum Gegenstand der Forschung zu machen, gründet im folgenden Beitrag jedoch nicht ausschlie\lich darauf, dass sie als paradigmatische Orte (oder eben Nicht-Orte) der sozialen Existenz in der spÄten Moderne gelten. Diese Deutung allein genommen führt leicht zu einer Sichtweise auf Shoppingmalls als dem Sozialen enthobene Orte. Damit entpolitisiert sie sowohl soziale Prozesse und Konflikte in der Entstehungsgeschichte der urbanen und suburbanen Orte wie die Rolle, die Shoppingmalls in der Ausformulierung sozialer KÄmpfe spielen können. Und sie blendet aus, dass Shoppingmails — insbesondere innerstÄdtisch wie in Wohn- und Mischnutzungsquartieren gelegene — eben auch Orte des Alltags sind und in alltÄglichen Bearbeitungen von LebensrealitÄten im postfordistischen StÄdtischen eine Rolle spielen.

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

Authors and Affiliations

  • Ellen Bareis
    • 1
  1. 1.Institut für SozialpÄdagogikDeutschland

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