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Ethnische Traditionen, religiöse Bindungen und „civic identity“

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Auszug

Der Großteil der „ersten“ Generation in Österreich stammt aus den ländlichen, schwach industrialisierten Regionen der Türkei und Ex-Jugoslawiens, in denen Traditionen und Lebensweisen teils noch in scharfem Kontrast zu den westlichen, urbanen Lebensstilen stehen. Die vorherrschenden Normen und Werte agrarisch dominierter Gesellschaften werden in der Literatur idealtypisch als „traditionell“ beschrieben: Das Familien- und Verwandtschaftssystem steht im Mittelpunkt der Lebensbezüge und unterwirft seine Mitglieder durch Normen, die auf die Autorität des Familienoberhaupts fixiert und mit einem festen Moralkodex verbunden sind, einer strengen Kontrolle. In der Hierarchie stehen Männer über den Frauen, Ältere über den Jüngeren; die streng normierten Geschlechtsrollen verbinden meist religiöse Vorschriften mit ethnischen Traditionen (vgl. Schiffauer 1995). Wie bei jeder typologischen Beschreibung ist die Realität allerdings vielschichtiger, die beschriebenen Gesellschaften befinden sich oft im Übergang oder sogar in raschem Wandel (wie z.B. Jugoslawien in den 70er Jahren, die Türkei heute) und die inneren Differenzierungen — der sozialen Schichten und Familienformen, der Lebensweise in den wachsenden Gemeinden und Städten — werden dabei ausgeblendet.

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für SoziologieUniversität WienWien
  2. 2.Abteilung für Integrations- und DiversitätsangelegenheitenStadt WienWien

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