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Feministische Kriminologie

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Auszug

Der niedrige und nur bei ganz jungen Frauen etwas steigende Anteil1 an der registrierten Kriminalität lässt sich mit keiner der gängigen Kriminalitätstheorien erklären. In einem ersten Schritt wird gezeigt, dass auch ein etikettierungstheoretischer Ansatz dieses Phänomen nicht erklären kann und schon gar nicht die These einer doppelten Unterdrückung von Frauen; denn diese würde implizieren, dass zugeschriebene Kriminalität ein positives Gut ist, das soziale Aktivitäten indiziert, welche auch für positive Karrieren wichtig sind (etwa eine risikofreudige und auf Durchsetzung ausgerichtete Mentalität). Demgegenüber wird hier von der Annahme ausgegangen, dass zugeschriebene Kriminalität ein negatives Gut ist, das eher Abstiegsprozesse einleitet als Aufstiegsprozesse begleitet. Anhaltende Kriminalisierungsprozesse sind danach eher typisch männliche Abstiegsprozesse. Formelle Etikettierung kann sie auslösen, begleiten und/oder besiegeln. Wenn aber auch geschlechtsspezifisch unterschiedliche Etikettierung die registrierten Unterschiede nicht erklären kann, dann muss nicht nur eine feministische Kriminologie, sondern die Disziplin als solche ihr Theorieangebot nachbessern und die relevanten Verhaltensunterschiede differenziert erklären. Dass dies zurzeit niemand leisten kann, ist evident. Diese Defizite werden auch hier nicht nachgeholt werden können, was damit zusammen hängt, dass die Autorin eine juristisch ausgebildete Kriminologin ist und als solche soziologische, psychologische und empirisch angelegte kriminologische Texte zwar rezipieren, aber nicht generieren kann, da ihr dies insbesondere auch in einem interdisziplinär angelegten Fach wie die Kriminologie als Dilettantismus erschiene.

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Literatur

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    vgl. die Ausführungen von Grieger / Kavemann / Leopold / Rabe , in: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.), Gemeinsam gegen häusliche Gewalt, Bd. II-Staatliche Intervention bei häuslicher Gewalt, Abschlussbericht 2000 und 2004, S. 211 ff. Zwar wird an anderer Stelle an das Gewaltschutzgesetz gedacht, aber immer im Sinne einer Programmevaluation, d.h. unter der Fragestellung, ob die Arbeit der Frauenberatung gut ist, d.h. die dort beratene Klientel angemessen berät. Was dort nicht auftauchende Betroffene wollen, bleibt unklar. Der Bedarf an Rechtsrat für diejenigen, welche weder die Polizei rufen noch zu einer Frauenberatungsstelle gehen wollen, ist nach wie vor ungeklärt und (vermutlich) auch ungestillt.Google Scholar
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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

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