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Innere Sicherheit und die Zukunft der Kriminologie Möglichkeiten und Verpflichtungen

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Auszug

Als Soziologe, der ich von Haus aus bin und der die Kriminologie immer nur als Forschungsfeld und nicht als eine identitätsstiftende wissenschaftliche Disziplin gesehen hat 1, möchte ich zunächst anmerken, dass die „Innere Sicherheit“ als Gegenstand der Kriminologie erst in den letzten Jahren aufgekommen ist. Das bedeutet, dass die Kriminologie offensichtlich ihren Problemhorizont entscheidend erweitert hat. „Kriminalität“, der traditionelle Gegenstandsbezug, der seit Beccaria, Quetelet und Lombroso das Forschungsfeld der Kriminologie ausmachte, ist einem Konzept der „Inneren Sicherheit“ gewichen, das sich sowohl in deskriptiver wie in normativer Hinsicht von den Konturen des Strafrechts gelöst hat. Und selbst der einschränkende Zusatz, „Innere“ sollte entfallen, um das ganze Ausmaß des veränderten Verständnisses von Sicherheit zu erfassen und zu bedenken. Dem — neben A. Giddens — bedeutendsten zeitgenössischen polnisch-englischen Gesellschaftstheoretiker Z. Bauman verdanken wir die eindringlichste Analyse der Rolle, die der „Sicherheit“ für das Selbstverständnis, die Befindlichkeit sowie die Befangenheit moderner Gesellschaften zukommt 2.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. hierzu J. Lea, Criminology and Postmodernity, in: P. Walton und J. Young (Hrsg.), The New Criminology Revisited, MacMillan Press 1998, S. 163–189, S. 164.Google Scholar
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    Beide Zitate sind entnommen: P. Rock, Chronocentrism and British Criminology, in: British Journal of Sociology 56/3 (2005), S. 473–491, hier: S. 484 u. 487.Google Scholar
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    Vgl. hierzu die unverändert lesenswerte historische Studie von H. Kern „Empirische Sozialforschung. Ursprünge, Ansätze, Entwicklungslinien“, München 1982, insbes. S. 37 ff. Quetelet wird darin als „wissenschaftlicher Multifunktionär“ charakterisiert (S. 38)Google Scholar
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    Vgl. H. Kern, a.a.O., S. 39/40.Google Scholar
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    Vgl. D. Garland, The Culture of Control. Crime and Social Order in Contemporary Society, Oxford 2001; von „Straflust“ handelt ein Aufsatz von W. Hassemer aus dem Jahr 2000, Nachw. bei F. Sack, Wie die Kriminalpolitik dem Staat aufhilft. Governing through Crime als neue politische Strategie, in: R. Lautmann/D. Klimke/F. Sack, Hrsg., Punitivität. 8. Beiheft Kriminologisches Journal, München 2004. Vgl. Searching for a New Criminology of Everyday Life: a Review of the Culture of Control, in: The Britisch Journal of Criminology 42 (2002), S. 228–243.Google Scholar
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    Vgl. J. Simon, ‘Entitlement to cruelty’: the end of welfare and the punitive mentality in the United States, in: K. Stenson und R. R. Sullivan, Crime, Rrisk and Justice. The politics of crime control in liberal democracies, Cullompton 2001, S. 125–143.Google Scholar
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    Vgl. St. Cohen, States of Denial. Knowing About Atrocities and Suffering, Blackwell 2001; vgl. dazu das Gespräch mit Cohen, das L. Taylor mit ihm im Jahre 2004 geführt hat und das gerade publiziert wurde: The Other Side of the Street, in: Social Justice 32/2 (2005), S. 82–88.Google Scholar
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    Vgl. K. D. Haggerty, Displaced expertise. Three constraints on the policy-relevance of criminological thought, in: Theoretical Criminology 8/2 (2004), S. 211–231. S. 220; dort auch: ‘In deed, it would be difficult to find a critical mass of professional criminologists who advocate the wisdom or rationality of some of the most important and high-profile criminal justice initiatives of the past two decades’.CrossRefGoogle Scholar
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    Vgl. L. Wacquant, Vom wohltätigen Staat zum strafenden Staat: Über den politischen Umgang mit dem Elend in Amerika, in: Leviathan 50 (1997), S. 50–66.Google Scholar

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

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