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Rückzug der Unternehmen aus der Berufsausbildung

Chapter

Auszug

Im Ansatz der „Varieties of Capitalism“ (Hall/Soskice 2001) werden zwei Grundkonzepte des Umgangs mit der Berufsausbildung unterschieden: ein liberales System, das auf den Erwerb allgemeiner Qualifikationsinhalte ausgerichtet und für liberale Marktökonomien (LMES) typisch ist, und ein System, das branchen- und unternehmensspezifische Qualifikationen fördert und in eine korporatistische Zusammenarbeit zwischen Staat, öffentlichen Bildungseinrichtungen und Verbänden eingebunden ist. Letzteres wird der koordinierten Marktökonomie (CME) zugerechnet (vgl. Kapitel 2). Beim liberalen System müssen die Unternehmen das Abwerben von ihnen ausgebildeter Fachkräfte fürchten, da die Bindung an die Unternehmen geringer und die Einkommen weniger standardisiert sind. Gleichzeitig haben die Arbeitnehmer aufgrund des fluiden Arbeitsmarktes ein starkes Interesse an allgemeinen, sektorübergreifenden Qualifikationen, um so vielseitig einsetzbar zu bleiben. Demgegenüber erleichtern koordinierte marktökonomien mit ihren hohen wechselseitigen Verpflichtungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Investitionen in industrie- und firmenspezifische Fähigkeiten und Fertigkeiten. Gewerkschaften und Unternehmerverbände sind zudem in die Definition der Ausbildungsinhalte des teils staatlichen, teils durch die Unternehmen finanzierten Systems eingebunden, und ihr Druck auf ihre Mitglieder dämmt das Problem des Trittbrettfahrens zumindest ein.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften| GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

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