Advertisement

Governance als „Betrachtungsweise“

Auszug

Obgleich der ursprünglich aus der Ökonomie (vgl. Coase 1991; Orig. 1937) stammende Governancebegriff inzwischen bereits eine langjährige Theoriegeschichte in den Politikwissenschaften und den Sozialwissenschaften hat (vgl. Schneider/Kenis 1996; Benz 2004, 15–19), wird in Lehrbüchern (Benz 2004a; Lange/Schimank 2004a) auf die noch unabgeschlossene Begriffsfassung verwiesen, das heißt, dass es „keine Lehrbuchdefinition von Governance gibt und sich in der Literatur unterschiedliche Begriffsverständnisse finden (vgl. Kooiman 2002; Pierre 2000; Rhodes 1997, 46–60)“ (Benz 2004b, 12). Hierfür gibt es (1) einen trivialen — für komplexe Begriffe typischen —, aber (2) auch einen prinzipiellen — dem Begriff immanenten — Grund: (1) Zum einen erscheint es bei komplexen Begriffen — vgl. ebenfalls die zuvor angeführten Versuche einer Begriffsbestimmung für den Autonomiebegriff — nahezu unmöglich, eine knappe Definition vorzunehmen, ohne dass diese reduktionistisch gegenüber der Begriffsgeschichte und den zahlreichen Verwendungsweisen in unterschiedlichen Kontexten wäre.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 12.
    Lange/ Schimank (2004b, 23) verweisen in diesem Zusammenhang beispielsweise auf die Bedeutung von so genannten „exit“-Optionen: „Für [...] Governance-Mechanismen gilt ferner, dass es einen Unterschied macht, ob bestimmten oder allen Akteuren der jeweiligen Konstellation ‚exit‘-Optionen offen stehen und wie leicht realisierbar diese sind. Um dies nur an zwei Beispielen anzudeuten: Wenn in einer Beobachtungskonstellation einer von zwei Akteuren jederzeit ‚exit ‘wählen kann, ist seine Bereitschaft zur wechselseitigen Anpassung begrenzt, was wiederum für sein Gegenüber nicht ohne Bedeutung ist; und in ZwangsverhandlungsNetzwerken, in denen die Akteure keine ‚exit‘-Option haben und auch nicht ausgeschlossen werden können, aber ein Einstimmigkeitsprinzip herrscht, spielt die Vetomacht jedes einzelnen eine ganz entscheidende Rolle.“Google Scholar
  2. 13.
    Auch Naschold/ Bogumil (1998, 26) verwenden diesen Terminus, wenn sie davon sprechen, dass es bei Governance „um die Neuentwicklung einer komplexen Regelungsstruktur der unterschiedlichen Wirkungsmechanismen (‚Governance‘-Strukturen) unserer Gesellschaft, um eine Neugestaltung der Trias von Verfügungsrechten, Wettbewerbskräften und staatlicher Regulation“ gehe. In Abgrenzung zu Naschold/Bogumil verwende ich den Begriff der „Verfügungsrechte“ im Folgenden als übergeordnete Kategorie. Demnach würden von mir diese drei Wirkungsmechanismsen nicht als nebengeordnet vorgestellt, sondern die Verteilung von Verfügungsrechten wäre auch innerhalb der Sphären des Wettbewerbs und der staatlichen Regulierung wirksam und damit diesen übergeordnet.Google Scholar

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

Personalised recommendations