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Einleitung

Chapter
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Auszug

Die Vereinigten Staaten gelten als Ursprungsland der Frauenbewegung. Strategien der ‘politischen Ermächtigung’ (empowerment) von Frauen werden jenseits des Atlantiks bereits seit Jahrzehnten diskutiert.1 Die Arbeit der überwiegend nicht-staatlichen Frauenorganisationen wird im Vergleich zu Deutschland als vorbildlich eingestuft. So urteilt die Politologin Helga Lukoschat: „Insbesondere im Vergleich zu den USA, wo es zahlreiche unabhängige, parteiübergreifende Einrichtungen zur Nachwuchsfärderung, zur Qualifizierung von Frauen und zur Beratung, Unterstützung und Vernetzung von Politikerinnen gibt, nimmt sich die Bundesrepublik nahezu wie ein frauenpolitisches ‘Entwicklungsland’ aus.“2

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Literature

  1. 1.
    Vgl. Meyer. Amerika, hast Du es besser? Zur politischen Partizipation von Frauen in den USA. 36.Google Scholar
  2. 2.
    Lukoschat. Austausch und Vernetzung: Maßnahmen zur Stärkung von Frauen in der Politik. 195. Ebenso sieht es Esch. Instrumente gleichstellungspolitischen Mainstreamings. 207f.Google Scholar
  3. 3.
    Zur Anzahl der Gleichstellungstellen vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.). Frauen in Deutschland. Von der Frauen-zur Gleichstellungspolitik. 11.Google Scholar
  4. 4.
    Blattert. Aus(sen)wirkungen staatlicher Frauenpolitik. Eine Untersuchung des Verhältnisses von Gleichstellungsstelle und Frauenprojekten in Berlin. 76 und 71.Google Scholar
  5. 8.
    Nach eigener Recherche basierend auf den Mitgliederlisten des Deutschen Bundesrats sind unter den insgesamt 69 Mitgliedern des Deutschen Bundesrats derzeit zwölf Frauen, was einem Anteil von 17,4 Prozent entspricht. Vgl. Deutscher Bundesrat. Liste der Mitglieder nach Bundesländern. (Link siehe Webliographie).Google Scholar
  6. 9.
    Übersicht erstellt basierend auf Angaben der Inter-Parliamentary Union (IPU). Women in National Parliaments: World Classification. (Link siehe Webliographie.) Eine Studie im Auftrag des World Economic Forum stellte 2005 ein internationales Ranking auf, welches nicht nur die Anzahl weiblicher Abgeordneter, sondern auch den Frauenanteil an politischen Führungspositionen berücksichtigt. Hiernach findet sich die Bundesrepublik auf Platz 6, die Vereinigten Staaten auf Platz 19 von 58 Ländern wieder. Vgl. Lopez-Claros and Zahidi. Women’s Empowerment: Measuring the Global Gender Gap. (Link siehe Webliographie.)Google Scholar
  7. 10.
    Hoecker. Geschlechterdemokratie im europäischen Kontext. Die Konzepte der Europäischen Union zur Förderung der politischen Beteiligung von Frauen. Hoecker bezieht diese Aussage auf die Unterrepräsentation von Frauen in den Mitgliedsländern der Europäischen Union und postuliert somit eine weitreichende Übertragbarkeit der Annahme von der herausragenden Bedeutung gesellschaftlicher Strukturen—und zwar unabhängig von verschiedenen politischen Systemen.Google Scholar
  8. 12.
    Feldmann und Schülting. Gender. 217.Google Scholar
  9. 13.
    Vgl. Sapiro. The Political Integration of Women: Roles, Socialisation, and Politics. 60f.Google Scholar
  10. 14.
    An dieser Stelle sei die in der politischen Praxis seit einiger Zeit prominente Strategie des gendermainstreamings erwähnt. Hierbei soll das soziale Geschlecht zu einem integrativen Teil aller dominanten Politikbereiche (main stream) werden, wobei der „Prozess hin auf eine geschlechtergerechte Politik (mainstreaming)“ im Zentrum des Interesses steht. Gendermainstreaming enthält somit die Forderung, dass sich Frauen und Männer für Fortschritte im Geschlechterverhältnis gleichermaßen engagieren. Vgl. hierzu Holland-Cunz. Die alte neue Frauenfrage. 192.Google Scholar
  11. 15.
    Als einer der ersten thematisierte Niklas Luhmann diese problematische Situation der Frauenforschung. Vgl. Luhmann. Frauen, Männer und Georg Spencer Brown. 47–71. Judith Butler legte in ihrem Werk Gender Trouble die soziale, kulturelle und sprachliche Konstituiertheit der Geschlechterrollen frei. In Bodies That Matter radikalisiert Butler ihren Gedankengang, indem sie ausführt, dass die Unterscheidung zwischen biologischem und sozialem Geschlecht ebenfalls eine kulturell konstruierte Ideologie sei. Dies impliziert, dass die Frauenbewegung und auch die feministische Forschung zu einer Aufrechterhaltung der Geschlechterdichotomie beitragen. Die Unterschiedlichkeit werde immer wieder thematisiert, was schließlich eine systemstärkende Wirkung habe. M.E. werden durch Butlers Analysen die Aktivitäten und Arbeiten von Frauenrechtlerinnen und-forscherinnen dennoch nicht in Frage gestellt, da sich Butler auf einer anderen (theoretischen) Ebene des Themenkomplexes bewegt. Vgl. Butler. Gender Trouble: Feminism and the Subversion of Identity. sowie Butler. Bodies That Matter: On the Discursive Limits of’ sex’.Google Scholar
  12. 16.
    Angelika Wetterer führt hierzu aus: „Die Übersetzung von Hierarchie in Differenz stützt (⋯) fortwährend die Legitimation der Vergeschlechtlichung und hat nicht zuletzt deshalb zur Folge, dass der Abbau geschlechtshierarchischer Strukturen eher weiter in die Ferne, statt näher rückt.“ Wetterer. Dekonstruktion und Alltagshandeln. Die (möglichen) Grenzen der Vergeschlechtlichung von Berufsarbeit. 242.Google Scholar
  13. 17.
    von Wahl. Gleichstellungsregime. Berufliche Gleichstellung von Frauen in den USA und in der Bundesrepublik. 349. Grundsätzlich gilt das Konzept der Gleichheit als systemerhaltend, da es trotz der Forderung nach Gesellschaftsveränderung das soziale Wertgefüge in Takt lässt und so systemkompatibel ist. Das Konzept der Geschlechterdifferenz hingegen befürwortet die Separation vom etablierten System und die Schaffung einer Gegenkultur. Vgl. hierzu beispielsweise Blattert. Aus(sen)wirkungen staatlicher Frauenpolitik. Eine Untersuchung des Verhältnisses von Gleichstellungsstelle und Frauenprojekten in Berlin. 24 und 48f.Google Scholar
  14. 19.
    Mansbridge. Should Blacks Represent Blacks and Women Represent Women? A Contingent ‘Yes’. 629. In der Literatur finden sich analog zu „substantive and descriptive representation“ die Bezeichnungen „agency and sociological representation“. Vgl. z.B. Reith Schroedel and Mazumdar. Into the Twenty-First Century: Will Women Break the Political Glass Ceiling? 205.Google Scholar
  15. 20.
    Mansbridge benennt eine Reihe solcher Untersuchungen. Vgl. Mansbridge. Should Blacks Represent Blakcs and Women Represent Women? A Contingent ‘Yes’. 630.Google Scholar
  16. 21.
    An dieser Stelle kann nur auf einen Teil der unzähligen Untersuchungen verwiesen werden, die die Ansicht vertreten, dass Frauen Frauen ‘besser’ repräsentieren. Siehe beispielsweise Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.). Frauen in Deutschland. Von der Frauen-zur Gleichstellungspolitik. Hier insbesondere 129. Burrell. A Woman’s Place is in the House: Campaigning for Congress in the Feminist Era. Hier insbesondere Chapter 8: Women Members of Congress and Policy Representation. 151–82. Carroll (ed) The Impact of Women in Public Office. Sowie Carroll. Women as Candidates in American Politics. Hier insbesondere Chapter 8: Representation of the Interests of Women. 138–56. Darcy, Welch, and Clark. Do Women in Office Make a Difference? 181–84. Dolan. Political Appointees in the United States: Does Gender Make a Difference? 213–16. Firestone and Vega. The Effects of Gender on Congressional Behavior and the Substantive Representation of Women. 213–22. McGlen, O’Connor, van Assendelft, and Gunther-Canada. Women, Politics, and American Society. Heir insbesondere 105–11. Thomas. Voting Patterns in the California State Assembly: The Role of Gender. 43–56. Welch. Are Women More Liberal Than Men in the U.S. Congress? 125–34. Witt, Paget, and Matthews. Running As A Woman. Gender and Power in American Politics. Hier insbesondere Chapter 11: What Difference Does Differences Make? 265–84.Google Scholar
  17. 22.
    Arceneaux. The ‘Gender Gap’ in State Legislative Representation: New Data to Tackle an Old Question. 143. Auch wenn sich Arceneaux nur auf gewählte Ämter bezieht, gilt gleiches für Ämter, die durch Ernennung besetzt werden. Jo Freeman sagt hierzu: „[A]ppointments also have symbolic values. They signal to members of a particular group, at least to those who consciously identify with that group, that the President considers them important.“ Freeman. A Room at a Time: How Women Entered Party Politics. 213.Google Scholar
  18. 23.
    Holland-Cunz. Die alte neue Frauenfrage. 186. Gegner der descriptive representation argumentieren weiterhin, dass bei einer Umsetzung dieses Systems die Qualifikationen der Repräsentanten zwangsläufig sinken würden. Wie vor allem die Ausführungen in Teil B, Kapitel 1 deutlich machen werden, ist auch dieses Argument in Bezug auf eine deskriptive Repräsentation von Frauen gegenstandslos. Weiterhin sei angemerkt, dass es keine exakte Methode zur Messbarkeit der Qualität von Politikern gibt, sondern dass Qualität sich auf mehreren Ebenen bewegt. Wird in dieser Arbeit im weiteren Verlauf von Repräsentation gesprochen, so ist eine deskriptive Repräsentation gemeint.Google Scholar
  19. 24.
    Barbara J. Nelson von der Princeton University hat eine umfangreiche Bibliographie zum Themenkomplex veröffentlicht die mittlerweile jedoch einer Aktualisierung bedürfte. Vgl. Nelson. American Women and Politics: A Selected Bibliography and Resource Guide. Eine beeindruckende Enzyklopädie über Frauen in der Welt der amerikanischen Politik wurde 1999 veröffentlicht. Neben Portraits von mehr als 400 Frauen finden sich dort kurze Essays zu wichtigen Gerichtsurteilen ebenso wie die Wiedergabe bedeutender historischer Reden oder Kontaktadressen zu Frauenorganisationen. Vgl. Schultz and van Assendelft (eds.) Encyclopedia of Women in American Politics. The American Political Landscape Series No. 1Google Scholar
  20. 25.
    Vgl. Center for American Women and Politics (CAWP). Eagleton Institute of Politics, Rutgers University. 1. April 2006 <http://www.cawp.rutgers.edu>.
  21. 26.
    Vgl. McGlen, O’Connor, van Assendelf, and Gunther-Canada. Women, Politics, and American Society.Google Scholar
  22. 28.
    Vgl. Hoecker. Lern-und Arbeitsbuch. Frauen, Männer und die Politik.Google Scholar
  23. 29.
    Bettina und Dirk Wentzel haben die wirtschaftlichen Systeme der Bundesrepublik und der USA miteinander verglichen. Zur Methode des Systemvergleichs führen sie aus: „Menschliches Handeln ist immer ordnungsbedürftig. In einer sich schnell wandelnden modernen Gesellschaft stellt sich die Frage nach geeigneten Ordnungsbedingungen stets neu. Welche Anreiz-und Kontrollwirkungen gehen von unterschiedlichen Regeln aus? Welche Ordnungsbedingungen sind zweckmäßig (⋯)? Alle diese Fragen können theoriegeleitet beantwortet werden. Gleichwohl bleibt offen, ob bestimmte Regeln in der Realität tatsächlich die prognostizierte Wirkung entfalten. (⋯) In diesem Sinne ist der Systemvergleich als ordnungsökonomische Methode ein zukunftsträchtiges Forschungsprogramm, denn mit Hilfe dieser Vorgehensweise ist es möglich, die Vielfalt institutioneller Arrangements aufzuzeigen und deren Wirkung zu analysieren. (⋯) Es geht dabei nicht darum, das eine oder das andere System als ‘besser oder schlechter’ einzustufen. Ziel ist es vielmehr, durch die systematische Gegenüberstellung stark differierender Teilordnungen Erkenntnisse zu gewinnen, die hilfreich sind, um wirtschaftspolitische Handlungsoptionen für aktuelle Probleme zu entwickeln.“ Wenzel und Wenzel. Wirtschaftlicher Systemvergleich Deutschland—USA anhand ausgewählter Ordnungsbereiche. XI–XVI. Was Wenzel und Wenzel hier für den Systemvergleich der ökonomischen Strukturen in den USA und Deutschland ausführen, hat für den Forschungsbereich dieser Arbeit entsprechende Gültigkeit.Google Scholar
  24. 30.
    Penrose. Orientierungsmuster des Karriereverhaltens deutscher Politikerinnen: Ein Ost-West-Vergleich. 40, 16–21. Die Eliteforschung hat auf der Suche nach den ausschlaggebenden Qualifikationskriterien verschiedene Ansätze entwickelt. Während der (mittlerweile veraltete) Stratifikationsansatz davon ausging, dass die soziale Herkunft ausschlaggebend für den politischen Aufstieg sei, konzentrierte sich der persönlichkeitstheoretische Ansatz auf den Einfluss bestimmter Persönlichkeitsmerkmale. Der heutzutage dominierende Karriereansatz verbindet die Theorien und geht davon aus, dass Karriere beeinflusst wird von sozialer Schicht, Persönlichkeit sowie weiteren Einflüssen und Zufällen.Google Scholar
  25. 31.
    Vgl. Holland-Cunz. Die alte neue Frauenfrage. 222.Google Scholar

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