Advertisement

Multikulturalismus zwischen Subversion und Repression

Auszug

Bourdieus Konzept der Kultur als Mittel und Produkt von Statuskämpfen zeigt die Vielgestaltigkeit der Interessen, die sich in der (Re)- Produktion kultureller Werte und Klassifikationen ineinander verschlingen. Die Kämpfe um Kapitalien und um deren Anerkennung führen nicht zwangsläufig zur Wiederkehr des Gleichen und Bestehenden, sondern sie sind dynamisch und ergebnisoffen. Angesichts dieser Dialektik von Reproduktion und Revolution wäre es falsch, das Handeln der Akteure auf konservative „Erhaltungsstrategien“ zu reduzieren. Es gibt auch „Strategien der Häresie“, also der Infragestellung der etablierten Ordnung, mit deren Hilfe die Akteure versuchen, die Beherrschenden zu entmachten und selbst in die herrschende Position zu gelangen (Schwingel 2003:98). Träger dieser häretischen Subversion sind vornehmlich kritische Intellektuelle, die der kulturellen Orthodoxie ihre heterodoxen Interpretationen entgegenstellen. Ihre besondere Rolle gewinnen sie einerseits aus ihrem Vorsprung an kulturellem Kapital, andererseits aus ihrer hybriden Position zwischen Herrschenden und Beherrschten. Als Kulturkapitalbesitzer gehören sie der dominierenden Klasse an, doch innerhalb dieser werden die Intellektuellen wegen ihres Mangels an ökonomischem Kapital durch die Besitzklassen dominiert. Hieraus erklärt sich die Neigung von Intellektuellen, für marginalisierte Gruppen Partei zu ergreifen, obgleich sie an Herrschaftsprivilegien teilhaben und an deren Bestand existenziell interessiert sind (Schwingel 2003:125 ff).36

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006

Personalised recommendations