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Auszug

Kulturelle Identitaten und Zugehörigkeiten gehören neuerdings zu den dominierenden Themen des gesellschaftswissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurses. Aus soziologischer Sicht ist dieses „ethnic revival“ (Smith 1981) durchaus erstaunlich. Bis in die jüngste Zeit galt gesellschaftliche Modernisierung als faktisch gleichbedeutend mit einem Zurückdrängen ständischer, kultureller oder ethnischer Vergemeinschaftungen. So unterschiedlich die Klassiker der Soziologie die Prozesslogik der gesellschaftlichen Rationalisierung auch bewerteten, so einig waren sie sich darin, dass die naturwüchsigen kollektiven Zusammenhänge sich auflösen würden: Marx hegte keinerlei Zweifel, dass „alles Stehende und Standische verdampft“ (vgl. Marx und Engels 1980). Selbst Weber, der in kritischer Distanz zu Marx die dauerhafte Koexistenz von Klasse und Stand betonte, zeigte sich überzeugt, dass mit der zunehmenden „Rechenhaftigkeit“ des modernen Lebens und der Vervielfältigung von Handlungsoptionen auch die Bereitschaft abnehmen wird, sich auf die Restriktionen einer gemeinsamen kulturellen Lebensweise einzulassen (Weber 1980: 226 f). Noch in jüngster Zeit sprachen beherzte Zeitgenossen von einer nahezu vollständigen „Entstrukturierung“ und „Individualisierung“ der Gesellschaft, die nur noch „jenseits von Klasse und Stand“ diskutiert werden könne (Beck 1986). Vor diesem Hintergrund konnte jede Revitalisierung ethnischer und kultureller Identitäten bestenfalls als sentimentales Relikt (Lipset und Rokkan 1967) interpretiert werden.

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2006

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