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Prekarisierung und Geschlecht. Ein Versuch über unsichere Beschäftigung und männliche Herrschaft in nachfordistischen Arbeitsgesellschaften

  • Klaus Dörre
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Auszug

Lange Zeit eher ein Thema für soziale Bewegungen und Magazine an den Rändern des Wissenschaftssystems ist die Prekarisierung inzwischen in aller Munde. Aus feministischer Perspektive wird die aktuelle Debatte um unsichere Beschäftigungs- und Lebensformen indessen mit einer gewissen Skepsis kommentiert. Einerseits gilt es als Fortschritt, wenn sich nun auch die Industriesoziologie für Arbeitsverhältnisse jenseits der Norm zu interessieren beginnt. Andererseits jedoch wird moniert, dass sich die Diskussion häufig am Maßstab eben jenes Normarbeitsverhältnisses ausrichtet, das mit dem Leitbild des männlichen Ernährers aufs Engste verkoppelt ist. Gerade die feministische Forschung und Politik hat mit ihrer Kritik an einem verengten, ausschließlich erwerbs- und produkti- onsbezogenen Arbeitsbegriff immer wieder eine arbeitspolitische Aufwertung flexibler Beschäftigungsformen angemahnt, ohne deren Zwiespältigkeit zu übersehen. Davon inspiriert wurden Perspektiven einer positiven Flexibilisierung von Erwerbsarbeit - etwa in den Gewerkschaften - wenigstens ansatzweise zum politischen Programm (vgl. Wiethold 2006). Weiter gedacht mündeten sie in die Vision einer Angleichung sämtlicher Erwerbschancen von Männern und Frauen, die nur mittels unkonventioneller Verzahnungen von Lebensphasen mit und ohne Erwerbsarbeit bei gleichzeitiger Maximierung individueller Entscheidungsautonomie realisierbar schien (vgl. Hausen 2000: 358–359).

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  • Klaus Dörre

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