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Entgrenzte Arbeit — gefährdete Reproduktion. Genderfragen in der Arbeitsforschung

  • Nick Kratzer
  • Dieter Sauer
Chapter

Auszug

Die gesellschaftliche Organisation von Arbeit im Kapitalismus wird gegenwärtig weiterhin von der Form der Erwerbsarbeit dominiert, deren Bedeutung für die große Mehrheit der Bevölkerung eher zugenommen hat. Dies gilt zum einen quantitativ: Trotz des abnehmenden Erwerbsarbeitsvolumens steigt die Zahl der Menschen, deren Existenz von der Erwerbsarbeit abhängig ist. So wird in dem im Jahre 2005 erschienenen ersten Band der Berichterstattung zur sozioökonomischen Entwicklung Deutschlands mit dem Titel „Arbeits- und Lebensweisen“ festgestellt: „Deutschland bleibt eine Arbeitsgesellschaft. Erwerbsbeteiligung ist für die große Mehrheit der Bevölkerung die Aktivität, die ihre Lebensweise bestimmt und über ihre soziale Sicherung entscheidet. Daran haben bislang weder demografische Trends noch veränderte Lebensweisen, noch gesamtwirtschaftliche Unterbeschäftigung et- was Grundlegendes geändert (...). Die Zahl der Erwerbspersonen hat in Westdeutschland langfristig absolut wie relativ (als Erwerbsquote gemessen) zugenommen, während die der Nichterwerbspersonen leicht abnahm. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts liegen die Erwerbsquoten für Männer bei gut 80%, für Frauen im Westen bei ca. 64%, im Osten bei 73%. Der Erwerbswunsch liegt noch deutlich höher: Berücksichtigt man die zusätzliche stille Reserve, so haben nur 10% der Männer und nur 18% der westdeutschen bzw. 15% der ostdeutschen Frauen keine Erwerbsorientierung“ (SOFI/IAB/ISF München/INIFES 2005: 13–14).

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© VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007

Authors and Affiliations

  • Nick Kratzer
  • Dieter Sauer

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