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Narratives Bildverstehen. Plädoyer für die erzählende Dimension der Fotografie

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Auszug

Über Fotografie und über Fotos als kulturelle Phänomene ist schon viel geschrieben worden. Das Foto als eine Ikone der Moderne ist auch heute am Ende des „fotografischen Zeitalters“2 immer noch und immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Auseinandersetzungen und Kontroversen. Als eine Leittechnik des 20. Jahrhunderts hat die Fotografie das Bild von der Welt und den Blick auf die Welt verändert und bestimmt. Die Öffentlichkeit der Moderne ist eine Öffentlichkeit der Augenlust3 und des „voyeuristischen Blicks“. Fragen, die sich die Wissenschaft von der Fotografie gestellt hat, bezogen sich auf die „Realität“, die auf den Bildern zu sehen ist, auf die Wahrnehmung der Fotografie4, auf die gesellschaftliche Funktion der Fotografie5 oder die erziehungswissenschaftliche Bedeutung von Fotos6. Ein Blick in unterschiedliche Veröffentlichungen zur Fotografie macht deutlich, dass das Medium zwar Teil des technischen Alltags geworden ist, dass aber seine theoretische und ästhetische Bewertung wieder immer Probleme macht. Auch wenn ein Foto in seiner Aussage banal erscheint, kann es jedoch Träger von tieferen Bedeutungen sein.7 Hier setzt der folgende Beitrag an, der zeigen möchte, dass Bildinterpretationen, die das Einzelbild und seine Komposition untersuchen, unzureichend sind. Auch eine elaborierte Bildinterpretationen wie die ikonographisch-ikonologische Methode nach Panofsky, die einen wichtigen Beitrag für die Fotointerpretation liefert und Eingang in die Erziehungswissenschaft gefunden hat, findet dort ihre Grenze, wo das Foto als Ausdruck einer globalen Bildkommunikation verstanden wird.

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